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"Das war heute ein echter Spaß"
'Das war heute ein echter Spaß'
02.05.2019 - 00:00 Uhr
Von Hartmut Metz

Magnus Carlsen ist nicht gerade dafür bekannt, zu Überschwang zu neigen. Bereits vor der letzten Runde bei den Grenke Chess Classic in Baden-Baden zeigte sich der Schach-Weltmeister jedoch entzückt. Statt mürrisch seine Partie zu kommentieren, strahlte der Norweger übers ganze Gesicht: "Die letzten drei Runden waren ein Traum", wirkte Carlsen ungewohnt zufrieden, nachdem er Peter Swidler mit den schwarzen Steinen überrollt hatte. Der Russe nahm die Schlappe mit Humor, verneigte sich quasi tief vor dem Weltranglistenersten und ließ seinen schutzlosen König durch zwei heranstürmende Bauern mattsetzen, statt in hoffnungsloser Lage aufzugeben. "Das war heute ein echter Spaß - aber so kann man nicht jeden Tag gewinnen", schränkte Carlsen ein.

Dabei spielte er sich beim Weltklasseturnier, das in Karlsruhe vor fast 2 000 Open-Teilnehmern begonnen hatte, regelrecht in einen Rausch. "Unglaublich" oder "irre", raunten die beeindruckten Fans ein ums andere Mal verzückt, wenn der in diesem Jahr noch ungeschlagene Weltmeister einen Zug nach dem anderen präzise wie eine Rechenmaschine aufs Brett setzte. "Ich denke, ich bin nicht besser als vor vier, fünf Jahren, auch wenn ich derzeit sehr zufrieden bin, so wie es läuft", entlockte eine entsprechende Frage Carlsen zwar ein Grinsen, aber kein Superlativ - obwohl er dank einer sensationellen Performance von 2 990 Elo-Ratingpunkten so gut wie noch nie in neun Runden spielte. Dem Superstar der Denker-Szene fehlen nun lediglich acht Elo, um seinen Rekord von 2 882 Elo zu verbessern. Ja, selbst die Schallmauer von 2 900 sieht Carlsen nun "in Reichweite" - es wäre für das königliche Spiel ähnlich wie ein Neun-Meter-Satz im Weitsprung: undenkbar.

Selbst sein schärfster Widersacher, Fabiano Caruana (USA), kapitulierte vor der letzten Runde und fügte sich in Platz zwei durch ein rasches Remis mit dem Armenier Lewon Aronjan. Mit sechs Punkten lag der Vizeweltmeister so einen Zähler vor dem ehemaligen deutschen Spitzenspieler Arkadij Naiditsch (Aserbaidschan) und Maxime Vachier-Lagrave - und 1,5 Punkte hinter Carlsen. Der ging trotz des gewaltigen Vorsprungs selbst auf der Zielgeraden nicht vom Gaspedal - und attackierte. "Maxime gibt gerne Bauern für Initiative, aber hier gab es keine Initiative. Es war einfach ein Mehrbauer für mich", analysierte Carlsen die Partie, durch die er seine Bilanz 2019 gegen die Elite auf 16 Siege und 15 Remis steigerte.

Im weltmeisterlichen Glanz verblasste der Rest: Im Mittelfeld landeten die zunächst sehr gut gestarteten weiteren Baden-Badener Bundesligaspieler Swidler und Ex-Weltmeister Viswanathan Anand (Indien) sowie Aronjan (alle 4,5). Francisco Vallejo Pons (4) setzte sich in der Schlussrunde durch einen Erfolg über Vincent Keymer vom 14-Jährigen und Nationalspieler Georg Meier (beide Deizisau) ab. Deren zwei Punkte im "Haifischbecken" (Meier) sind für Keymer weniger ein Beinbruch, auch wenn das Talent die angepeilte dritte und letzte Großmeister-Norm deutlich verfehlte. "Ich habe viel gelernt und gemerkt, dass ich gegen diese Leute mithalten kann", stellte Keymer fest.

Einen Elo-Zähler gewann der Gymnasiast sogar dank der Klasse der Konkurrenz hinzu. Dem Vorjahressieger im Open, der damals 49 Großmeister hinter sich gelassen und neben 15 000 Euro Taschengeld auch die Qualifikation für die Grenke Chess Classic erworben hatte, traute mancher gar keinen Punkt gegen die Asse zu. Letztlich war der krasse Außenseiter der einzige im Zehnerfeld, der Carlsens Siegesserie hätte brechen können. Gleich zum Auftakt hatte Keymer tapfer nach vorne gespielt und stand besser mit Weiß, ehe der größte Hai im Haifischbecken zubiss.

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