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"Klassenerhalt ist ein Riesenerfolg"
04.05.2019 - 00:00 Uhr
Die Handballerinnen der SG Steinbach/Kappelwindeck spielen auch in der nächsten Saison in der dritten Bundesliga. Der Klassenerhalt ist laut Arnold Manz höher einzustufen, als der Aufstieg im Vorjahr. Im Gespräch mit BT-Sportredakteur Moritz Hirn blickt der sportliche Leiter der Rebland-SG auf die vergangene Runde zurück - und auf die neue voraus.





Interview

BT: Herr Manz, was war denn schwieriger: der Aufstieg in die dritte Liga oder der Klassenerhalt derselben?

Arnold Manz: Mit etwas Abstand habe ich für mich festgestellt: Es ist ein größerer Erfolg, in der Liga zu bleiben, als im vergangenen Jahr den Aufstieg realisiert zu haben. Alle Vorzeichen in den vergangenen Wochen - die schwierige personelle Konstellation nach der Winterpause, die Unwägbarkeiten mit Schiedsrichtern, Sperren und so weiter - waren so ungünstig, dass man wirklich sagen muss: Der Klassenerhalt ist ein Riesenerfolg.

BT: Nach 100-prozentiger Zufriedenheit hört sich das nicht an...

Manz: Das liegt vielleicht auch an den letzten Eindrücken im zweiten Matchball-Spiel gegen Pforzheim. Da bin ich einfach zu sehr Trainer und zu sehr enttäuscht, dass man einen Sieben-Tore-Vorsprung aus der Hand gibt und wir uns nochmal in die Bredouille bringen, kurz vor Saisonende alles zu verspielen. Insofern war ich gegen Ende nicht sonderlich zufrieden, weil es einfach viel zu viele holprige Aktionen zu diesem Erfolg gab. Je mehr Abstand ich dazu kriege, muss ich sagen: Da kann man einfach stolz sein.

BT: In der Tat. Die SG war zwar tabellarisch nie wirklich im akuten Gefahrenbereich, abgemachte Sache war der Klassenerhalt im Vorfeld aber nicht.

Manz: Mir war immer klar, dass wir bis zum Schluss gegen den Abstieg spielen, auch als wir zwischenzeitlich mal im vorderen Mittelfeld standen. In der dritten Liga sind vier, fünf Mannschaften, die mit einem Riesenetat in Richtung zweite Liga drängen. Mit denen können wir uns überhaupt nicht messen. Deshalb haben wir uns auch nie blenden lassen. Letztlich war es aber doch beruhigend, den Klassenerhalt vor dem letzten Spieltag zu realisieren. Im Trio der Aufsteiger sind wir das einzige Team, das sich in Sicherheit bringen konnte.

BT: Was hat letztlich den Ausschlag für den erfolgreichen Klassenerhalt gegeben?

Manz: Dazu muss man vielleicht vorausschicken, dass fast die gesamte Mannschaft noch nie in der Situation war, auch mal ums Überleben kämpfen zu müssen. Bisher ging es ja nur nach oben. Meine Rede war immer, dass wir damit klarkommen müssen, mehr Spiele zu verlieren als zu gewinnen. Das war eine völlig neue Erfahrung.

Wir haben aber, um auf die Frage zurückzukommen, auf einige Spielerinnen bauen können, die am Ende die Kohlen aus dem Feuer holten. Da haben wir, Gott sei dank, ein paar echte Typen, die immer wieder die Ärmel hochgekrempelt haben. Zudem haben wir uns nicht nur gegen die hinteren Mannschaften behauptet, sondern auch Topteams wie etwa Regensburg geschlagen.

BT: Mit Laetitia Quist, die in die erste Liga zum TuS Metzingen wechselt, bricht eine wichtige Stütze weg. Ist ihr Abgang denn zu kompensieren?

Manz: Sie ist in dieser Form und Position nicht zu ersetzen. Das ist uns klar. Man findet derzeit in ganz Baden-Württemberg oder vielleicht sogar in ganz Deutschland niemanden mit ihren Qualitäten. Ihre Wurfgewalt wird uns fehlen, das können wir auch nicht so einfach kompensieren. Wir müssen unser Spiel umstellen. Dass das geht, haben wir auch schon gezeigt. Und es ist vielleicht genau die Kunst und auch der Spaß an der Trainerarbeit, mit dem Material, das man zur Verfügung hat, wieder was zu basteln. Da wird uns sicher wieder was einfallen.

BT: Das heißt, die SG bleibt ihrer Philosophie treu und verpflichtet keine namhaften Neuzugänge?

Manz: Uns bleibt gar nichts anderes übrig. Wir haben einfach die finanziellen Mittel nicht. Zudem wollen wir auch niemanden für viel Geld holen und so das ganze Gefüge durcheinanderbringen. Wenn es Spielerinnen gibt, die ein Praktikum, Au Pair oder sonst was in der Region machen und uns handballerisch weiterhelfen würden, wäre das etwas anderes. Wir haben auch die ein oder andere Spielerin angefragt, was dann aber nicht funktioniert hat. Zudem muss man sehen: Die Spielerinnen, die hier in der Peripherie aktiv sind, bringen uns nicht unbedingt viel weiter als die eigenen, die mit bis zu vier Trainingseinheiten pro Woche einen hohen Aufwand betreiben. Da stehen in ein, zwei Jahren unglaublich gute Mädels Gewehr bei Fuß. Für uns gilt es daher, die nächste Saison nochmal zu überbrücken.

BT: Man sagt ja, dass die zweite Saison in einer neuen Liga immer etwas schwerer ist als die Premierenrunde. Was macht Ihnen dennoch Hoffnung?

Manz: Wir haben überhaupt nichts zu verlieren. Zum einen was das Sportliche angeht, aber auch finanziell. Wir haben kein Geld investiert, das den Bach runtergeht. Wenn wir zudem das nötige Fortune haben, dann werden wir die Klasse halten können. Wenn es dann nicht reicht, können wir erhobenen Hauptes sagen: Wir haben uns gut verkauft - entweder mit harten Spielen und dem Klassenerhalt am Ende oder wir gehen nochmal eine Klasse runter, um dann im nächsten Jahr wieder anzugreifen. Das muss unser Maßstab sein.

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