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Noch ein langer Weg zum Millionen-Dollar-Vertrag
11.05.2019 - 07:53 Uhr
Von Heiko Borscheid

Ich liebe Baseball! Dabei war die Beziehung zwischen dieser faszinierenden Sportart und mir zunächst nicht Liebe auf den ersten Blick. Bei meinem ersten Spiel, das ich im Yankees Stadium in der New Y orker Bronx verfolgt habe, wusste ich noch nicht so richtig, worum es eigentlich geht, und fragte mich, ob sich die Fans neben dem Bier für 13 Dollar, den Hotdogs und der Nationalhymne auch noch für etwas anderes interessieren.

Heute, viele Spiele in Boston, Chicago, Los Angeles oder St. Louis später, bin ich von Baseball fasziniert, kenne die Regeln und die nächtlichen Sendezeiten auf einem darauf spezialisierten Bezahlsender.

Mit großer Freude habe ich daher vom Aufstreben der Bühler Blackwoods Kenntnis genommen. Einer Abteilung des TV Bühl, die sich voll und ganz dieser US-amerikanischen Sportart verschrieben hat und fünf Jahre nach ihrer Gründung bereits erste Erfolge vorweisen kann. Um meine Liebe zu diesem Sport zu vertiefen, lag es nahe, im Rahmen unserer "Ego-Trip"-Reihe den Blackwoods einen Besuch abzustatten.

Manuel Moretti ist Baseballfachmann und Trainer der Blackwoods. Der Vorschlag eines Probetrainings stieß bei ihm sofort auf offene Ohren. So ging es also an einem Donnerstagabend auf den Hartplatz nach Neusatz, dem Revier der Bühler Baseballer. Diese hatten gerade ihr erstes Pokalspiel gegen die Ravensburg Leprechauns mit sage und schreibe 31:12 gewonnen und waren daher bester Laune.

Nach der herzlichen Begrüßung und dem Abchecken meines Basiswissens ging es los mit einer Disziplin, die mir nicht ganz so zugesagt hat - dem Warmlaufen und Dehnen. Zu meiner Verteidigung muss ich an dieser Stelle erwähnen, dass ich in meinem zarten Alter von 47 Jahren bereits über eine Hüftgelenksprothese verfüge und daher nicht mehr der Schnellste bin. Eine nicht ganz zu verachtende Tatsache, die mich vermutlich daran hindern wird, von US-amerikanischen Scouts entdeckt zu werden, um einen der lukrativen Millionen-Dollar-Verträge abzuschließen. In der amerikanischen Baseballliga (MLB) wurde nämlich vor wenigen Monaten erst der am höchsten dotierte Vertrag der Sportgeschichte abgeschlossen: Mike Trout, Center Fielder bei den Los Angeles Angels of Anaheim, erhält in den kommenden zwölf Jahren umgerechnet 380 Millionen Euro. Das sind 31 Millionen Euro pro Jahr, 86 000 Euro am Tag oder 3 600 Euro pro Stunde. Soweit werde ich es wohl nicht mehr bringen, auch wenn sich Manuel Moretti und Teammitglied Patric Hohl einfühlsam um mich kümmern.

Nach dem lästigen Rundenlaufen und "hoch das Beinchen" geht es endlich los. Erste Disziplin ist das Werfen. Manuel zeigt, wie der Ball gehalten werden muss. An den Nähten nämlich, damit er zum einen den notwendigen Speed bekommt und zum anderen aber auch den Drall, der den Gegenspieler, der rund 25 Meter entfernt mit dem Baseballschläger in der Hand steht, daran hindern soll, die lederummantelte Korkkugel zu treffen. Es gibt mehrere Wurftechniken im Baseball, die mir Manuel allesamt erklärt. Auch wie ich meinen Körper beim Wurf zu drehen habe, und wie ich mich beim Fangen am besten verhalte, wird mir gezeigt. Bei Letzterem habe ich offensichtlich nicht ganz so gut zugehört, denn der keineswegs leichte Ball donnert mir wenige Augenblicke später gegen meinen rechten Mittelfinger - den Fanghandschuh trage ich links - was noch Folgen haben wird. Ich lasse mir aber trotz eines unguten Gefühls beim Blick auf meinen lädierten Finger nichts anmerken und mache tapfer weiter.

Ein Pitcher (so heißt der Werfer im Baseball in der Fachsprache) wirft in der Liga, in der die Bühler Blackwoods aktiv sind, den Ball mit 60 bis 70 Meilen pro Stunde, erklärt mir der Trainer. Das sind umgerechnet rund 100 Stundenkilometer. In der amerikanischen Profiliga kommt ein Ball selten unter 90 Meilen, also fast an die 150 Stundenkilometer schnell, angeschossen. Da bliebe von einem getroffenen Finger nicht viel übrig. Nachdem Manuel und ich die unterschiedlichen Wurftechniken besprochen haben, geht es ans Fangen. Es wird demonstriert, was zu tun ist, kommt der Ball flach über dem Boden oder bereits rollend auf einen zu. "Die Arme müssen in diesem Fall wie bei einem offenen Krokodilsmaul gehalten werden", verdeutlicht Manuel. Dabei soll die Hand, an der man nicht den Handschuh trägt, das Gesicht schützen. Auch Flyballs werden geübt, also Bälle, die von weit oben aus der Luft nach unten fallen - sie kommen in der Praxis sehr häufig vor. Manuel erklärt, wie fließend die Bewegung sein muss, damit der Ball möglichst schnell aus dem Handschuh genommen und zurück zur Base geworfen werden kann. Im Baseball geht es oft um Bruchteile von Sekunden. Ist der Ball zuerst oder der gegnerische Spieler auf der nächsten Markierung (Base), ist ganz entscheidend.

Doch was ist das Schönste an diesem Sport? Genau, das Schlagen mit dem Baseballschläger, worauf ich jetzt allmählich hinaus möchte und ungeduldig werde.

Sieht einfach aus, ist es aber nicht

Doch bevor ich die Bälle zugeworfen bekomme, muss ich mich zuerst an einem am Sportplatzrand montierten Autoreifen zu schaffen machen. "Um das Gefühl für den Widerstand zu bekommen", sagt Manuel Moretti und zeigt mir, wie die Schlägerhaltung und der Bewegungsablauf beim Schlag nicht nur gut aussehen, sondern auch erfolgversprechend sind. Und in der Tat, ist es gar nicht so einfach, den auf einem Pfahl steckenden Autoreifen in Rotation zu versetzen. Was bei den Bühler Blackwoods so spielend einfach aussieht, ist in der Praxis gar nicht so leicht. Doch nach ein paar Dutzend Versuchen auf den Reifen, geht es nun endlich ins Feld - meine ersten Schläge gegen den Ball stehen an. Manuel fungiert dabei als Pitcher, das macht er bei den Blackwoodsspielen an erster Stelle, und Patric betätigt sich derweil als Fänger (Catcher), der hinter mir auf dem Boden kauert. Seine Aufgabe ist es, die Bälle, die ich nicht treffe, zu fangen. Doch er hat gar nicht so viel Arbeit wie gedacht. Ich mache mich sehr gut mit dem Baseballschläger, und auch wenn es ein langer Weg ist, den Ball so zu treffen, dass er aus dem Gelände fliegt und einen perfekten Home Run zur Folge hat, fliegen meine Bälle ordentlich weit. Vielleicht sollte ich doch noch an die Baseballkarriere denken. Doch da meldet sich mein Finger wieder und bringt mich auf den Boden der Tatsachen zurück. Er ist gebrochen, wie sich am nächsten Morgen beim Arzt herausstellt, was meiner Liebe zum Baseball und mittlerweile zu den Bühler Blackwoods aber keinen Abbruch tut.

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