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Selbst Schwartz wird zum Feierbiest
13.05.2019 - 00:00 Uhr
Von Frank Ketterer



und Christian Rapp

So ein Aufstieg fordert nunmal auch Opfer, Damian Roßbach musste es in diesem Fall erbringen. Kaum waren die ersten Jubelarien verklungen, die ersten Flaschen Bier gelehrt, die erste Polonaise getanzt, surrte in der Mannschaftskabine ein Rasierer. Marco Thiede hielt diesen in Händen, ebenso flugs wie gnadenlos schritt er unter den Augen der herbeigeeilten Spielerfrauen sowie den grölenden Anfeuerungsrufen seiner Mannschaftskameraden zur haarsträubenden Tat. Keine zwei Minuten später war diese auch schon wieder beendet und Roßbachs Schädel kahlrasiert.

Dann gingen die Jubelarien munter weiter, die nächsten Flaschen Bier wurden geöffnet und natürlich auch geleert, eine nach der anderen. Roßbachs Frisuren-Opfer sollte schließlich nur ein kurzes Zwischenspiel sein, nicht mehr als eine Episode dieser ausgelassenen Aufstiegsparty, von der zu diesem Zeitpunkt noch keiner so recht wusste, wie und wo sie enden würde. Nur so viel stand laut Roßbach vorab schon fest: "Heute Abend geht's richtig ab. Bis morgen früh - oder bis morgen Mittag."

Begonnen, zumindest offiziell, hatte die Sause indes um kurz nach viertel vier und mit dem Schlusspfiff von Schiedsrichter Lasse Koslowski in der Partie zwischen Preußen Münster und dem KSC. 4:1 hieß es am Ende für die Badener, was das bedeutet, sangen deren rund 3 000 mitgereiste Fans schon Minuten zuvor. "Der KSC ist wieder da", schallte es aus dem Gästeblock, in Liga zwei nämlich. Auch welche Hoffnung sie damit verbindet, blieb die blau-weiße Anhängerschaft nicht schuldig: "Nie mehr 3. Liga", sang sie nicht minder lauthals.

Zwei Jahre Drittklassigkeit am Stück reichen schließlich. Wie sehr diese von den Karlsruhern als unangemessene Pein empfunden wurden, zeigte das Ausmaß der Freude, das ausbrach, als sie sie am Samstag endlich wieder verlassen hatte. Schon zwei Minuten vor Spielende gab es kein Halten mehr, schon gar nicht jenes der Fans in ihrem Zuschauerblock. Auf dem Rasen vermischte sich nach Schlusspfiff alles zu einer einzigen blau-weißen Jubelmasse. Jeder umarmte jeden, egal ob Spieler, Fan oder Trainer. Sogar der Präsident musste dran glauben und wurde gnadenlos geherzt. "Mit dem Sieg ist alles abgefallen, was wir mit uns rumgeschleppt und wofür wir ein Jahr lang gearbeitet haben", sagte dazu passend Benjamin Uphoff, der Torhüter.

Mitgeschleppt, nur um in Uphoffs Bild zu bleiben, hat der KSC einiges. Ein Spaziergang war dieser Aufstieg jedenfalls nicht. Vielmehr sprach auch Alois Schwartz, der sich ab sofort Aufstiegstrainer nennen darf, von einem "harten Stück Arbeit", das es zu verrichten galt - und das von einigen "Nackenschlägen" begleitet war, wie der 52-Jährige nicht zuletzt die Niederlagen gegen die seinerzeitigen Tabellenletzten Lotte und Aalen am Samstag bezeichnete.

Und so deutlich am Ende dieser Sieg gegen Münster ausgefallen war, so sehr hatte der KSC auch mit den Preußen zunächst seine liebe Not, gerade in der ersten Halbzeit. "Sie haben uns extrem unter Druck gesetzt, aber wir haben zum richtigen Zeitpunkt die Tore geschossen", urteilte Roßbach, der Geschorene. Nach gut einer halben Stunde hatte Marvin Pourié (siehe Text auf einer der folgenden Seiten) mit seinem 22. Saisontor die Münster-Dose geöffnet, quasi mit Pausenpfiff Roßbach selbst auf 2:0 erhöht. Dass Münster fußballerisch keineswegs die schlechtere Mannschaft war, spielte da fast schon keine Rolle mehr. Eher war es typisch für den KSC in dieser Spielzeit, dass er dank seiner bisweilen gnadenlosen Effektivität erneut dennoch führte. Mehr noch: Diesmal machten Anton Fink (54.) und Martin Röser (57.) sogar schon ungewohnt früh den Deckel drauf. "Mit dem 4:0 war uns klar, dass wir uns das nicht mehr nehmen lassen", sagte Marco Thiede später jedenfalls. Mehr als Ergebniskosmetik war der Anschlusstreffer der Münsteraner durch Martin Kobylanski (66.) damit nicht mehr.

Ein Jahr nach der verpatzten Relegation und sogar auf den Tag genau sechs Jahre nach dem letzten Aufstieg in Liga zwei hat es der KSC somit wieder geschafft - und erneut schon am vorletzten Spieltag. "Wir haben uns nie aus der Ruhe bringen lassen und das richtig gut durchgezogen", zog Alois Schwartz am Samstag Bilanz. "Besonders stolz", zeigte er sich darüber, dass sich seine Mannschaft immer auch als solche präsentiert habe, als verschworene Einheit also, und zwar "in der Kabine, auf dem Trainingsplatz und auf dem Feld". Man sah ihm an, mit was für einer Genugtuung ihn das erfüllte - und mit welcher Freude. Selten hat man den Fußballlehrer so gelöst gesehen, jedenfalls nicht im Wildpark. Auch von ihm war offenbar ein Teil jener Last abgefallen, von der Benjamin Uphoff gesprochen hatte.

"Ich kann es mir gut vorstellen, dass er heute zum Feierbiest wird", hatte der Torhüter zudem gemutmaßt. Der Trainer wollte das zumindest nicht in Abrede stellen. Die Reporterfrage, ob auch er es jetzt so richtig krachen lasse, beantwortete Schwartz bereits biergeduscht und mit den Worten: "Es kommt darauf an, wie man krachen definiert. Ich definiere es so, dass alles passieren kann." Selbst das ansonsten obligatorische Auslaufen um 10 Uhr am Tag danach war davon gefährdet. "Morgen früh um zehn liege ich wahrscheinlich noch im Bett", sagte Schwartz und verschwand grinsend in der Kabine, um sich ein Bier reichen zu lassen.

Preußen Münster: Schulze Niehues - Menig, Kittner, Scherder, Heidemann (68. B. Schwarz) - Klingenburg, S. Braun, Rodrigues Pires - Kobylanski - Heinrich (62. Akono), Dadashov (76. P. Müller).

KSC: Uphoff - Thiede (86. Sverko), Gordon, Pisot, Roßbach - Camoglu, Groiß (78. Hanek), Wanitzek, M. Röser - A. Fink, Pourié.

Schiedsrichter: Lasse Koslowski (Berlin) - Zuschauer: 9 745 - Tore: 0:1 Pourié (33.), 0:2 Roßbach (45.+3), 0:3 A. Fink (55.), 0:4 M. Röser (58.), 1:4 Kobylanski (67.) - Gelbe Karten: Rodrigues Pires (11), Menig (9) - Pisot (3), Camoglu (4), Groiß (1), M. Röser (3), Sverko (1) - Gelb-Rote Karten: S. Braun (85./wiederholtes Foulspiel).

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