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Der Ruf der Freiheit
18.05.2019 - 00:00 Uhr
Im iranischen Hochgebirge erlag Laura Dahlmeier endgültig dem verlockenden Ruf der Freiheit. Keine strapaziösen Biathlon-Rennen mehr, keine lästigen Dopingkontrollen und auch kein unnötiger Terminstress - die Entscheidung für das Karriereende glich einer Erlösung.

"Es ist Zeit, Servus zu sagen! Nach einer unfassbar harten Saison voller Höhen und Tiefen verspüre ich nicht mehr die hundertprozentige Leidenschaft, die für den Profisport erforderlich ist", schrieb die Doppel-Olympiasiegerin und siebenmalige Weltmeisterin gestern in den Sozialen Netzwerken: "Aus diesem Grund habe ich nach längerem Überlegen entschieden, meine aktive Biathlon-Karriere zu beenden."

Nach 152 Weltcup-Starts, 20 Siege als Einzelkämpferin und 13 Erfolgen mit der Staffel, nach 18 Medaillen bei Großereignissen und einem Triumph im Gesamtweltcup zog die Hobby-Bergsteigerin aus Partenkirchen einen Schlussstrich unter ihre so erfolgreiche Laufbahn. "Sie hat in nur wenigen Jahren außergewöhnliche Kapitel Sportgeschichte geschrieben und den populären Biathlonsport auf eindrucksvolle Weise bereichert", sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann voller Anerkennung.

Es war ein Schlussstrich, der sich abgezeichnet hatte - und trotzdem überraschte. Zwar hatte Dahlmeier zuletzt immer wieder mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen gehabt, vor allem das geschwächte Immunsystem vor der abgelaufenen Saison machte ihr zu schaffen. Eigentlich aber war ein Ende im kommenden Jahr bei der WM in Antholz erwartet worden, ihrem Lieblingsort inmitten der malerischen Berge von Südtirol. Die Titelkämpfe standen allerdings nicht mehr auf ihrer To-Do-Liste.

"Ich bin überzeugt, dass man Ziele braucht. Wahre Ziele, die einen antreiben, die einem alles bedeuten und für die man alles in die Waagschale werfen würde", schrieb die Bayerin: "Solche Ziele durfte ich mir während meiner Karriere erfüllen. So viele, dass heute kein Biathlon-Ziel mehr auf meiner Liste steht." Der Rücktritt war also nur die logische Konsequenz - und ein Schritt, den es in ganz ähnlicher Weise ja schon einmal gegeben hatte.

"Bei mir war es auch so, dass ich alles erreicht hatte und es mir nicht darum ging, noch fünf weitere Weltmeistertitel zu holen", sagte Rekordweltmeisterin Magdalena Neuner, die Dahlmeier als "Wunderkind" bezeichnete, dem Münchner Merkur/tz. Sie sei daher "die Letzte, die das nicht nachvollziehen könnte. Ich kann es gut verstehen, dass Laura sagt, sie macht jetzt in ihrem Leben etwas anderes. Es ist halt schon ein sehr langer Sommer, über den man sich quälen muss."

Trotzdem hatten beim Deutschen Skiverband die Verantwortlichen nach zahlreichen Gesprächen in den vergangenen Wochen gehofft, dass ihr Zugpferd sich noch etwas quälen und zumindest ein oder zwei Jahre dranhängen würde. Vergebens. "Es ist natürlich schade", sagte Bernd Eisenbichler, der neue Sportliche Leiter: "Aber es wäre schön, wenn uns Laura im Biathlonsystem in irgendeiner Funktion erhalten bleibt."

Dass Dahlmeier, die im Dezember bei der World Team Challenge auf Schalke offiziell verabschiedet wird, dem Biathlon auf höchster Ebene die Treue hält, darf bezweifelt werden. Schon zuletzt war sie bei den Weltcups genervt vom stetigen Trubel um ihre Person, davon, dass sie auf Schritt und Tritt verfolgt wurde. Die permanente Angabe ihres Aufenthaltsortes für mögliche Dopingkontrollen engte sie zudem extrem ein.

"Am allermeisten freue ich mich, dass ich mich nun nicht mehr jede Minute an- und abmelden muss", schrieb Dahlmeier weiter: "Ich freue mich auf die kommende Zeit, neue Blickwinkel, Herausforderungen und viele Erlebnisse rund um den Globus." Auf eine Zeit ohne Leistungssport. (sid)

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