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"Punkto Mentalität ganz klar die Bestnote"
24.05.2019 - 00:00 Uhr
Es ist vollbracht! Der SV Bühlertal steht bereits zwei Spieltage vor Saisonende als Meister der Landesliga fest und kehrt nach zweijähriger Abstinenz ins südbadische Fußball-Oberhaus zurück. Dadurch verkommen die Partien am Sonntag zu Hause gegen den SV Stadelhofen und eine Woche später beim SC Hofstetten zum Schaulaufen. Vater des Erfolges und Baumeister der Meisterelf ist Trainer Johannes Hurle. Der 29-Jährige Lehrer übernahm vor der Saison auf dem Mittelberg, formte eine Einheit und überzeugte vor allem auch mit taktischer Finesse. Mit BT-Redakteur Christian Rapp sprach Hurle über die Aufstiegsfeierlichkeiten, die zu Ende gehende Saison und wagt bereits einen Ausblick auf die kommende Verbandsligasaison.

Interview

BT: Herr Hurle, herzlichen Glückwunsch zur Meisterschaft und zum Aufstieg in die Verbandsliga mit dem SV Bühlertal. Hand aufs Herz: Wie schwer fiel es Ihnen am Montag in der ersten Unterrichtsstunde, fit zu sein?

Johannes Hurle: Es wurde direkt nach dem Schlusspfiff in Schutterwald ausgiebig gefeiert. In Bühl ging es in den bekannten Lokalitäten weiter. Da ich ja gewusst habe, dass ich am Montag wieder unterrichten musste, habe ich rechtzeitig den Absprung gefunden. Nach Unterrichtsende bin ich dann wieder zu den Feierlichkeiten dazu gestoßen.

BT: Wie lange gingen die Feierlichkeiten?

Hurle: Das weiß ich ehrlich gesagt gar nicht so genau. Bei einigen, die ich am Montag wiedergesehen habe, ging es wohl ziemlich lange - der Großteil sah ziemlich müde aus. Die Feierlichkeiten werden nach der Saison auf Mallorca ohne Trainer fortgeführt. Es ist richtig, dass die Mannschaft jetzt ausgiebig feiert -, denn man weiß ja schließlich nicht, wie oft man in seinem Fußballerleben Meister wird.

BT: Herr Hurle, wie fühlt es sich an, sich Meistertrainer nennen zu dürfen? Mit 29 Jahren ist das ja keine Selbstverständlichkeit.

Hurle: Erst durch die ganzen Glückwünsche, die ich in den vergangenen Tagen erhalten habe, realisiert man, was für einen Stellenwert es hat, sich Meistertrainer einer Landesligamannschaft nennen zu dürfen. Ich weiß es aber demütig einzuschätzen, dass es nicht mein Verdienst ist. Es ist ein Verdienst von ganz vielen. Die Leistung eines ganzen Vereins. Da gehören neben den Spielern auch die Physios, der Betreuerstab, die Verantwortlichen und auch unsere Fans dazu, die uns sehr, sehr treu unterstützt haben. Ich finde es wichtig, dass man auch neben dem Platz ein eingeschworener Haufen ist - und das waren wir im ganzen Verein. Deshalb gehe ich mit dem Titel "Meistertrainer" sehr vorsichtig um, und sehe den gemeinschaftlichen Erfolg als viel wichtiger an, zu dem jeder Einzelne seinen Teil beigetragen hat.

"Hatte gewisse



Ausstrahlungskraft"

BT: Sie sind als Lehrer an der Bühler Realschule tätig. Welche Note würden Sie Ihrer Mannschaft für diese Saison ausstellen?

Hurle: (lacht) Oh, das ist schwer. Ich weiß, dass die Mannschaft die Aussage gemacht hat, dass ich immer sehr, sehr kritisch mit ihnen bin. So kritisch finde ich mich aber eigentlich gar nicht. Lob und Kritik muss immer zum richtigen Zeitpunkt geäußert werden. Aufgrund unserer Rolle als Mitfavorit vor der Saison habe ich mich mit Lob während der Runde eher zurückgehalten, sonst verfällt man automatisch in den Übermut und verliert die benötigte Einstellung.

BT: Hört sich jetzt nicht gerade nach einer Traumnote an...

Hurle: Wenn der FC Bayern deutscher Meister geworden ist, vergibt die Bild-Zeitung am Folgetag traditionell allen Spielern immer die Note 1. Von der Einstellung und der Mentalität, die meine Truppe gezeigt hat, ist es absolut die Bestnote. Fußballerisch gibt es während einer Saison immer mal Auf's und Ab's. Wir haben aber oft gezeigt, dass wir zurecht zur Spitzengruppe mit dazugehören. Wie die Mannschaft auch Rückschläge hingenommen hat, wie sie einfach total bei der Sache geblieben ist, mit kühlem Kopf und heißem Herz agiert hat, das war schon beeindruckend und hatte eine gewisse Ausstrahlungskraft.

BT: Also eine 1 mit Sternchen?

Hurle: Jetzt wollen wir mal nicht übertreiben. Punkto Mentalität ganz klar die Bestnote, spielerisch wurden wir zumindest in die nächsthöhere Klasse versetzt und sind auch mit den eigenen, gezeigten Leistungen überaus zufrieden.

BT: Wer hat sich denn besonders ein Fleißsternchen verdient?

Hurle: Das ist sehr gefährlich, darauf die richtige Antwort zu geben (lacht). Einzelne Spieler möchte ich jetzt gar nicht nennen, das würde der Wertschätzung den anderen gegenüber nicht gerecht werden. Mein Co-Trainerteam mit Sebastian Keller, Nico Westermann und Daniel Zeitvogel war eine sehr wichtige Stütze für mich. Meines Erachtens habe ich auch einen ganz tollen, ehrlichen und offenen Austausch und Draht zu meinem Mannschaftsrat um Kapitän Moritz Keller. Alle 23 Jungs, gerade auch die Reservespieler, die natürlich auch mal frustriert waren, wenn sie nicht in der Startelf standen, haben immer wieder unter der Woche beziehungsweise an den Spieltagen an einem Strang gezogen. Das "WIR" stand absolut im Vordergrund.

BT: Wenn Sie die Saison mal Revue passieren lassen. Was waren denn aus Ihrer Sicht die Schlüsselspiele auf dem Weg Richtung Meisterschaft?

Hurle: Eine Schlüsselphase war sicherlich die sehr intensive Sommervorbereitung. Nach dem verpassten Aufstieg in der Relegation hatten die Jungs nur zwei Wochen Pause. Ich wusste nicht, ob sie schon wieder Lust auf Fußball hatten, ob der Kopf wieder frei war. Aber alle kamen mit einem Lachen auf den Mittelberg zurück. Sie wussten, es beginnt etwas Neues. Eine neue Ansprache, neue Trainingsauffassungen und auch ein neues Miteinander abseits des Platzes mit neuen Gesichtern. Da ist dann einfach eine Euphorie entstanden, die uns durch die ganze Vorbereitung getragen hat.

BT: Und während der Saison?

Hurle: Beim Auftakt in Rastatt waren wir dann alle sehr, sehr motiviert - fast schon übermotiviert. Jeder wollte gleich zeigen, was er auf dem Kasten hat. Dadurch entstand ein sehr hektisches Spiel, das am Ende "nur" zu einem Unentschieden gereicht hatte. Danach haben wir die Partie gut analysiert, anschließend sind wir dann zehn Wochen ohne Niederlage geblieben.

"Die Mannschaft hat Charakter gezeigt"

BT: Bis zum Bühlertäler Problemmonat November. In der vergangenen Saison verspielte Ihr Vorgänger Michael Santoro ausgerechnet in diesem Monat ein dickes Punktepolster. Kamen da erste Momente des Zweifels bei Ihnen auf?

Hurle: Tatsächlich entstanden bei den Außenstehenden gleich Zweifel, ganz nach dem Motto: "Wie jedes Jahr." Man konnte ja gleich von "Minikrise" oder "Problemberg" in der Zeitung lesen. Ich habe die Mannschaft damit konfrontiert - und sie hat Charakter gezeigt. Im Nachhinein haben die Jungs gerade in diesem Monat umso mehr gemerkt, dass uns auf unserem Weg zum Ziel nur harte und konzentrierte Arbeit voranbringt - und uns in dieser Liga nichts geschenkt wird.

BT: Der SV Bühlertal hat schon eine richtig starke Hinrunde gespielt, lag zur Pause auf Platz eins. Trotzdem haben Sie dem Team in der Wintervorbereitung weitere taktische Systeme eingeimpft. Weshalb?

Hurle: Wir haben schon in der Hinrunde gemerkt, dass uns der Gegner oftmals das Spielgeschehen überlässt. Doch trotz der spielerischen Überlegenheit mussten wir vor allem an der Effizienz im letzten Drittel zulegen. Gemeinsam haben wir uns also mit dieser Thematik auseinandergesetzt. Im Training wurden die Räume kleiner gesteckt, die Kontakte schneller gespielt und vorhandene Abläufe verfeinert. Von Vorteil für mich ist, dass ich eine sehr willige Mannschaft habe, die an diesen Dingen sehr akribisch arbeitet und interessiert ist.

BT: Lassen Sie uns schon mal einen kleinen Blick auf die kommende Runde werfen. Kann der SV Bühlertal in der Verbandsliga bestehen?

Hurle: Wenn ich daran nicht glauben würde, wäre ich der falsche Trainer. Ich traue uns die Herausforderung in der Verbandsliga zu bestehen absolut zu. Die komplette Mannschaft bleibt, bis auf Joshua Treffert, zusammen. Natürlich müssen wir unsere Ansprüche komplett neu definieren. Wenn man den SVB mit anderen Vereinen dieser Klasse vergleicht, sowohl von der spielerischen Qualität als auch vom finanziellen Aspekt, ist die Zielvorgabe ganz klar: Klassenerhalt - nicht mehr. Wir müssen, eine Liga höher, unsere Spielphilosophie anpassen und versuchen unseren Spielgedanken weiter zu entwickeln. Es gilt nicht nur ergebnisorientiert zu spielen, sondern vor allem gegen spielstarke Mannschaften unser fußballerisches Potenzial unter Beweis zu stellen. Wir freuen uns extrem, dass wir uns mit den großen Namen aus Südbaden messen dürfen, wissen aber, dass es eine harte Kiste wird.

BT: Wird sich der SVB für die bevorstehende Aufgabe Verbandsliga verstärken?

Hurle: Wir werden unseren Kader auf jeden Fall um zwei, drei Spieler erweitern. Wert legen wir darauf, dass es junge, talentierte Spieler sind. Wir haben natürlich einige Wunschkandidaten, manche haben jedoch auch schon abgesagt. Ich fühle mich mit der Kaderbreite, dem Mix aus entwicklungsfähigen und erfahrenen Spielern, die wir haben, absolut reif, diese Aufgabe anzunehmen.

BT: Herr Hurle, worauf freuen Sie sich in der Verbandsliga am meisten?

Hurle: Jetzt freue ich mich erstmal auf die Sommerpause (lacht), bevor es dann wieder mit neuem Elan weitergeht. In der Verbandsliga freuen wir uns vor allem auf die neuen Mannschaften und deren Spielstätten. Zu wissen, dass wir beispielsweise in Offenburg, Pfullendorf oder Kehl spielen dürfen, entfacht große Euphorie.

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