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Hamilton droht
25.06.2019 - 00:00 Uhr
Im Titel-Langweiler der Formel 1 hat Lewis Hamilton keine guten Nachrichten für Sebastian Vettel und seinen Sport. "Ich weiß, dass die Leute es nicht hören wollen. Aber von hier an wird es nur noch stärker", sagte der enteilte WM-Spitzenreiter, nachdem er in Frankreich bei seinem vierten Sieg in Serie die Konkurrenz deklassiert hatte. Schon vor dem neunten der 21 Saisonrennen nächsten Sonntag in Österreich scheint aus der Weltmeisterschaft fast alle Spannung entwichen. Die erdrückende Übermacht von Mercedes-Pilot Hamilton und die Dauerkrise von Vettels Ferrari-Team versprechen wenig Unterhaltung für den Rest des Jahres.

Nachdenklich zupfte sich der erneut abgehängte Vettel in Le Castellet den struppigen Bart. "Wir müssen verstehen, was wir besser machen können. Es liegt an uns", mahnte der 31-Jährige. 76 Punkte liegt der Hesse als WM-Dritter nun schon hinter Hamilton zurück. Und die Scuderia bekommt ihr wohl falsch konzipiertes Auto trotz vieler neuer Teile einfach nicht auf Mercedes-Tempo. "Wir haben eine Menge Arbeit vor uns, das wissen wir", sagte Vettel.

Doch selbst der größte Ferrari-Kraftakt wird wohl kaum noch eine Wende bringen. Zu deutlich ist die Überlegenheit des Silberpfeils, zu groß der Ehrgeiz von Hamilton. Der 34-Jährige hat früher als sonst in der Saison zur Superform gefunden und auch seinen anfangs aufmüpfigen Teamgefährten Valtteri Bottas schon um 36 Zähler distanziert. "Es ist verrückt, dass wir jetzt so dastehen. Sechs Siege, das hatte ich an diesem Punkt nicht erwartet", bekannte der Brite.

"Einen Hammerschlag" habe Hamilton seinen WM-Gegnern versetzt, tönte die "Daily Mail" gestern. "Wie von einem anderen Stern kommend" schrieb die "Krone" aus Österreich.

Hamiltons Hunger nach immer noch mehr Erfolg, nach Rekorden und Perfektion ist bemerkenswert. 79 Grand-Prix-Siege hat er jetzt auf dem Konto. Michael Schumachers Bestmarke von 91 Rennsiegen wirkt bei Hamiltons aktueller Dominanz gar nicht mehr so weit entfernt. "Wir erschaffen hier zusammen Historisches, ich bin stolz, Teil dieses Teams zu sein", schwärmte der fünfmalige Weltmeister.

In seiner Genugtuung zeigte Hamilton sogar Verständnis für die Kritik an der ermüdenden Eintönigkeit an der Formel-1-Spitze. "Aber das ist ja nicht der Fehler der Fahrer", entgegnete Hamilton und holte zu einer Generalabrechnung aus. Die Formel 1 stecke seit vielen Jahren in einem "konstanten Kreislauf" aus "schlechten Entscheidungen" fest, urteilte der Silberpfeil-Star.

Die ungleiche Geldverteilung, die Schwäche des Weltverbands FIA als oberste Sportbehörde und der zu große Einfluss der Teams auf das Regelwerk - all das hat Hamilton als Grund für den Mangel an packender Renn-Action ausgemacht. "Ich sehe den Schlamassel, in dem wir stecken", räumte Hamilton ein.

Und so wünscht auch er sich, wieder mehr herausgefordert zu werden. "Ich hoffe wirklich, dass Ferrari ein bisschen mehr Tempo in den Kurven zulegt, damit wir endlich Rennen gegeneinander fahren können", sagte Hamilton. Nach den Eindrücken aus Frankreich wird er sich noch länger gedulden müssen. (dpa)

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