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"Ende gut, Aleks gut"
'Ende gut, Aleks gut'
27.06.2019 - 00:00 Uhr
Er kam als Weihnachtsmann verkleidet zur Pressekonferenz, schenkte den Linienrichtern Pfefferminzbonbons und lief in Düsseldorf zu Klängen der heimischen Punkrockband Die Toten Hosen ins Stadion ein. "Hier kommt Alex", schallte es im alten Rheinstadion, wenn Aleksandar Ristic seinen Platz auf der Trainerbank einnahm. Der Fußball-Lehrer aus Sarajewo zählte zu den ungewöhnlichsten und lustigsten Typen seiner Branche, hatte Entertainer-Qualitäten und war mit einer ordentlichen Portion Selbstbewusstsein ausgestattet.

"Mit Fortuna nicht abzusteigen, ist bessere Leistung, als mit Bayern Meister zu werden", sagte der Bosnier gerne. Heute lebt Ristic, der morgen 75 Jahre alt wird, wieder in der Heimat in Dubrovnik, zurückgezogen vom Fußball in Deutschland. "Er genießt dort seinen Ruhestand", sagte Aleks Spengler, der langjährige Zeugwart des Clubs, den Ristic 1990 für den Job auserkoren hatte.

Ristics Spielerkarriere in Deutschland begann 1974 mit einem großen Irrtum. Als er über seinen Berater von einem Angebot der Eintracht erfuhr, dachte er natürlich an Frankfurt. Erst die lange Autofahrt nach der Ankunft auf dem Frankfurter Flughafen Richtung Braunschweig machte ihn stutzig.

So landete Ristic als Spieler in der Bundesliga, später beim Hamburger SV, wo er den großen Ernst Happel kennen und schätzen lernte. Der Österreicher und zuvor Branko Zebec waren die Lehrmeister des Bosniers Ristic, der dann 1987 für 25 Jahre in Düsseldorf lebte und insgesamt dreimal als Chefcoach bei Fortuna anheuerte. Zweimal schaffte er mit den Rheinländern den Aufstieg und den anschließenden Klassenverbleib in der Fußball-Bundesliga.

Er konnte granteln wie Happel und beschimpfte seine Spieler gerne mal als "blinde Nuss", doch im innersten war er ein gutmütiger und freundlicher Mensch, der mal schelmisch, mal schlitzohrig mit den Leuten seine Späße trieb. "Wollen Sie Interview oder Fragen stellen?", sagte er mal zu einem Journalisten. Als sich seine Spieler in Düsseldorf über Kritik in den Medien beschwerten, nahm er kurzerhand zwei Dutzend Profis mit in einen kleinen Raum zur obligatorischen Pressekonferenz. "Heute stellen Spieler Journalisten Fragen", sagte er in seinem unnachahmlichen Dialekt, wobei er immer die Angewohnheit hatte, auf Artikel zu verzichten.

Ristic war Kult in Düsseldorf, wo er insgesamt acht Jahre arbeitete und mit dem Club Höhen und Tiefen erlebte. Er war hartnäckig, dickköpfig und ließ sich nicht verbiegen. Auch mit Vereins-Präsidenten legte er sich an. Privat war er ein fürsorglicher Familienvater und in den Wirren des Balkankrieges unterstützte er seine Landsleute mit Hilfs- und Medikamentenlieferungen. Er holte auch Freunde aus dem Krieg zu sich nach Düsseldorf. Den früheren Weltklassetorwart Enver Maric nahm er zuhause auf und besorgte ihm den Job als Torwarttrainer bei der Fortuna.

Paul Jäger, langjähriger Geschäftsführer und Vorstand von Fortuna, hatte sich oft mit Ristic angelegt. "Aber wir sind richtige Freunde geworden. Und einmal hat er mir erklärt: Jäger, eins musst du wissen, wichtigste Mann im Verein ist Trainer".

Und als er mit Fortuna Düsseldorf den Klassenverbleib in der Bundesliga geschafft hat, stand er grinsend vor den Journalisten und sagte: "Ende gut, Aleks gut". (dpa)

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