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"Ein Jahr ohne Niederlage im Wörtel wäre schon toll"
29.06.2019 - 00:00 Uhr
Während Mittelbaden unter der rekordverdächtigen Hitzewelle stöhnt, genießt Matthias Frieböse derzeit nach einer langen, aber äußerst erfolgreichen Saison noch die fußballfreie Zeit. Schließlich belegte der SV 08 Kuppenheim einen bärenstarken sechsten Platz in der Verbandsliga - fern von jeder Abstiegsgefahr. Im Gespräch mit BT-Redakteur Christian Rapp lässt der 08-Trainer die vergangene Runde Revue passieren, erklärt die nächsten Entwicklungsschritte seiner Elf und wagt ein Blick auf die bevorstehende Runde.

Interview

BT: Herr Frieböse, der SV 08 hat eine tolle Saison gespielt, war bis zum Schluss in der Spitzengruppe der Verbandsliga vertreten, wurde am Ende Sechster. Hand aufs Herz: Wie traurig sind Sie, dass die Runde vorbei ist?

Matthias Frieböse: Traurig bin ich nicht. Wir haben etwas Starkes geleistet, und dann ist es auch schön, wenn es zu Ende geht. Wir haben eine richtig gute Runde gespielt. Ein sechster Platz hat uns keiner vor der Saison zugetraut. Es herrscht eher schon eine gewisse Vorfreude auf die nächste Runde, verbunden mit einer Ungewissheit, ob wir mit der neuen Situation richtig umgehen können.

BT: Was waren denn die Gründe für den Kuppenheimer Höhenflug?

Frieböse: Es gibt bestimmt viele, viele Gründe. Ein Hauptgrund war, und das hört sich vielleicht etwas komisch an, das Tief zu Beginn der Runde mit den ganzen Querelen in der Vorstandschaft. Aus dieser Situation sind wir dann gestärkt herausgegangen. Jeder, von den Spielern bis zur Vorstandschaft, hat sein Ego hinten angestellt und seine Aufgabe im Team erfüllt. Und dann sind wir halt auch einfach in einen Lauf gekommen, das Selbstvertrauen wächst, dadurch glaubt jeder noch ein Stück mehr an das vorgegebene System - und so sind wir dann ins Rollen gekommen und spielten eine tolle Runde.

BT: Wie schwer fiel es Ihnen, gerade als Ur-Kuppenheimer, die Ruhe zu bewahren während den Querelen in der Vorstandschaft?

Frieböse: Es war schon eine krasse Zeit, aber es ist ja momentan ein Trend, dass sich das Sportliche immer mehr mit dem Management vermischt. Einfach war die Situation sicherlich nicht, wenn die Spieler mit in die Querelen einbezogen werden. Daher waren die Köpfe einfach nicht komplett frei bei den Spielern, auch wenn wir zum Beispiel gegen Lahr (0:2 Anm. d. Red.) gar nicht so schlecht gespielt haben. Daheim gegen Endingen eine Woche später (0:2) waren wir dann kein Team auf dem Platz. Es waren schon schwierige Wochen.

BT: Wie hat das Team die Wende zum Guten hinbekommen in der schweren Zeit?

Frieböse: Vor dem Spiel in Lörrach hat in der Kabine Armin Karamehmedovic als erfahrener Spieler das Wort ergriffen, das Heft in die Hand genommen und die Jungs eingeschworen. Wir haben zwar nur 0:0 gespielt, aber wir haben uns dort in die Runde hineingearbeitet. Der Wendepunkt war dann der Derbysieg gegen den 1. SV Mörsch im Wörtel.

BT: Was hat die Mannschaft in der Saison ausgezeichnet?

Frieböse: In denen Spielen, in denen wir gepunktet haben, haben wir als Mannschaft verteidigt, auch wenn wir insgesamt 52 Gegentore bekommen haben, was definitiv zu viele sind. Jedoch waren da das 0:7 gegen den Freiburger FC sowie zwi deutliche Niederlagen gegen Rielasingen-Arlen dabei. Ebenso hat das Team in der Vorrunde ausgezeichnet, dass die Gegner mit unserer Offensive, dem Umschaltspiel mit viel Tempo, Power und Athletik, Probleme hatten. Gleichzeitig haben wir uns in der Rückrunde weiterentwickelt und richtig gute fußballerische Ansätze gezeigt.

BT: Es sah aus, als hätte die Mannschaft insgesamt den nächsten Entwicklungsschritt gemacht. Sie wirkte in den Spielen einfach reifer, abgeklärter.

Frieböse: Das kann man schon so sagen, gerade in der Rückrunde haben wir viele Begegnungen kontrolliert. Trotzdem haben wir auch dort zwei, drei Spiele verloren, weil wir das richtige Mittelmaß zwischen Verteidigung und Offensive nicht gefunden haben. Wir werden in der Verbandsliga sicherlich nicht zu den spielstärksten Teams gehören - das müssen wir auch nicht. Ich will, dass wir unsere ID, also das schnelle Umschaltspiel, beibehalten. Das sind wir, der SV 08 Kuppenheim. Natürlich wollen wir uns fußballerisch, vor allem im Spielaufbau weiterentwickeln, aber nicht auf Kosten von Punkten. Wir müssen mit unseren Stärken Spiele gewinnen.

"Der Kader wird sich nicht groß verändern"

BT: Was waren Ihre Highlights in der Saison?

Frieböse: Das 2:0 im Wörtel gegen den Freiburger FC war schon das Highlight. Wie wir fast über die gesamten 90 Minuten dem FFC Paroli geboten haben, war schon toll. Und dann natürlich die Heimserie. Wir haben seit Anfang September kein Spiel mehr im Wörtel verloren, den Fans richtig starke Spiele gezeigt. Was wir in dem Zeitraum geleistet haben, ist schon bemerkenswert. Klar ist aber auch, dass jede Serie einmal endet. Jetzt bleiben wir durch die Sommerpause mindestens bis Mitte August ungeschlagen. Ein Jahr ohne Niederlage im Wörtel wäre schon toll.

BT: Almir Karamehmedovic hat sich als Sportdirektor zurückgezogen. Wird das Auswirkungen auf Ihre Arbeit oder auf den Verein im Allgemeinen haben?

Frieböse: Almir hat die Aufgabe mit vollem Engagement ausgefüllt, somit fehlt eine wichtige Person. Wir haben immer offen und gut zusammengearbeitet und können auf eine erfolgreiche Zeit zurückblicken. Wir haben mit Ralf Balzer einen Nachfolger für die sportlichen Belange gefunden. Er bringt Stallgeruch mit und kennt die internen Verbindungen - U 19, U 23, Team eins - bestens.

BT: Herr Frieböse, Sie sind ein Trainer, der auf den eigenen Nachwuchs baut, der Talente fördert. Wird der Weg auch in der kommenden Saison weitergegangen?

Frieböse: Der Weg wird konsequent weitergegangen, die Verzahnung mit den Jugendteams ist schon gut - natürlich geht es immer besser. Wichtig wird sein, dass wir etwa die A-Jugend noch ein bisschen mehr mitnehmen, wie etwa in das Trainingslager in Hundsbach. Zum Reinschnuppern, Kennenlernen, dass die Jungs sehen, dass sie die Zukunft sind.



BT: Lassen Sie uns einen Blick auf die kommende Runde werfen. Wie wird der Kader aussehen?

Frieböse: Der Kader wird sich nicht groß verändern. Armin Karamehmedovic, der sicherlich eine Korsettstange der Mannschaft gewesen war, wird den Verein verlassen. Dazu gesellen sich Patrick Holl, Sami Saddedine und Hakki Nuri Tasli. Der Kern der Jungs bleibt zusammen. Wir werden weiter auf die eigenen Talente setzen, vier Jungs kommen aus der A-Jugend raus. Vom FC Rastatt 04 bekommen wir Mario Cindel dazu. Jetzt werden wir den Markt noch beobachten und schauen, ob wir noch jemand verpflichten.

BT: Die beiden Topteams 1. FC Rielasingen-Arlen und der Freiburger FC sind aufgestiegen, der Offenburger FV rüstet auf, der Kehler FV will nach einer schwachen Saison wieder angreifen. Aus mittelbadischer Sicht gehen neben dem SV 08 noch der 1. SV Mörsch und Aufsteiger SV Bühlertal ins Rennen. Was für eine Saison erwarten Sie?

Frieböse: Für mich ist die Verbandsliga eine ausgeglichene Liga. Diese Runde war der TuS Oppenau dabei, für den es als abgeschlagenes Schlusslicht nicht ganz gereicht hat, trotzdem haben wir gegen ihn verloren. Stegen als zweiter Aufsteiger hat es auch nicht gepackt. Für die kommende Runde traue ich Bühlertal ohne Zweifel den Klassenerhalt zu, Teningen wird keine Laufkundschaft sein und auch Donaueschingen wird nicht einfach zu bespielen sein. Offenburg, Kehl, Auggen und Radolfzell werden wohl oben mitspielen.

BT: Und wie lautet das Saisonziel für den SV 08?

Frieböse: Unser Ziel lautet zunächst, so schnell wie möglich Punkte zu sammeln und nichts mit dem Abstieg zu tun haben. Alles darüber hinaus ist Zubrot. Wir müssen kleine Brötchen backen, alles andere sind Träumereien. Ich muss nur an das letzte Saisonspiel, das 0:7 beim FFC, erinnern. Wir haben auch in Offenburg 0:3 verloren. Daher würde ich uns nicht als Spitzenmannschaft titulieren. Um aufzusteigen, muss man auch fußballerisch eine Liga besser sein als der Rest - und das sind wir noch nicht. Ziel muss es sein, das Erreichte zu bestätigen. Gleichzeitig aber auch, neue Aufgaben, die uns jetzt bevorstehen, annehmen und sich nicht vor diesen zu verstecken. Es geht wieder bei null los. Ich habe die Tage im Fernsehen "Rocky" gesehen, das Feuer in seinen Augen. Genauso müssen wir wieder brennen, gerade nach so einer Saison wird das aber nicht einfach. Es liegt in der Verantwortung des Trainerteams und des Vereins, dass die Jungs ihre ID auf den Platz bekommen und wieder mit dieser Leidenschaft spielen wie in der vergangenen Saison. Es wird eine interessante Runde.

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