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Immer 200 Prozent
04.07.2019 - 00:00 Uhr
Von Frank Ketterer

Der Tag beginnt meist früh für Giulia Goerigk. Noch bevor sie zur Schule geht, geht sie erstmal ins Wasser. Morgens um sieben stehen die ersten beiden Stunden Schwimm-training im Karlsruher Fächerbad an, abends ab 18 Uhr folgen zwei weitere. Auf insgesamt acht Wassereinheiten bringt es die 17-Jährige unter der Woche, drei Trainingselemente an Land, also Krafttraining und Stabilitätsübungen, kommen hinzu.

Von nichts kommt eben nichts im Sport, schon gar nicht im Schwimmen. Giulia Goerigk ist es nicht anders gewohnt, sie ist da quasi hineingewachsen. Mit acht Jahren hat sie mit dem Schwimmsport begonnen, weil auch ihre ältere Schwester ins Schwimmtraining ging. "Ich wollte es auch ausprobieren - und es hat mir gleich Spaß gemacht", erinnert sie sich an ihre Anfänge beim TV Bühl. Dass Talent vorhanden ist - und davon nicht wenig - war ebenfalls schnell zu erkennen. Entsprechend flott stellten sich auch die Erfolge ein, einer nach dem anderen. "Das ging dann immer so weiter", erzählt Goerigk. Unter anderem neun deutsche Jahrgangsmeisterschaften hat sie mittlerweile errungen.

Damit gehört man automatisch zu dem, was landläufig deutsche Schwimm-Hoffnung genannt wird. Der Beweis hierfür: In dieser Woche geht die 17-Jährige bei den Junioren-Europameisterschaften im russischen Kasan für Deutschland an den Start.

Wer es so weit bringt, benötigt nicht nur Talent, sondern auch den unbändigen Willen und die Gabe, sich aufs Wesentliche zu konzentrieren. Kein Wunder, dass Jonas Holzwarth, Goerigks Trainer beim SSC Karlsruhe, für den sie seit zwei Jahren startet, neben dem großen Wassergefühl vor allem den Fleiß und die Beharrlichkeit seines Schützlings hervorhebt. "Es gibt nicht viel, das wichtiger für Giulia ist als Schwimmen", sagt Holzwarth. "Sie gibt immer 200 Prozent", fügt er an. "Das ist das, was einen am Ende weiterbringt."

Nicht zuletzt diese Mischung aus zielstrebig und bedingungslos war es auch, die sie vor rund zwei Jahren vom TV Bühl nach Karlsruhe hat wechseln lassen. Mit den letztendlich dann doch beschränkten Bedingungen in Bühl war es einfach schwer, noch weiter nach vorne zu kommen. Seit Anfang 2018 lebt Goerigk deshalb nun im Internat des Otto-Hahn-Gymnasiums, einer ausgewiesenen Eliteschule des Sports. Unterricht, Training und Wettkampf gehen mehr oder weniger Hand in Hand.

400 Meter Lagen ist Lieblingsstrecke

Oder wie Goerigk es sagt: "Es wird wesentlich mehr Rücksicht auf den Sport genommen." Dass auch die anderen Rahmenbedingungen bei einem Großklub wie dem SSC einen guten Tick professioneller sind als in Bühl, versteht sich fast von selbst. Hinzu kommt, dass der Olympiastützpunkt Heidelberg, wo sich Goerigk auch auf die Junioren-EM vorbereitet hat, quasi um die Ecke liegt.

Am Montag ist die 17-Jährige zusammen mit ihrem Trainer von Frankfurt aus zur EM nach Kasan geflogen. Über 400 und eventuell auch 200 Meter Lagen wird sie in der Hauptstadt der Republik Tatarstan an den Start gehen. Das heißt: Erst schwimmt sie Schmetterling, dann Rücken, dann Brust und schließlich Freistil. Das Lagenschwimmen ist Goerigks Lieblingsdisziplin, sie mag die Vielseitigkeit und Abwechslung. Und sie mag die längeren Strecken, jene jenseits der 100 Meter. Hier kann sie ihre Stärken besser ausspielen. "Ich kann alle L agen gleichmäßig durchschwimmen und am Ende nochmal zulegen", benennt sie diese.

Wohin das in Kasan führen soll, darüber hat sich die 1,73 Meter große Schwimmerin im Vorfeld keine Gedanken gemacht, zumindest keine großen. Dass sie auch auf europäischer Ebene in ihrer Altersklasse mit den Besten mithalten kann, hat sie indes schon unter Beweis gestellt: Bei der EM im Vorjahr hatte Goerigk im Finale Platz sieben belegt, bei den EYOF, dem Olympischen Jugend-Sommerfest 2017, gar Platz drei. "Damit war ich mehr als zufrieden", blickt sie lächelnd zurück.

So kann es weitergehen. So soll es weitergehen. Sportliche Ziele gibt es schließlich genug. "Ich will weiterhin an internationalen Wettbewerben teilnehmen", nennt sie eines davon. Auch von Olympia ist dann kurz die Rede. "Olympia ist von jedem ein Traum", sagt Goerigk. "Das ist ein ganz harter und weiter Weg", fügt sie schnell an.

"Fertig ist



niemand"

Zunächst einmal gilt es in Bälde den Sprung von der Junioren- in die Aktivenklasse zu schaffen. "Das ist nochmal ein großer Schritt", weiß die 17-Jährige. Sie weiß aber auch, dass bei aller Klasse, über die sie schon verfügt, auch noch Verbesserungspotenzial in ihr schlummert. "An den ersten 100 Metern Schmetterling muss ich noch arbeiten", sagt Goerigk etwa, wie überhaupt an der Technik allgemein und nicht zuletzt an der Grundschnelligkeit. "Es gibt immer etwas, an dem man arbeiten muss", sagt sie. Jonas Holzwarth, ihr Trainer, hört solche Worte gerne. "Fertig ist nieman. Das weiß Guilia auch", ergänzt er sie.

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