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Neumann-Ärger schreckt
Neumann-Ärger schreckt
24.07.2019 - 00:00 Uhr
Stephanie Baczyk will wegen ihres neuen Jobs nicht viel Aufhebens machen. Andererseits weiß auch die 32 Jahre alte Sportreporterin, dass es etwas ganz Besonderes ist: Sie wird zur kommenden Saison als erste Frau im Kommentatoren-Team der "Sportschau" für die Fußball-Bundesliga arbeiten. Zusammen mit 17 Männern. "Es ist tatsächlich eine Art Kindheitstraum in Erfüllung gegangen", sagt Baczyk (Foto: Spielmann/dpa). Und fügt an: "Ich mache mir ehrlich gesagt keine Gedanken darüber, ob es um Männer oder Frauen geht. Es sollte um Leistung gehen."

Die Sportchefs der ARD waren der Meinung, dass Baczyks Leistung stimmt. Sie beförderten die Journalistin, die zuvor schon mit Berichten über die 3. Liga und über Spiele des DFB-Pokals in der "Sportschau" zu hören war, zur neuen Saison in die 1. Liga.

"Sie hat einfach einen unglaublichen Fußball-Sachverstand", sagt Katrin Günther, die Sportchefin beim Rundfunk Berlin-Brandenburg. "Sie kann Fußballspiele lesen." Und noch etwas zeichnet die Reporterin nach Günthers Meinung aus: "Sie hat, was für Frauen nicht ganz unwichtig ist, eine Stimme, die nicht ganz nach oben geht, wenn es spannend wird. Das spielt eine Rolle, weil es einige abschreckt."

Der RBB scheint eine Art Kaderschmiede zu sein. Er hat nicht nur eine Sportchefin und bald die erste Erstliga-Reporterin bei der "Sportschau", sondern stellt mit Jessy Wellmer auch eine Moderatorin des Klassikers. Die Präsentation von Sportsendungen durch Frauen ist schon lange üblich, bei der ARD oder im "Sportstudio" des ZDF mit Katrin Müller-Hohenstein und Dunja Hayali. Viele Frauen ziehe es eher zur Moderation, sagt ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky. Die Bewerbungen bei der Suche nach Kommentatorinnen hielten sich in Grenzen. "Es gab nicht so viele, die sich nach einem Aufruf in den Sendern gemeldet haben", berichtet Balkausky. "Das hat uns selber auch überrascht."

Der ARD-Sportchef glaubt, dass das auch daran liegen könne, wie Claudia Neumann im Internet zum Teil wüst und frauenfeindlich beschimpft wurde. Die ZDF-Journalistin hatte im Vorjahr als erste Frau Spiele der Fußball-WM kommentiert. "Das könnte abschreckend gewesen sein", sagt Balkausky.

Er hat aber auch einen "Wandel" festgestellt: "Es melden sich inzwischen auch jene in Foren, die etwas Positives zu sagen haben." Grundsätzlich fordert der ARD-Sportkoordinator Geduld bei der Beurteilung von Stephanie Baczyk: "Kommentieren ist eine schwere Disziplin. Auch Männer brauchen lange und müssen an den Job herangeführt werden."

Herangeführt wurde die aus Hannover stammende Baczyk zuletzt bei der Frauen-Weltmeisterschaft in Frankreich, wo sie mehrere Live-Spiele kommentierte. Und für den Umgang mit kritischen Bemerkungen hat ihre Chefin einen Tipp parat: "Man muss sich davon unabhängig machen", empfiehlt Katrin Günther: "Wenn du auf jede Kritik hörst, wirst du mürbe." (dpa)

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