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DFB setzt auf Fritz Walters Patenkind
16.08.2019 - 00:00 Uhr
Es war schon zu einem Ritual geworden. Fritz Keller lauschte in den vergangenen Jahren nach den Spielen seines SC Freiburg im Presseraum den Worten von Trainer Christian Streich und verspeiste dabei unbehelligt sein Wiener Würstchen. Doch mit der beschaulichen Ruhe im Breisgau ist es für den Klubchef des Bundesligisten bald vorbei. Der Deutsche Fußball-Bund hat das 62-jährige Patenkind des großen Fritz Walter als Überraschungskandidaten für das Präsidentenamt aus dem Hut gezaubert.

Keller stünde damit beim Bundestag am 27. September in Frankfurt als Nachfolger des zurückgetretenen Reinhard Grindel bereit. Von seinem Amt in Freiburg würde er im Falle seiner Wahl zurücktreten. Der designierte DFB-Boss wird sich zunächst am 21. August in Berlin der Konferenz der Regional- und Landesverbände sowie der Generalversammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL) vorstellen. Anschließend soll er nominiert werden.

Nach Angaben des DFB war Keller "der erste und einzige Kandidat", mit dem die Findungskommission Gespräche geführt hat. "Es hat in den vergangenen Wochen sehr gute Gespräche mit der Findungskommission gegeben", sagte Keller: "Mit Blick auf den SC Freiburg ist mir die Entscheidung, für das Amt des DFB-Präsidenten zur Verfügung zu stehen, alles andere als leichtgefallen."

Vielleicht hat sich der Verband bei seiner Auswahl auch daran erinnert, was sich der Winzer und Hotelier vor rund drei Jahren getraut hat: Bei der Wahl Grindels sorgte Keller, dessen Restaurant bezeichnenderweise den Namen "Schwarzer Adler" trägt, mit seinem SC für zwei von insgesamt vier Nein-Stimmen. Seinen eigenen Kopf hatte Keller, der 2010 den zuvor nach jahrzehntelanger Herrschaft gestorbenen Klubchef Achim Stocker beim SC beerbte, schon immer. Unter seiner Führung wurde Christian Streich Trainer, die auf Kontinuität mit bescheidenen Mitteln ausgerichtete Club-Maxime fortgesetzt.

Nun steigt Keller sogar zum 13. Präsidenten des größten Einzelsportverbandes der Welt auf. Weiter wird es für ihn aber wohl nicht nach oben geben. Die vom DFB angestrebten Posten in den Gremien des Weltverbands FIFA und der Europäischen Fußball-Union (UEFA) sollen andere übernehmen - Vizepräsident Rainer Koch gilt als Favorit dafür. Zunächst lobte der Interimspräsident aber seinen künftigen Chef. Keller sei "ohne jeden Zweifel eine außergewöhnliche Persönlichkeit mit allen Qualitäten für das Amt des DFB-Präsidenten", sagte Koch. Ähnlich sieht es Reinhard Rauball. "Als Präsident des SC Freiburg hat Fritz Keller innerhalb der Bundesliga und 2. Liga über alle Maßen fachlich und charakterlich überzeugt", erklärte der scheidende DFL-Präsident. Keller sei "eine hervorragende Lösung", der DFB sei zu dieser Wahl "ausdrücklich zu beglückwünschen", sagte Bayern Münchens Klubchef Karl-Heinz Rummenigge.

Der DFB hatte sich bei der Präsidentensuche auf die Hilfe einer Personalberatung gestützt, es habe "eingehende Gespräche mit wichtigen Interessenvertretern aus den Bereichen des DFB sowie seiner Regional- und Landesverbände, des Profifußballs, der Partner des DFB sowie sonstiger Vertreter aus Gesellschaft und Politik" gegeben. Darauf basierend sei ein Profil festgelegt worden, dem Keller "uneingeschränkt" entspreche.

Schon vor der Wahl Kellers steht fest, dass der künftige Präsident nicht mehr so viel Macht wie seine Vorgänger haben wird. Der Verband war zuletzt zu der Auffassung gekommen, dass die Amtsträger in der Vergangenheit auch an der Fülle der Tätigkeiten scheiterten. Die zuletzt amtierenden Gerhard Mayer-Vorfelder, Theo Zwanziger, Wolfgang Niersbach und Grindel mussten alle vorzeitig gehen, das soll sich auf keinen Fall wiederholen.

Klar ist auch, dass es in Zukunft im Verband eine deutlichere Trennung zwischen den wirtschaftlichen und den gemeinnützigen Aufgaben gibt. Deshalb werden alle Aktivitäten, mit denen Geld verdient wird, künftig von der DFB GmbH verantwortet, gemeinnützige Aufgaben sollen dem DFB e.V. obliegen. Starker Mann der GmbH soll DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius werden, Oliver Bierhoff ist als Geschäftsführer Sport vorgesehen. Weiter sind dort unter anderem die EM 2024 GmbH und die geplante Schiedsrichter GmbH angesiedelt. (sid)

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