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Exoten auf Abenteuer-Expedition
Exoten auf Abenteuer-Expedition
12.09.2019 - 00:00 Uhr
Von Frank Ketterer

Vater und Sohn sind da durchaus einer Meinung - und sie halten sie nicht hinterm Berg. "Wir haben höchsten Respekt vor der Zweiten Liga. Da kommen Granaten auf uns zu", sagt der eine. "Das ist eine Riesenherausforderung für uns, aber wir nehmen diese Herausforderung an, wohlwissend, dass wir nichts reißen werden", ergänzt der andere.

Der eine, das ist Gerd Lugauer, seit über 40 Jahren Trainer der Turner des TV Bühl; der andere sein Sohn Jan Lugauer, Teammanager der Bühler Riege und nach einem Jahr Pause ab sofort selbst wieder als Turner aktiv. Beide stapeln mit ihren Einschätzungen nicht wirklich tief, sondern sind lediglich darum bemüht, die Erwartungen und die mit ihnen verbundene Fallhöhe nicht zu hoch zu schrauben.

Der Höhepunkt



im Trainerleben

Schließlich war schon der Aufstieg in die Zweite Turner-Bundesliga Süd, der erste in der Vereinsgeschichte, vergangenen Dezember eine kleine Sensation, vielleicht war er sogar etwas mehr. "Eigentlich war unser Plan, nicht abzusteigen. Und dann waren wir plötzlich aufgestiegen. Dabei hätte uns schon in der Dritten Liga vom Papier her jede Mannschaft schlagen können", erinnert sich jedenfalls Jan Lugauer, der Teammanager, an den Verlauf der zurückliegenden Saison. Nur gut, dass nicht auf Papier geturnt wird, sondern an Pauschenpferd, Ringen, Barren, Reck, Sprung und am Boden. Und dort waren die Bühler dann eben doch besser als die meisten Konkurrenten. "Wir hatten meist Glück, die anderen Teams oft Pech, auch was Verletzungen anbelangt. Hinzu kam, dass wir unser Ding konstant durchgezogen haben", blickt Lugauer junior zurück. Als Drittliga-Vizemeister haben die Bühler die Saison letztendlich beendet, auch beim anschließenden Aufstiegsfinale landeten sie auf Rang zwei - und damit auf dem ersten Nachrückerplatz. Als dann Meister MTV Stuttgart und die KTV Obere Lahn ihre Teams zurückzogen, war der potenzielle Abstiegskandidat Bühl tatsächlich aufgestiegen. "Ich bin jetzt 44 Jahre Trainer, aber das ist der Höhepunkt", beschreibt Gerd Lugauer (69) Größe und Dimension dieses Aufstiegs.

Jetzt also Zweite Liga, noch eine Klasse höher. Was die Bühler Turner da erwartet, beschreibt ihr Teammanager trocken: "Beim ein oder anderen Verein turnt da die zumindest erweiterte Weltspitze." Ihr Trainer sagt: "Das ist ein riesiger Berg" - und meint damit nicht etwa die Hornisgrinde, eher etwas in der Richtung Siebentausender. Oder gar noch höher. Und wenn es ein so hoher Berg ist, dann ist es bestimmt auch nicht falsch, wenn man die anstehende Zweitligasaison der Bühler Riege, die an diesem Samstag um 16 Uhr mit dem Heimwettkampf in der Bühler Großsporthalle gegen Exquisa Oberbayern beginnt, als Expedition sieht, als großes Abenteuer.

Dass sie dieses erleben und eingehen wollen, haben sie alle zusammen früh schon ausgemacht. Noch vor dem Aufstiegsfinale haben sie sich zusammengesetzt, um die Frage zu erörtern: Wollen wir wirklich aufsteigen? Und, weit wichtiger: Wollen wir eine ganze Saison lang die Hucke voll bekommen?

Mannschaft ist im Kern zusammengeblieben

Ihre Antwort: Ja, aber nur wenn wir als Mannschaft zusammenbleiben und das Abenteuer gemeinsam bestehen, ohne das Niveau künstlich hoch zu schrauben, was nichts anderes heißt als: Ohne Neuzugänge von Außen. Gesagt - getan. "Der Kern der Mannschaft ist gleich geblieben", sagt Jan Lugauer. "Wir bleiben unserer Linie treu. Uns war wichtig, dass wir die Herausforderung mit unseren Leuten annehmen", fügt er an. Neun der 14 für diese Saison gemeldeten Turner waren schon in der Dritten Liga für Bühl aktiv, sechs von ihnen stammen aus Bühl oder haben hier bei Gerd Lugauer das Turnen erlernt, nur drei von ihnen, Alexander Fortmeier, Jan Fäßler und Jan Lugauer, haben zuvor schon einmal Zweitligaluft geschnuppert, beim TSV Grözingen war das. Neu ins Team gekommen sind lediglich Marvin Hammer, ein 18-jähriges Talent, das Dirk Walterspacher von der WKG Wilferdingen/Nöttingen vermittelt hat, in Robin Saure, Constantin Volz und Lars Schmidt drei Talente aus dem eigenen Nachwuchs, und Pa-

trick Murphy, ein junger Brite.

Ganz ohne Hilfe aus dem Ausland geht es schließlich auch in Bühl nicht. Pro Wettkampf ist der Einsatz eines ausländischen Athleten erlaubt. So geht der norwegische Nationalmannschaftsturner Odin Kalvo nun schon in der vierten Saison für die Bühler an die Geräte, auch Tom Nicolaou, mittlerweile nicht mehr britischer, sondern zypriotischer Staatsbürger, war schon am Aufstieg beteiligt. Die sieben Wettkämpfe dieser Saison, zu denen sie eigens aus ihrer Heimat anreisen, teilen sich die drei - Murphy, Kalvo und Nicolaou - untereinander auf.

"Wir sind Exoten", sagt dessen ungeachtet Gerd Lugauer, der Trainer. Angesichts von insgesamt neun Eigengewächsen im Team, allesamt lupenreine Amateure, kann und will man ihm da nicht widersprechen. Was sie alle zusammen erwartet, beschreibt Sohn Jan: "Wir werden Lehrgeld bezahlen. Es wird die ein oder andere deutliche Niederlage geben." Den Teammanager schreckt das nicht. Ganz im Gegenteil. "Mich motivieren solche Dinge", sagt er. Auch der Rest der Mannschaft ist spätestens seit besagter Mannschaftssitzung darauf eingestellt. Dabei weiß Lugauer durchaus um die zersetzende Kraft, die Niederlagen in Serie, wie sie die Bühler durchaus selbst erwarten, entfalten können. "Natürlich kann die Motivation auch mal in den Keller sinken", sagt er. Und fügt schnell hinzu: "Aber wir wissen, wo wir herkommen und was wir können - und wir wissen, das richtig einzuschätzen." Und auch diesen Satz ergänzt er um einen weiteren: "Wir machen unser Ding. Was dabei rauskommt, wird man sehen. Wichtig ist nur, dass jeder bestrebt ist, sein Bestes zu geben."

Lernen und



Erfahrung sammeln

Das werden sie tun, alle zusammen. Das haben sie sich fest vorgenommen. Die Zweite Liga ist für die Bühler auch eine des Lernens und des Sammelns, an Erfahrung nämlich. Schon jetzt haben sie, was den Schwierigkeitsgrad ihrer Übungen anbelangt, ein höheres Niveau erreicht, nicht zuletzt wegen des neuen Turnbodens, den der Aufstieg notwendig gemacht hat. Elastischer ist der, federnder - und damit höhere Sprünge und mit diesen schwierigere und punktträchtigere Übungen ermöglichend. "An einzelnen Geräten können wir durchaus mitmischen", ist sich Gerd Lugauer denn auch sicher.

Aber ob das reicht gegen Kaliber wie Exquisa Oberbayern oder KTV Ries? Jan Lugauer schüttelt sanft lächelnd den Kopf. Dann sagt er: "Im Sport kann immer alles passieren."

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