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Löw bleibt "völlig entspannt"
Löw bleibt 'völlig entspannt'
26.09.2019 - 00:00 Uhr
Eine Fußball-Nationalmannschaft ohne Kapitän Manuel Neuer, ohne die neuen Bosse Niklas Süle und Joshua Kimmich oder Torjäger Serge Gnabry? Was für viele Fans undenkbar ist, könnte nach dem Willen von Uli Hoeneß wahr werden. Der Präsident von Bayern München war im Torwartstreit mit dem DFB zwischenzeitlich offenbar zum Äußersten bereit: Hoeneß drohte Bundestrainer Joachim Löw mit einem Boykott der deutschen Auswahl.

"Bevor das stattfindet, werden wir keine Nationalspieler mehr abstellen", sagte Hoeneß über einen möglichen Wechsel im Tor von Neuer zu Herausforderer Marc-André ter Stegen. Diese Aussage gegenüber der Sport Bild tätigte er in der Vorwoche, nachdem er die Debatte öffentlich angeheizt hatte. "Wir werden das nie akzeptieren, dass hier ein Wechsel stattfindet", betonte Hoeneß. Ein klärendes Gespräch mit Bundestrainer Löw, der Neuers Status als Nummer eins mehrfach bestätigt hatte, lehnt der polternde Patron ab. "Der wird jetzt schon hören, was wir alles gesagt haben, dem werden schon die Ohren klingeln", sagte er. Allerdings relativierte Hoeneß seine Drohung gestern. Das Büro des Bayern-Präsidenten teilte dem Spiegel mit, Hoeneß würde die Aussagen "mit etwas Abstand heute nicht mehr so machen". Das Thema sei "für ihn längst erledigt". Aus Löws Sicht ist eine Aussprache ohnehin nicht notwendig. "Von so was lasse ich mich nicht beeinflussen. Das lässt mich völlig entspannt in die Zukunft blicken", hatte er am Samstag geäußert. Mit Neuer, Süle, Kimmich, Leon Goretzka und Gnabry hatte Löw zuletzt fünf Bayern-Spieler in seinem Kader. Das Quintett ist, sofern fit, auch für den Doppelpack im Oktober im Test gegen Argentinien und in Tallinn gegen Estland in der EM-Qualifikation fest eingeplant.



Der DFB wollte sich nicht erneut zum Thema äußern. Oliver Bierhoff hatte schon in der Vorwoche zu einer möglichen Boykott-Drohung Stellung genommen. Nein, er fürchte diese nicht, betonte der DFB-Direktor, "zumal ein Verein laut FIFA-Statuten zur Abstellung verpflichtet ist". In der Tat: Das "FIFA-Reglement bezüglich Status und Transfer von Spielern" hält die Abstellungspflicht im Anhang fest. Diese sei "für alle internationalen Fenster", Wettbewerbe und Turniere "zwingend", im Falle eines Verstoßes greife das FIFA-Disziplinarreglement. Diesem zufolge reicht die Sanktionsspanne von einer Ermahnung über eine Geldstrafe bis zur Aberkennung von Titeln, Zwangsabstieg oder Wettbewerbsausschluss.



Löw hat einen ähnlichen Fall bereits erlebt: Vor dem ersten Länderspiel seiner Amtszeit im August 2006 gegen Schweden (3:0) drohten zahlreiche Nationalspieler im "Schuhkrieg" mit Boykott. Der damalige Mannschaftsrat mit Jens Lehmann, Miroslav Klose, Bernd Schneider und Torsten Frings trat vehement für freie Schuhwahl ein, lenkte aber schließlich ein. Auch andere Länder haben Boykott-Erfahrung: Der dänische Verband stand im Werbestreit mit seinen Spielern im vergangenen Herbst plötzlich ohne Mannschaft da. Der Finne Riku Riski bestreikte im Januar das Trainingslager in Katar ("Es ging um Werte"), die Franzosen um die Wortführer Franck Ribéry und Nicolas Anelka ein Training bei der WM 2010 ("le fiasco de Knysna").



Bierhoff ist sicher, dass dem DFB ähnliche Szenarien erspart bleiben. Es habe hin und wieder Unstimmigkeiten gegeben, sagte er, "aber wir wissen doch, dass wir uns gegenseitig brauchen". Tatsächlich haben Einsätze im Nationaltrikot, gerade bei großen Turnieren wie EM oder WM, einen hohen Werbe- und damit finanziellen Wert für die Profis, von dem auch die jeweiligen Klubs stark profitieren. Letztlich, meinte Bierhoff, sei Bundestrainer Joachim Löw "alleine verantwortlich für die Nominierung". Da kann sich Hoeneß auf den Kopf stellen. (sid)

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