https://www.badisches-tagblatt.de/spielerwahl/index.html
"Wir haben das Potenzial für die Finalserie"
'Wir haben das Potenzial für die Finalserie'
02.10.2019 - 00:00 Uhr
Mit dem Auswärtsspiel beim amtierenden Meister der Regionalliga Südwest, dem SC Bietigheim-Bissingen, startet der ESC Hügelsheim morgen in die neue Eishockey-Saison. Für Trainer Richard Drewniak ist es die zweite in Mittelbaden, nachdem er zuvor schon Zweibrücken und Eppelheim zu ernsthaften Konkurrenten geformt hatte. Diesmal soll möglichst noch mehr als die Halbfinal-Teilnahme herausspringen. Drewniak hat den Baden Rhinos mit etlichen Neuzugängen auf die Sprünge geholfen. BT-Redakteur Michael Ihringer sprach mit dem Coach über die größere Tiefe des Kaders, die Heranziehung junger Talente, die Konkurrenz und das erstmalige Trainingslager in Tschechien.

Interview

BT:
Herr Drewniak, was macht denn ein Eishockey-Trainer in der langen Sommerpause?

Richard Drewniak: Am Haus werkeln. Ich habe ein altes Bauernhaus, da stand dieses Jahr einiges an wie zum Beispiel die Terrassenüberdachung. Was ich im Winter nicht schaffe, mache ich dann im Sommer. Da freut sich auch meine Frau darüber.

BT: Sitzen Sie auch stundenlang vor dem Computer, um Spielerprofile und Statistiken zu checken, wenn es gilt, neue Spieler zu verpflichten?

Drewniak: Natürlich, die Kaderplanung ist eine Hauptbeschäftigung. Irgendwann kristallisiert sich ja immer heraus, wer die Mannschaft verlässt, was ich dann tun muss, was unsere Ziele sind, wie sich das Team entwickelt und dementsprechend die passenden Spieler zu finden, die ins Profil und Budget passen.

BT: Und sind Sie mit der Anzahl und Qualität der Neuzugänge zufrieden?

Drewniak: Zu 100 Prozent.

BT: Sind Center Daniel Steinke aus Heilbronn und Torwart Constantin Haas, der schon DEL2 in Freiburg spielte, die Königstransfers, die den Unterschied in der Regionalliga ausmachen können?

Drewniak: Ich würde nicht von Königstransfers sprechen, obwohl wir natürlich auf der Torwartposition bärenstark aufgestellt sind mit Constantin und Max Häberle. Auf dieser Position mache ich mir gar keine Gedanken. Ich sehe die Beiden auf Augenhöhe, die werden sich einen schönen Zweikampf liefern und pushen. Daniel Steinke ist ein unheimlich erfahrener Spieler, der als Center geholt worden ist, aber er kann eben auch verteidigen, was er in der Vorbereitung auch schon eindrucksvoll unter Beweis stellte. Er bringt viel Routine mit, so dass jeder in seiner Reihe davon profitieren wird. Er bringt sicher die Scheibe hinten raus und spielt kluge Aufbaupässe. Zu den Toptransfers würde ich auch noch Simon Klemmer von den Ratinger Ice Aliens rechnen, der in den ersten drei Testspielen gleich sechs Tore geschossen hat.

BT: Bilden Haas und Häberle das beste Torhüter-Duo der Liga?

Drewniak: Alle Mannschaften haben gute Torleute, so hat Heilbronn einen starken US-Goalie. Als Duo gebe ich Ihnen recht, da ist bei anderen Mannschaften das Gefälle vom Stammtorwart zur Nummer zwei schon größer. Bei uns muss man jetzt schauen, wer sich letztlich durchsetzt. Momentan sieht es so aus, dass wir zwei Nummer einsen haben.

BT: Martin Vachal und Graham Brulotte sind als Kontingentspieler geblieben. War es schwer, Brulotte als Rhinos-Topscorer der Vorsaison davon zu überzeugen, aus Kanada wieder ins Badische zurückzukehren?

Drewniak: Direkt nach der Saison war es noch nicht klar, dass er bleibt. Es gab da einige Faktoren, die von seiner und unserer Seite durchgespielt werden mussten. Er hatte auch ein familiäres Problem zu Hause in Kanada, da sein Vater im Krankenhaus lag. Davon machte er es auch abhängig, ob er zurückkommt. Die Sache mit dem Vater ist so weit gut ausgegangen, so dass er seine Zusage gab. Er fühlt sich hier unheimlich wohl und hat darauf gebrannt, wiederzukommen.

BT: Erwarten Sie einen weiteren Entwicklungsschritt von ihm, da er mit 21 Jahren ja noch jung ist?

Drewniak: Genau. Er weiß inzwischen genau, was in der Liga auf ihn zukommt. In seiner Premierensaison war alles für ihn Neuland, erstmals von seiner Familie in Kanada getrennt, anderes Land, andere Kultur und Sprache. Das war am Anfang natürlich schwierig für ihn, dann setzt man sich selbst auch unter Druck. So hat nicht alles so funktioniert, wie er es gerne wollte. Er hätte zum Beispiel mehr Tore schießen können. Von daher gehe ich davon aus, dass er jetzt in seiner zweiten Saison einen Schritt nach vorne macht und auch öfter in der Torschützenliste auftaucht. Jetzt passen alle Faktoren, er kennt die gesamte Mannschaft, hat sich auf sie im Sommer gefreut. Er sagt selbst, Hügelsheim ist sein zweites Zuhause geworden.

BT: Wie ist die dreiwöchige Vorbereitungszeit in Pforzheim und Freiburg verlaufen?

Drewniak: Es ist natürlich immer schwierig, wenn man noch kein Eis hier zu Hause hat, deshalb waren wir froh, dass wir am 24. September erstmals wieder in Hügelsheim aufs Eis konnten. Wir waren auch froh, dass uns die anderen Eishallen offen standen. Wir hatten eine Einheit in Freiburg, zwei in Pforzheim und insgesamt sechs Vorbereitungsspiele absolviert. Das Wichtigste für mich in der Vorbereitung ist, dass das Teamgefüge zusammen passt. Zusätzlich waren wir für drei Tage in Tschechien, dort stand das Teambuilding auch im Vordergrund, ohne das Sportliche zu vernachlässigen. Ich bin absolut guter Dinge, dass wir im Soll liegen.

BT: Wie muss man sich die Teambuildingmaßnahme in Tschechien vorstellen?

Drewniak: Wir sind an einem Freitag angereist, hatten ein Vorbereitungsspiel gegen die Universität von Pilsen, das wir 3:1 gewannen. Das war im Übrigen ein sehr anspruchsvoller Gegner. Dann standen weitere Trainingseinheiten am Samstag und Sonntag an, und wir haben dann auch die Pilsener Urquell-Brauerei besichtigt, also ein bisschen Kultur gemacht und dabei auch ein Kaltgetränk genossen. Der Trip war auf jeden Fall ein Erfolg.

BT: Ist es für Sie ein Vorteil, dass Sie in Ihrer zweiten Saison in Hügelsheim das gesamte Umfeld und die Spieler nun bestens kennen?

Drewniak: Auf jeden Fall. Die Stärken und Schwächen der Topspieler kannte ich schon vorher als Trainer des Gegners von all den Duellen, doch man muss eben auch die von den anderen Spielern kennenlernen. Darüber weiß ich jetzt Bescheid. Vor der neuen Saison ist das auch eine bessere Grundvoraussetzung, dass ich weiß, wer mit wem gut harmoniert auf dem Eis und wer nicht und welcher der neuen Spieler die Reihen gut ergänzen kann.

BT: In der Vergangenheit waren die Reihen immer knapp auf Kante genäht, diesmal wurden gleich mehrere neue Spieler verpflichtet und der Kader vergrößert. Erhoffen Sie sich einen größeren Konkurrenzkampf?

Drewniak: Das war das Ziel, weil genau dies in der vergangenen Saison gefehlt hat. Das war tatsächlich unser großes Manko, dass wir zu wenig Konkurrenz im Kader hatten. Ich war in der Vorsaison froh über jeden Spieler, der hier war. Wir hatten teilweise Spiele, in denen wir nur mit 13 Mann antreten konnten. In so eine Situation wollte ich mich nicht mehr hineinmanövrieren lassen. Deshalb habe ich gesagt: Wir müssen uns gut aufstellen, vor allem müssen wir den Kader verjüngen. Jetzt haben wir einen Kader inklusive der Nachwuchsspieler, die jetzt noch aufrücken, von knapp 30 Mann. So kann ich jetzt aus dem Vollen schöpfen. Klar, es wird angesichts des Konkurrenzkampfs Spieler geben, die unzufrieden sind, aber im Endeffekt zählt das Ergebnis. Ich bin jedenfalls guter Dinge.

BT: In der Vergangenheit war es schwierig, eigene Nachwuchsspieler im Team zu integrieren. Sehen Sie da Anzeichen für eine Trendwende?

Drewniak: Ich habe insgesamt fünf Nachwuchsspieler, von denen zwei fest zu uns kommen und drei, die sowohl Junioren als auch erste Mannschaft spielen. Es ist das Entscheidende, dass die Motivation stimmt. Es ist natürlich ein Riesensprung für die Jungen, da unser Nachwuchs ja auch nicht in den Top-Juniorenligen spielt, den Anschluss beim Übergang in den Kader einer Top-Regionalligamannschaft zu finden. Da gehört neben Motivation auch viel Fleiß dazu. Das ist natürlich auch körperlich viel anspruchsvoller. Die Jungs müssen sich da auch im Training erst mal an das Niveau herantasten, so dass ich sie dann auch im Spiel bringen kann. Der Justus Lehmacher, der auch schon im Vorjahr im Kader dabei war, hat zum Beispiel auf jeden Fall das Potenzial, es zu schaffen. Mit ihm plane ich fest. Bei den anderen muss noch was passieren, was Motivation, Ehrgeiz und Trainingsfleiß betrifft.

"Die Strafzeiten waren



das große Manko"

BT: Ist in der neuen Saison mehr drin als die Halbfinal-Teilnahme in der Vorsaison?

Drewniak: Mehr ist immer drin, klar. Wenn man den Anspruch nicht hat, braucht man erst gar nicht anfangen, wenn man nicht sagt: Wir wollen uns verbessern. Das Hauptziel ist immer noch unter die besten Vier zu kommen. Die Konkurrenz schläft ja auch nicht. So ist Zweibrücken mit all den Neuverpflichtungen für mich ganz klar Titelaspirant, die haben auch ein deutlich höheres Budget. Es gibt aber auch andere Teams wie Stuttgart, die ich ganz vorne erwarte, da sie im Sommer auch viel gemacht haben. Es wird ein harter, schwerer Kampf, aber ich glaube, dass wir uns am Ende durchsetzen werden. Wir haben auf jeden Fall das Potenzial, die Finalserie zu erreichen, aber das kommt dann auf viele Faktoren an. Verletzungen sind eine Sache, Taktiktreue oder Strafzeiten das andere. Letzteres war mit das größte Manko in der vergangenen Saison. Bis Dezember waren wir noch die fairste Mannschaft der Liga. Dann auf einmal, als wäre ein Schalter umgelegt worden, ging es los mit den Strafzeiten, und wir sind auf einmal auch in der Tabelle durchgereicht worden. Das darf uns nicht mehr passieren.

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

Hügelsheim
Rhinos schwitzen abseits des Eises

27.08.2019
Rhinos schwitzen abseits des Eises
Hügelsheim (ndm) - Für einen Eishockeyspieler sind 30 Grad Celsius nicht gerade die gewohnte Arbeitstemperatur. Doch für die Baden Rhinos hat bereits Mitte August die Off-Ice-Vorbereitung begonnen, um die Grundlagen für die neue Regionalligasaison zu schaffen (Foto: ESC). »-Mehr
Hügelsheim
Daniel Steinke wird ein Rhino

21.08.2019
Rhinos verpflichten Steinke
Hügelsheim (red) - Der Eishockey-Regionalligist ESC Hügelsheim bastelt weiter fleißig an seinem Kader für die kommende Saison. Die Baden Rhinos gaben die Verpflichtung von Daniel Steinke bekannt. Der 35-jährige Allrounder kommt vom Ligakonkurrenten Heilbronn (Foto: Archiv). »-Mehr
Hügelsheim
Zwei Neue für Baden Rhinos

09.07.2019
Zwei Zugänge für Baden Rhinos
Hügelsheim (red) - Zwei Zugänge vermeldet Eishockey-Regionalligist ESC Hügelsheim: In der neuen Saison gehen Mirco Majewski und Simon Klemmer für die Rhinos aufs Eis. Ob Graham Brulotte (Foto: av) dann auch noch das ESC-Trikot überstreift, ist noch nicht geklärt. »-Mehr
Umfrage

Experten befürchten, dass sich das Coronavirus weiter ausbreiten könnte. Haben Sie Angst vor der Lungenkrankheit?

Ja.
Nein.
Das weiß ich nicht.


Wetter in Mittelbaden


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz   
1