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Dortmund verzweifelt an sich selbst
07.10.2019 - 00:00 Uhr
Von Michael Ihringer

Schweigen ist bekanntlich Gold. Für die Dortmunder Profis war Schweigen nach dem zum wiederholten Mal in letzter Minute verspielten Sieg erste Bürgerpflicht. Roman Bürki blickte nach dem 2:2 im Freiburger Schwarzwaldstadion auf dem direkten Weg Richtung Bus auf sein zum Verzehr bereites Salatgericht, Ex-WM-Held Mario Götze nippte an seiner Wasserflasche, Thomas Delaney starrte auf sein Handy, und Raphael Guerreiro nestelte an seinem Kulturbeutel herum. Alle ließen mit Tunnelblick die Dortmunder Journalistenmeute buchstäblich links liegen.

Dafür sprach der Kapitän und blickte drein wie das triste Regenwetter am Samstag. "Das ist zu wenig, wenn man solche Ansprüche hat." Marco Reus behielt diesmal wenigstens die Fassung. Sein Trainer Lucien Favre, der gewöhnlich um jedes Wort verlegen ist und nie Klartext redet, ging für seine Verhältnisse fast schon verbal in die Offensive. "Die Gegentore sind ein echtes Problem für uns, das ist schwer zu akzeptieren. Das kostet uns wieder sehr viel. Es fehlt uns an Antizipation, vor dem 2:2 gab es gleich eineinhalb Fehler."

Mittlerweile kann selbst Bayern München ein seltenes Geschenk mit Schleifchen präsentieren, und Dortmund lehnt es ab. Und zum x-ten Mal lag der BVB in diversen Statistiken wie Ballbesitz (62:38 Prozent) oder Ecken (11:3) klar vorne, aber eben nicht beim wichtigsten Fakt, dem Endergebnis.

Während der BVB-Tross wie ein Haufen Verlierer von dannen zog, strahlten die SC-Profis um die Wette. Christian Streich fuchtelte an der Seitenlinie wie wild herum. Zwar gelang ihm auch im 14. Duell seit seinem Amtsantritt 2011 nicht der erste Sieg gegen die Schwarz-Gelben (elf Niederlagen, drei Remis), doch wenn David gegen Goliath so gut mithält, gar die größere Chancenanzahl besitzt, dann kann man schon stolz wie Oskar sein. Streich ist kein Mensch für Lobhudelei, doch diesmal gab er sich wie Trainerkollege Favre ungewohnt offen: "Die zweite Halbzeit war herausragend, ich bin begeistert. Wir waren heute auf Augenhöhe mit dem BVB. Wir sind gelaufen wie die Verrückten."

Nicht nur die Marathonmänner Höler, Höfler und Abrashi gingen weite Wege und stopften permanent Löcher, die die spielstarken Westfalen in der SC-Hälfte gerissen hatten. Im eigenen Strafraum ließen Heintz, Koch, Kübler im Zen-

trum sowie Günter und Schmid auf den Außenbahnen wenig anbrennen. Dortmunds Tore entsprangen vielmehr einem Geniestreich in Form einer Volley-Direktabnahme des belgischen WM-Dritten Witsel (19.) und einer feinen Einzelaktion des neuen Torschützen vom Dienst Hakimi, der an der Grundlinie Günter ausspielte, nach innen zog und Glück hatte, dass Kübler seinen Schuss unhaltbar für den starken Schwolow abfälschte (67.).

Der Sport-Club zeigte überragenden Willen neben großer Laufleistung und verbiss sich regelrecht in den zunehmend wankenden Gegner. Nachdem Luca Waldschmidt, der im Sturm den Vorzug vor Nils Petersen erhalten hatte, schon dreimal in aussichtsreicher Position gescheitert war, legte sich der U-21-Vizeeuropameister den Ball beim vierten Versuch nach Ablage von Schmid auf seinen starken linken Fuß, nahm zentral am Strafraum Maß und drehte zur Jubelrunde ab (55.).

Was Zauberfuß Jadon Sancho, den Favre erst nach 63 Minuten brachte ("Er brauchte eine Pause, er war wie tot") für den BVB ist, bedeutet Rückkehrer Vincenzo Grifo für den Sport-Club: Er ist der Mann für die besonderen Momente. Erst kurz vor Schluss eingewechselt, passte der Italiener den Ball in der letzten Sturm- und Drangphase aus sechs Metern Entfernung scharf nach innen, und Dortmunds Verteidiger Akanji fabrizierte ein fatales Eigentor (90.). Dass die finanziellen Zwerge weiter vor dem reichen Möchtegern-Meister und gar auf einem Champions-League-Platz stehen, veranlasst keinen zum Größenwahnsinn.

"Wir freuen uns über die Momentaufnahme. Es ist schöner auf dem zweiten als auf dem 15. Platz. Wir wissen aber, wo wir herkommen. Wir müssen auf dem Boden bleiben", sagte Christian Günter. Als Aushilfskapitän ging er auch als Aggressiv-Leader voran. "Wir nerven den Gegner." Dortmunds sprachlose Stars konnten das sicher bestätigen.

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