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Doch die Qual der Wahl
09.10.2019 - 00:00 Uhr
Von Frank Ketterer

Am Tag danach war die Entscheidung dann endgültig gefallen, um die Mittagszeit gab der Karlsruher SC sie auch öffentlich bekannt. "Kandidatenliste für MGV steht - Wahlausschuss lässt Kandidaturen von Müller und Dr. Metz zu", war die entsprechende Presseinformation überschrieben, ihr angehängt war eine Liste mit jenen Bewerbern, die sich auf der Mitgliederversammlung am Samstag in der Karlsruher Schwarzwaldhalle um ein Mandat im Präsidium und Verwaltungsrat bewerben.

Dass sich auf dieser nun auch Präsidentschaftskandidat Martin Müller sowie Verwaltungsratsaspirant Ulrich Metz befinden, dürfte nicht zuletzt einer Einschätzung der Deutschen Fußball Liga (DFL) geschuldet sein. Beide, Müller und Metz, sind beruflich mit der Immobiliengesellschaft CG Gruppe verbandelt - und diese ist seit dem Frühjahr nicht nur Topsponsor beim KSC, sondern schon länger Ärmelsponsor bei RB Leipzig und Hertha BSC. Dass dies zu Irritationen im Vorfeld der Wahl geführt hatte, hat mit einem Passus in der DFL-Satzung zu tun, der auch in der Vereinssatzung des KSC enthalten ist. Laut diesem dürfen - frei übersetzt - Mitarbeiter eines Unternehmens, das "in wirtschaftlich erheblichem Umfang" einen Verein sponsort, nicht Mitglied im Präsidium und Rat eines anderen Vereins sein. Der KSC-Wahlausschuss hatte die DFL um Einschätzung im Bezug auf die CG Gruppe und ihr Engagement bei den beiden Bundesligisten (geschätzt jeweils über eine Million Euro) gebeten. In Frankfurt war man offenbar zu der Auffassung gelangt, dass dies nicht als "in wirtschaftlich erheblichem Umfang" einzustufen sei. Der KSC-Wahlausschuss schloss sich dieser Einschätzung nun an.

Damit kommt es am Samstag also tatsächlich zum großen Wahl-Showdown zwischen Herausforderer Müller und Amtsinhaber Ingo Wellenreuther. Dass es dabei hitzig werden könnte, ist nicht ausgeschlossen, schon am Montagabend, auf einer Informationsveranstaltung der Supporters, im Rahmen derer sich das Gros der Kandidaten für Präsidium und Verwaltungsrat vorstellte, war das schließlich der Fall. Sogar eine Freundschaft ging dabei zu Bruch, nämlich jene von KSC-Legende Edgar Schmitt, der für einen der beiden Vizepräsidentenposten kandidiert, und dem langjährigen Verwaltungsratsmitglied Dieter Hegele. Dass Hegele von Schmitt wissen wollte, ob dessen Entscheidung, zu kandidieren, gefallen war, "bevor du Geld von der CG Gruppe gekriegt hast", wertete der ehemalige Profifußballer umgehend als Bestechungsvorwurf, entsprechend empört reagierte er. "Du bist nicht mehr mein Freund. Dass du mir unterstellst, dass ich bezahlt werde, um andere zu unterstützen - das muss man sich mal vorstellen", zürnte Schmitt - und kündigte als prompte Konsequenz an, nur unter einem Präsidenten Müller als Vizepräsident zur Verfügung zu stehen.

Es war ein richtiger Sturm der Entrüstung, den "Euro-Eddy" da entfachte, allerdings auch einer im Wasserglas. Denn zugeben musste der 56-Jährige, dass er durchaus auf der Payroll der CG Gruppe steht, als freier Mitarbeiter für Öffentlichkeitsarbeit und Charityunternehmungen. Dass zudem in Ulrich Metz auch noch ein Aufsichtsrat der Immobiliengesellschaft für den KSC-Verwaltungsrat kandidiert, scheint beim ein oder anderen KSC-Anhänger, das machte der Montag deutlich, die Befürchtung geweckt zu haben, es könne bald etwas zu viel CG in ihrem KSC stecken.

Eine Furcht, die Ingo Wellenreuther in seinen Ausführungen befeuerte. Zwar habe man bei der geplanten Ausgliederung einen Verstoß gegen die vielzitierte 50+1-Regel satzungsmäßig ausgeschlossen. Allerdings, so Wellenreuther, gebe es auch ein Schlupfloch. "Die einzige Gefahr, die kommen könnte, ist, dass Gremien im Verein mit Personen besetzt werden, die von einer Firma kommen." Dann, so der Amtsinhaber, bestehe die Gefahr, "dass es zu einer Fremdsteuerung kommt". Auch der Begriff "Heuschrecke" fiel in diesem Zusammenhang.

Für Müller besteht just in dieser Argumentation die größte Gefahr, am Samstag beim Wahlvolk durchzufallen. Entsprechend energisch widersprach er schon am Montag. "Warum soll ein Projektentwickler versuchen, den KSC zu unterwandern? Was sollen wir Böses im Schilde führen?", rief er den rund 250 KSC-Fans entgegen, versehen mit dem Hinweis, die CG Gruppe verstehe sich nicht als Investor, sondern als Sponsor. Dies sei beim KSC im Übrigen auch weiterhin der Fall, wenn er nicht gewählt werde, wie Müller mit einer eidesstattlichen Versicherung der CG Gruppe, die er bei sich führte, unterstrich.

Kandidaten für das Amt des Präsidenten: Martin Müller und Ingo Wellenreuther.

Für die beiden Vizepräsidenten-Posten: Kai Gruber, Günter Pilarsky, Edgar Schmitt, Holger Siegmund-Schultze.

Für die sieben Plätze im Verwaltungsrat: Dr. Christian Fischer, Dr. Thomas Hock, Dr. Boris Liffers, Dr. Ulrich Metz, Gerhard Rastetter, Ralf "Ronny" Ronecker, Michael Steidl, Dieter Hegele, Horst Marschall, Hubert H. Rase.

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