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So weit weg wie der Mond
So weit weg wie der Mond
09.10.2019 - 07:30 Uhr
"Ein Wasserhahn ohne Hebel?!" - Willi Holdorf klingt heute noch verblüfft, wenn er an die Reise zu den Olympischen Spielen nach Tokio zurückdenkt. Vor 55 Jahren führte sie ihn in ein fremdes Land, das vom technischen Fortschritt geprägt war. "So etwas kannten wir nicht: ein Hahn, der durch eine Lichtzelle angemacht wurde", sagt der 79-jährige Schleswig-Holsteiner, der in Japans Hauptstadt als Sieger des Zehnkampfs zu einem deutschen Sporthelden aufstieg.. "Tokio war vor der Reise damals für mich so weit weg wie der Mond."

Nicht nur Holdorf, sondern Olympia im Ganzen machte sich 1964 auf den Weg in eine fremde Welt. Am 10. Oktober fand die Eröffnungsfeier der ersten Spiele in Asien statt. Im nächsten Sommer kehrt das größte Sportfest der Welt nach Tokio zurück (24. Juli bis 9. August), und der Kontinent ist mit den Spielen in Pyeongchang 2018, nun in Tokio und im Winter 2022 in Peking mittlerweile Olympias Hotspot. Im runderneuerten Olympiastadion von ,64 finden wieder Eröffnungs- und Schlussfeier sowie Spiele des Fußballturniers statt.

Holdorf wurde zu einem Star der Spiele, weil er gewann - und weil er so herrlich litt. Im Ziel des abschließenden 1 500-Meter-Laufs brach der Athlet von Bayer Leverkusen zusammen. Ob er gewonnen hatte? Ob er erster deutscher Olympiasieger im Zehnkampf geworden war? Er wusste es zu dem Zeitpunkt nicht. "Uwe Seeler sagt zu mir immer: Das hast du marketingtechnisch perfekt gemacht." Das stimme aber nicht, betont der spätere 13-Spiele-Trainer des Kurzzeit-Fußball-Bundesligisten Fortuna Köln und Gesellschafter des Handballclubs THW Kiel. "Eine Ehrenrunde hätte ich nicht mehr hinbekommen."

Bildstarke Mätzchen für die Medien hätten ihr Publikum ohnehin erst mit Verspätung erreicht. Im Radio gab es zwar Direktübertragungen, doch "das TV-Bild wurde mit dem Flugzeug nach Deutschland gebracht", erinnert sich Holdorf. "Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen."

Zwölf Grad betrug die Lufttemperatur damals im Stadion, die Bahn war nass vom Regen. Der japanische Herbst bot ganz andere Bedingungen als jene, die die Athleten im Hochsommer 2020 mit Temperaturen von bis zu 40 Grad und extrem hoher Luftfeuchtigkeit erwarten.

Zum vorerst letzten Mal trat 1964 eine gesamtdeutsche Mannschaft an - im Medaillenspiegel schloss sie mit zehn Goldmedaillen auf Rang vier ab. Die Springreit-Equipe um Hans Günter Winkler mit Fidelitas zählte zu den Olympiasiegern, die Mannschaft der Dressurreiter um Josef Neckermann mit Antoinette und die Magdeburger Hürdensprinterin Karin Balzer, die auf der bis 1968 gelaufenen Distanz von 80 Metern triumphierte.

Die Segler nutzen 2020 in der Sagami-Bucht vor Enoshima dasselbe Revier wie 1964, als der Berliner Willy Kuhweide unter dramatischen Umständen im Finn Dinghi gewann. Erst kurz vor den Spielen hatte der West-Berliner den Vorzug vor dem Ost-Berliner Bernd Dehmel erhalten. Und trotz Mittelohrentzündung und Steuerbruch setzte er sich in der olympischen Regatta durch.

"Ich denke nicht sehr oft an meine Medaille. Aber ich werde - mal mehr, mal weniger - durch meine Umwelt in angenehmer Weise an sie erinnert", sagt der 76-Jährige mit Wahlheimat Arizona heute. Sein Gold hängt in einer Vitrine des Vereins Seglerhaus am Wannsee - für jedes Mitglied und jeden Gast sichtbar.

"Wie schon im Oktober 1964 werden im Olympia-Revier 2020 - allerdings bei leichteren Winden als damals - die Allrounder favorisiert sein", sagt Kuhweide und gibt seinen Nachfolgern einen Tipp mit aufs Wasser: "Sehr wichtig wird ein guter Sonnenschutz sein." (dpa)

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