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Das nächste Kapitel im Stadionstreit
Das nächste Kapitel im Stadionstreit
17.10.2019 - 00:00 Uhr
Von Christian Rapp



und Winfried Heck

Am Samstagnachmittag, kurz nach 15 Uhr, war die Welt von Ingo Wellenreuther noch vollkommen in Ordnung. Der 59-jährige Bundestagsabgeordnete wurde, wenn auch nur knapp, als KSC-Präsident wiedergewählt. Zuvor konnte Wellenreuther im leidigen Thema Stadionneubau mit der Stadt Karlsruhe gar Positives vermelden. Die Gespräche mit der Kommune nach dem Urteil des Landgerichts, dass dem KSC weitreichende Einsichten in die Verträge zwischen Stadt und dem Totalunternehmer eingeräumt hatte (wir berichteten), seien gut angelaufen. Doch keine 72 Stunden später dürfte sich die Miene Wellenreuthers verdunkelt haben: Die Stadt hat beim Oberlandesgericht Karlsruhe Berufung gegen das Urteil des Landgerichts eingelegt. Das nächste Kapitel in der Schmierenkomödie "Stadionneubau" scheint programmiert.

Mit Unverständnis auf die Berufung reagierte gestern der KSC. Die Vereinsführung mit Präsidium, Geschäftsführung und Beirat habe kein Verständnis dafür, dass man aufseiten der Stadt das Urteil des Landgerichts Karlsruhe nicht respektiere und nicht zu einer konstruktiven Zusammenarbeit mit dem KSC zurückkehre, heißt es in einer Pressemitteilung des Vereins. "Ein Bauprojekt dieser Größenordnung und Bedeutung kann auf Dauer nicht vor Gericht geführt werden, sondern nur in gemeinsamer Arbeit an der Sache", werden Präsident Ingo Wellenreuther sowie die beiden Vizepräsidenten Günter Pilarsky und Holger Siegmund-Schultze stellvertretend für alle Gremien zitiert. Der KSC habe kein Verständnis für die "mangelnde Kooperationsbereitschaft" der Stadt.

Rückblick: Mitte September hatte der KSC in der Stadionfrage beim Landgericht Karlsruhe vier einstweilige Verfügungen beantragt. Dabei forderte der Zweitligist zuvorderst Einblick in den sogenannten Totalunternehmervertrag zwischen der Kommune und der ausführenden Baufirma. Außerdem ging es um die Planung von Kiosken im Stadionumlauf, den vom Verein geforderten Wegfall von Stützen im Business-Bereich sowie darum, das laufende Baugenehmigungsverfahren zu stoppen. Ende September, beim Urteil des Landgerichts, durfte sich der KSC bei den Angelegenheiten Totalunternehmervertrag und Kiosk als Punktsieger fühlen, beim Wegfall der Stützen im Business-Bereich sowie beim Baugenehmigungsverfahren musste der Verein jedoch eine Niederlage verkraften. Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) sprach gar "von einer peinlichen Klatsche" für den KSC.

Am vergangenen Montag nun, nachdem die zweiwöchige Frist für die Einsicht in den Totalunternehmervertrag abgelaufen war, hatte der KSC die Stadt "schriftlich angemahnt", wie Pressesprecher Florian Kornprobst auf BT-Nachfrage mitteilte, diesen "auszuhändigen und angekündigt, das Urteil des Landgerichts zu vollstrecken". Aus Sicht des Vereins handelte es sich bei den einstweiligen Verfügungen, die vor Gericht erwirkt worden waren, um eine "Notwehrhandlung des Vereins".

Schon vor zwei Wochen hatte Mentrup gegen diesen Aspekt im Urteil des Landesgerichts große Bedenken geäußert. Man stehe in der Pflicht, das Vertrauensverhältnis zum Totalunternehmer zu schützen. Für die Stadt war das Vorgehen des KSC am Montag, der laut Kommune alle relevanten Unterlagen bis Dienstag 14 Uhr einforderte, dagegen wohl zuviel des Guten und legte daraufhin Berufung ein. "Kaum hatte sich der Staub rund um die KSC-Mitgliederversammlung verzogen, stellt sich beim KSC das gewohnte Grundmisstrauen im Umgang mit der Stadt als Bauherr des neuen Stadions ein", bewertet Karlsruhes Oberbürgermeister Mentrup die neueste Entwicklung. Die Stadt habe somit keine Wahl gehabt und habe nun ihrerseits Rechtsmittel eingelegt. "Wir befinden uns als Stadt in der paradoxen Situation, die Fertigstellung des Projekts vor dem späteren Nutzer schützen zu müssen," verweist Mentrup auf aus seiner Sicht unabsehbare Risiken für den Zeit- und Kostenplan.

Hintergrund ist, dass der Gemeinderat der Stadt eine Kostenobergrenze für den Stadionneubau beschlossen hat, die nicht überschritten werden dürfe. Da seit der zurückliegenden Wahl die Grünen - als erklärte Neubaugegner - klar stärkste Fraktion im Gemeinderat sind, dürfte eine Erhöhung des Kostenrahmens tatsächlich ausgeschlossen sein.

Das nächste Kapitel im Stadionstreit - es dürfte wohl nicht das letzte sein.

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