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Härte zehn
31.10.2019 - 00:00 Uhr
Von Michael Ihringer

Christian Streich schaut offensichtlich Tierfilme. "Die verteidigen wie die Tiger." Der kauzige Trainer setzte aber nach dem erneut frühen Pokal-Aus seines SC Freiburg nicht etwa zum Tigersprung an, er lobte vielmehr Sieger Union Berlin über den grünen Klee: "Die haben eine Power, Dynamik, Körperlichkeit: Das ist unglaublich. Die sind brutal schwer zu bespielen", entfuhr es ihm nach dem 1:3. Zum zweiten Mal innerhalb von zehn Tagen hat er nun Bekanntschaft mit dem Aufsteiger gemacht. Das reicht Streich erst mal für längere Zeit. "Ich hoffe, du kommst nicht alle zehn Tage hierher. Sonst müsste ich sagen: Ich will dich nicht mehr sehen", schnaubte der Kulttrainer in Richtung seines Kollegen. "Das war nur ein Spaß, Urs", schob er nach.

Urs heißt Fischer mit Nachnamen und redet ein so witziges Schwyzerdütsch , dass ihn nur der nahe der Schweizer Grenze aufgewachsene Streich, der einen ebenso ausgeprägten Markgräfler-Slang drauf hat, richtig versteht. Verstanden hat der erfahrene SC-Trainer nach den zwei Pleiten jedenfalls, dass dieser Aufsteiger richtig wehtun kann: "Wir haben beide Spiele nicht unverdient verloren." Urs Fischer sprach bescheiden vom "Wettkampfglück, das wir brauchen, um zu bestehen. Dieses Glück haben wir auch erzwungen".

Mit Leidenschaft, Disziplin, Aggressivität, Wille, Galligkeit und gnadenloser Effizienz. Der Torschütze zum entscheidenden 2:1 kurz vor Schluss, Robert Andrich, sieht schon ein bisschen furchteinflößend aus. Dieser Hüne verkörpert Härte zehn. "Wir müssen eklig sein. Es ist ein Kompliment für mich, wenn wir so betitelt werden, und ich persönlich finde es richtig gut, wenn ich im Spiel angeschrien werde: Was bist du denn für ein Ekliger", sagte er mit stolzgeschwellter Brust. Wo eisern auf dem Vereinslogo steht, steckt eben auch Eisernes im Trikot.

Kämpfen liegt in der DNA der Köpenicker. Als noch die Mauer stand, galten die "Eisernen" als subversive Gestalten. "Jeder Staatsfeind ist ein Union-Fan", war ein geflügelter Spruch. In der Vereinshymne röhrte sich die frühere Punk-Diva Nina Hagen in die Fanherzen: "Wer lässt sich nicht vom Westen kaufen? Eisern Union." Ähnlich wie in Freiburg wollen sie auch in Köpenick authentisch bleiben, sich nicht vom durchgestylten, auf immer extremere Auswüchse getrimmten Milliardengeschäft völlig vereinnahmen lassen.

Am Samstag ist Klassenkampf, Union gegen Hertha BSC, arm gegen neureich. Die Alte Försterei wird brennen. Rambo Andrich, selbst neun Jahre in der Hertha-Jugend, verspricht nur eins: "Wir hauen uns alle rein." Gusseisern.

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