https://www.badisches-tagblatt.de/spielerwahl/index.html
Gemischte Gefühle
13.11.2019 - 00:00 Uhr
Von Frank Ketterer

Es war auch ein Abend der gemischten Gefühle, zumindest bei den beiden Trainern war das so. Dirk Schuster war mit dem 1:1, das der von ihm trainierte FC Erzgebirge Aue beim Karlsruher SC ergattert hatte, letztendlich ganz zufrieden, schon weil seine Mannschaft gute 50 Minuten mit einem Mann weniger hatte auskommen müssen.

Andererseits hätte es den ehemaligen KSC-Verteidiger interessiert, wie die Partie "mit elf gegen elf" ausgegangen wäre, also ohne die Rote Karte, die Jan Hochscheidt in der 41. Minute und nach Videobeweis von Schiedsrichter Sven Waschitzki vor die Nase gehalten bekommen hatte. "Aber das wird mir keiner sagen können", vermutete Schuster durchaus wahrheitsgetreu.

Bei Alois Schwartz, seinem Karlsruher Kollegen, verhielt es sich ähnlich, nur eben umgekehrt: Der KSC-Coach ärgerte sich zwar darüber, dass sein Team die lange Überzahl nach sechs Unentschieden in Serie nicht zum ersten Sieg nach zumindest gefühlten Ewigkeiten hatte nutzen können, musste gleichsam aber eingestehen, dass die "Macht aus dem Schacht", wie die Kicker aus dem Erzgebirge sich nennen, vor Hochscheidts Platzverweis durchaus mit mehr als jenem einen Tor, das ausgerechnet der spätere Rotsünder bereits nach sieben Minuten erzielt hatte, vorne hätten liegen können. "Wenn der Benni nicht so einen guten Tag hat, steht's da 0:2", sagte Schwartz zu jener Szene in der 18. Minute, in der KSC-Keeper Uphoff einen Testroet-Schuss aus der Drehung mit einem Wahnsinnsreflex pariert hatte. "Da hält uns der Benni im Spiel", stellte der KSC-Coach zudem fest.

So sehr er seinen Keeper hernach für das Bewahren des 0:1-Rückstands lobte, so sehr tadelte er Marvin Pourié dafür, den KSC bereits in der fünften Minute nicht in Führung geschossen oder es zumindest versucht zu haben. Nach einem langen Ball aus der Tiefe des Raums war der Stürmer zu zögerlich und "klammerte" das Spielgerät, wie Schwartz das nannte, anstatt direkt und aus guter Position aufs Tor zu schießen. "Als Stürmer muss ich da abziehen", sagte Schwartz, was durchaus als Kritik verstanden werden darf - und vielleicht sogar als Schuss vor den Bug Pouriés, der zuletzt mehrfach darüber geklagt hatte, vom Trainer nicht mehr für die Startelf berücksichtigt worden zu sein.

Ob der Stürmer tatsächlich ins Tor getroffen hätte, sei bei alledem dahingestellt. Zumindest gedanklich ausmalen aber wollte sich Marco Thiede, was dann hätte passieren können: "Ich glaube, wenn Aue hier hinten liegt, kriegen die richtig Probleme", sprach der KSC-Rechtsverteidiger. So aber war es der KSC, der schon im Gegenzug durch Hochscheidts 0:1 in Rückstand geriet - und Probleme bekam. "Ab diesem Zeitpunkt haben wir nicht gut, sondern schlecht gespielt", konstatierte Schwartz. Vor allem die "schlechte Passqualität" der Seinen bemängelte er.

Bis zu Hochscheidts Hinausstellung sah es jedenfalls nicht so aus, als fände der KSC, von Standardsituationen abgesehen, ein probates Mittel gegen die schneller, direkter, klarer und damit gefährlicher agierenden Gäste. "Mit der Roten Karte wird's dann ein ganz anderes Spiel", gab Schwartz offen zu. Aue zog sich immer mehr zurück, der KSC wechselte mit Kyoung-Rok Choi weitere Offensivkraft ein. Gleichwohl, so sagte es Schwartz später, sei es oberste Priorität gewesen, nicht in einen Konter zu laufen. Deshalb habe man versucht, verstärkt "über die Außen zu spielen und von dort die Stürmer zu füttern". Das Spiel durch de Mitte habe man hingegen vernachlässigt, um Ballverluste ebendort zu vermeiden und Konter zu kassieren.

Nicht allen im Wildpark gefiel diese bisweilen eher stereotyp anmutende Spielweise. Anton Fink gehörte dazu. "Wir spielen viele lange Bälle, meiner Meinung nach zu viele, weil wir eigentlich Qualität haben", stellte Fink fest. Diese Art der Kritik an der vom Trainer vorgegebenen Art des Spiels dürfte durchaus einem gewissen Frustpotenzial entsprungen sein, schließlich war Fink in der 64. Minute erneut nur als Joker eingewechselt worden, nur zwei Minuten später hatte er freilich den Ausgleich erzielt. Zwei Tore und vier Vorlagen in den zurückliegenden vier Spielen als Joker hat er somit auf sein Konto gebracht. "Mehr Argumente kann ich nicht sammeln", fand er nun. Sonderlich glücklich hörte sich das nicht an. Eher nach gemischten Gefühlen.

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

Kuppenheim
In Lauerstellung

08.11.2019
SV 08 peilt Sieg gegen Lahr an
Kuppenheim (rap) - Nach drei Remis in Serie möchte der SV 08 Kuppenheim im Heimspiel gegen Lahr wiede einen Sieg einfahren. Mit einem Heimerfolg würde der SV 08 weiter der Spitzengruppe der Fußball-Verbandsliga angehören und die imposante Serie im Wörtel ausbauen (Foto: toto). »-Mehr
Umfrage

Experten befürchten, dass sich das Coronavirus weiter ausbreiten könnte. Haben Sie Angst vor der Lungenkrankheit?

Ja.
Nein.
Das weiß ich nicht.


Wetter in Mittelbaden


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz   
1