https://www.badisches-tagblatt.de/spielerwahl/index.html
Ländle im Derbyfieber
23.11.2019 - 00:00 Uhr
Von Frank Ketterer

In der Nacht auf Freitag hat dann auch der Nackte Mann am eigenen Leib erfahren müssen, dass es nun wirklich kein normales Spiel ist, dass da am morgigen Sonntag gespielt wird. Ausgerechnet das beste Stück der vor dem Karlsruher Wildparkstadion wachenden Statue hatten Vandalen des nächtens mit roter Farbe besprüht. Aus welcher Ecke der gemeine Anschlag initiiert worden war, war in Höhe des Bauchnabels vermerkt, zusammengefasst in drei Buchstaben, ebenfalls in rot. VfB stand da zu lesen.

Ob Daniel Gordon auf der Fahrt zu seinem Arbeitsplatz gleich mitbekommen hat, was dem Nackten Mann da angetan wurde (mittlerweile hat der KSC Strafanzeige wegen Sachbeschädigung gegen Unbekannt gestellt), ist nicht bekannt. Dass auch dem Innenverteidiger des Karlsruher SC unter der Woche immer wieder die Bedeutung der sonntäglichen Partie unter die Nase gerieben wurde, indes schon. "Beim Reifenwechsel, beim Bäcker - überall wird man auf dieses Spiel angesprochen. Die ganze Stadt fiebert ihm entgegen", wusste Gordon gestern zu berichten.



Es ist ein im Fußball durchaus weit verbreitetes Fieber, nämlich das Derbyfieber. Wobei das Derby vom Sonntag, das lässt der 34-Jährige nicht unerwähnt, noch etwas besonderer ist als es Derbys gemeinhin schon sind. Dass es in diesem Zusammenhang strengstens verboten ist, von der Mutter aller Derbys zu reden oder gar zu schreiben, versteht sich von selbst - und drängt sich dem ein oder anderen in diesen Tagen geradezu floskelhaft dennoch auf, schließlich sind es der VfB Stuttgart und der Karlsruher SC, die da morgen ab 13.30 Uhr in der Mercedes-Benz-Arena aufeinandertreffen. Es ist, das große Landesderby, eine - zumindest fußballerisch - lange und vehement gelebte Rivalität und Abneigung, vergleichbar wohl nur mit jener zwischen Dortmund und Schalke, wie Gordon sagt. "Das ist deutschlandweit ein Thema und auch für uns ein besonderes Spiel", stellt er zudem fest.



Das wird es schon deshalb sein, weil zumindest die aktuelle KSC-Mannschaft nicht alle Tage vor mehr als 50 000 Zuschauern, darunter knapp 4 000 eigene Fans, aufläuft. "Darauf freuen wir uns. Dafür spielt man Fußball", sagt Alois Schwartz. Gleichsam weiß der KSC-Trainer, dass seine Mannschaft in all der Derby-Hitze auf keinen Fall überhitzen darf. Zumindest bei Gordon ist diese Botschaft schon jetzt angekommen. "Grundsätzlich ist es ein Punktspiel. Das steht im Vordergrund. Alles andere müssen wir ausblenden", fordert er.



Schwartz wirft Walter Respektlosigkeit vor

Zusätzlich Öl ins Feuer muss gewiss nicht gegossen werden - und doch hat es VfB-Trainer Tim Walter gerade getan, nämlich mit dem Versprechen an die eigenen Fans, der VfB werde ohne Gegentor gewinnen. "Wir wissen, dass wir alles geben müssen. Wir werden dann auch die Tore erzielen und keines kassieren", hat Walter gesagt. Beim Karlsruher Kollegen Schwartz kamen diese Worte als klares Zeichen von Respektlosigkeit an. "Er hat uns kein Tor zugetraut, obwohl wir mehr geschossen haben als sie. Das ist ja schön für ihn. Ich gehe anders damit um. Ich habe Respekt vor jedem Gegner", entgegnete Schwartz ungewohnt forsch - und verbunden mit der Aufforderung an die eigene Mannschaft, die Antwort doch bitteschön auf dem Platz zu geben.

Dabei ist Schwartz bewusst, dass der KSC als Aufsteiger und also eher als Underdog in die Partie geht. Nach sieben Unentschieden in den letzten sieben Ligaspielen ist das Selbstvertrauen aber allemal groß genug, um auch am Wasen zumindest einen Punkt anzuvisieren. Bei der Antwort auf die Frage, wie das gelingen soll, bleibt der Trainer freilich im Allgemeinen. "Mit Leidenschaft und Laufbereitschaft, gepaart mit Herz und Mut", sagt er nur. Noch weniger konkret wird er bezüglich der Aufstellung. Bekannt ist allerdings, dass Schwartz keineswegs der Mann für all zu große Überraschungen ist. Auch dann nicht, wenn das große Derby ansteht.

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

Karlsruhe
Ländle im Derbyfieber

23.11.2019
Walter gießt Öl ins Derby-Feuer
Karlsruhe (red) - Vor dem brisanten Derby in Stuttgart an diesem Sonntag spricht KSC-Trainer Alois Schwartz seinem VfB-Kollegen Tim Walter den Respekt ab. Das Verbal-Duell der beiden Coaches heizt die ohnehin hitzige Atmosphäre zusätzlich an. Nötig wäre das nicht. »-Mehr
Weisenbach
Aufsteiger TV Weisenbach peilt Spitze an

21.11.2019
TV Weisenbach peilt Spitze an
Weisenbach (ti) - In der Tischtennis-Landesliga (Foto: toto) wird der spielfreie Tabellenführer TTC Rauental (12:6) am Wochenende seine Spitzenposition abgeben müssen. Der Aufsteiger TV Weisenbach (11:1) absolviert einen Doppelspieltag und peilt die Übernahme der Tabellenführung an. »-Mehr
Dresden
Der Erste im Westen

30.10.2019
Der Erste im Westen
Dresden (dpa) - Andreas Thom war der erste Fußballprofi, der nach dem Mauerfall von Ost nach West wechselte. Sechs Tage vor ihm ging 1989 ohne große Schlagzeilen einer der besten DDR-Eishockey-Spieler in den Westen. Dieter Frenzel löste in Ratingen einen Boom aus (Foto: dpa). »-Mehr
Rastatt
HR gewinnt Kampfspiel

28.10.2019
HR Rastatt gewinnt Kampfspiel
Rastatt (moe) - Die Handballer der HR Rastatt/Niederbühl haben in der Landesliga das Derby gegen die TS Ottersweier mit 32:29 für sich entschieden. In einem Kampfspiel mit etlichen Fehlern auf beiden Seiten setzten sich die Hausherren in der Schlussphase entscheidend ab (Foto: toto) »-Mehr
Denzlingen
Spannender als der ´Tatort´

18.10.2019
SV 08: Nächstes Spitzenspiel
Denzlingen (rap) - Ein Höhepunkt folgt auf den nächsten - zumindest für den SV 08 Kuppenheim in der Fußball-Verbandsliga. Nach dem Sieg gegen den SC Pfullendorf (3:2) gastiert die Elf von Trainer Matthias Frieböse am Samstag beim Tabellendritten FC Denzlingen (Foto: Seiter). »-Mehr
Umfrage

Ministerpräsident Winfried Kretschmann hält Rechtschreibunterricht in digitalen Zeiten für nicht mehr so wichtig. Sehen Sie das genauso?

Ja.
Nein.


Wetter in Mittelbaden


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz   
1