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Den Titelfluch überwinden
09.01.2020 - 00:00 Uhr
Bei den existenziellen Fragen des badischen Häuslebauers muss Uwe Gensheimer passen. "Zunächst muss da wohl ein Landschaftsgärtner ran, aber danach möchte ich unseren Garten schon selbst pflegen", sagt der 33-Jährige über die bevorstehenden Arbeiten in der Heimat. Sein neuestes Projekt, das Außengelände für sein gerade bezogenes Familiennest, hat Gensheimer zurzeit ohnehin auf Eis gelegt. Bei der EM in Norwegen, Österreich und Schweden kämpft der Kapitän der deutschen Handballer schließlich für seinen sportlichen Traum.

"Mein ganz großes Ziel bleibt ein Titel mit der Nationalmannschaft", sagt Gensheimer. Es sei "kein Geheimnis", fügt er hinzu, "dass ich gern mehr erreicht hätte". Gensheimer weiß: "Ich bin jetzt im Herbst meiner Karriere und irgendwann ist die zu Ende."

Mit dem Auftaktspiel gegen die Niederlande beginnt heute (18.15 Uhr/ZDF) in Trondheim bereits sein sechstes Turnier als Anführer des DHB-Teams, und Gensheimers Gier nach dem großen Wurf ist riesig. Der vielleicht beste Linksaußen der Welt will schließlich nicht als "Uwe, der Unvollendete" abtreten.

Für dieses Ziel befindet sich Gensheimer im Tunnel. Weil sein langjähriger Zimmerpartner Patrick Groetzki diesmal nicht dabei ist, belegt der Linksaußen der Rhein-Neckar Löwen als einziger der 17 Spieler ein Einzelzimmer. Ein Privileg, das sich der Mann mit dem genialen Handgelenk in den vergangenen Jahren verdient hat.

"Er hat sich neben Hendrik Pekeler als mein verlängerter Arm auf dem Spielfeld bewährt. Er nimmt die Mannschaft mit, geht voran, obwohl er auf einer Abnehmer-Position spielt, pusht das Team und die Fans", sagt Bundestrainer Christian Prokop und bescheinigte Gensheimer "eine ganz tolle Entwicklung in den letzten zwei, drei Jahren". Vor allem habe sich "Uwe in seiner Persönlichkeit weiterentwickelt".

Gensheimer hat seit seinem Debüt in der Nationalmannschaft 2005 in 177 Länderspielen sage und schreibe 1 015 Treffer erzielt. Seit 2014 führt Gensheimer das Team an und ist längst der unumstrittene Superstar des deutschen Handballs. Er ist regelmäßig in Fernsehshows zu sehen, wird von den Kids geliebt und stellt mit seinen 236 000 Followern bei Instagram sogar viele Fußballstars inzwischen in den Schatten.

Gensheimers Geschichte im DHB-Dress ist seit jeher eine besondere. Seit seinem Debüt vor 15 Jahren ist der gebürtige Mannheimer immer mehr in die Rolle einer prägenden Figur gewachsen, er holte mit Bronze in Rio sogar eine olympische Medaille - der ganz große Wurf im Trikot mit dem Adler auf der Brust gelang dem trickreichen Torjäger aber bis heute (noch) nicht.

Das EM-Finale 2016, den großen Triumph unter dem damaligen Coach Dagur Sigurdsson, musste Gensheimer verletzt von der Tribüne aus verfolgen. Zur WM 2017 reiste er wegen des plötzlichen Todes seines Vaters erst verspätet an. Und bei der Heim-WM vor einem Jahr schrammte Gensheimer mit seinem Team als Vierter haarscharf am Treppchen vorbei.

Der Sprung dorthin soll in diesem Jahr unbedingt gelingen - auch wenn er daran noch nicht denken mag. "Wir haben in der Vergangenheit ab und an den Fehler gemacht, zu weit nach vorn zu schauen, deswegen sind wir voll fokussiert auf das Hier und Jetzt", sagt Gensheimer.

Auch der neue Garten muss noch ein paar Wochen warten... . (sid)

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