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Ernüchternder Systemabsturz
Ernüchternder Systemabsturz
13.01.2020 - 00:00 Uhr
Erst redete Christian Prokop auf seinen schwer verunsicherten Kapitän Uwe Gensheimer und Abwehrchef Hendrik Pekeler ein, dann diskutierte der Bundestrainer mit dem schwächelnden Andi Wolff. Nach dem Systemabsturz gegen Spanien am Samstag herrschte beim gestrigen Training der deutschen Handballer reichlich Redebedarf. Prokop war als Psychologe gefordert.

"Ich glaube an diese Mannschaft", sagte Prokop mit entschlossenem Blick. Topbesetzte Spanier hätten seinem Team zwar deutlich die Defizite aufgezeigt. Aber, das betonte der Coach: "Wir sind noch voll dabei." Prokops tiefe Augenringe zeugten von der kurzen Nacht beim Videostudium, die deftige 26:33-Schlappe gegen den Titelverteidiger hatte aber nicht bloß beim Coach ihre Spuren hinterlassen. Gensheimer, der nach zwei verworfenen Siebenmetern eine Halbzeit lang auf der Bank saß, berichtete von vielen Einzelgesprächen.

"Wir haben auch über das Mentale gesprochen. Es ist wichtig, sich jetzt zu berappeln. Es ist noch nichts gelaufen, es ist noch alles drin", sagte der Linksaußen. Als Kapitän wolle er nun "vorangehen und meine Leistung zeigen. Dafür habe ich gegen Lettland eine neue Chance."

Vom angepeilten Ziel Halbfinale oder gar einer Medaille sprach gestern aber erst einmal keiner mehr, denn nun steht gegen Handball-Zwerg Lettland am heutigen Montag (18.15 Uhr/ZDF) sogar das Erreichen der Hauptrunde auf dem Spiel. Nur ein Sieg sichert das Weiterkommen. "Wir sind stärker als Lettland, wenn wir unsere Leistung zeigen", sagte Prokop: "Wir haben alles in der eigenen Hand und weiterhin Lust auf das Turnier."

Diese Lust erhielt am Wochenende allerdings einen herben Dämpfer. Torgefahr, Ballsicherheit, Durchschlagskraft - vorne ließ die deutsche Mannschaft im zweiten Abschnitt gegen Spanien so ziemlich alles vermissen. Selbst der viel gepriesenen Defensive gelang kaum etwas. In Phasen erinnerte der vogelwilde Auftritt sogar an das schmachvolle Hauptrunden-Aus bei der EM vor zwei Jahren in Kroatien, als das deutsche Team bei Prokops Premierenturnier ebenfalls gegen Spanien in sich zusammengebrochen war.

"Die Leistung war sehr ernüchternd", stellte DHB-Vizepräsident Bob Hanning fest, verwies aber auch auf die sieben verletzt fehlenden Stammkräfte im Rückraum. Einen Vergleich zu 2018 ließ er ebenso wenig gelten wie Pekeler. "Das Ergebnis ist eine Katastrophe. Wir müssen das Spiel ganz schnell aus den Köpfen kriegen", sagte der Kreisläufer.

Fragezeichen werfen die Leistungen von Kapitän Gensheimer und Keeper Wolff auf. Gensheimer fehlte es nach der Roten Karte im Auftaktspiel auch gegen Spanien an der Leichtigkeit, die den Linksaußen sonst auszeichnet. Wolff hielt von 16 Bällen auf sein Tor gerade einmal einen - es war der erste.

"Das ist sehr deprimierend", sagte der Torhüter: "Man möchte natürlich für sein Team und für seine Nation da sein." Das war er gegen Spanien nicht wie gewohnt, und das wurmte Wolff, der gegen die Niederlande noch herausragender Spieler gewesen war.

Prokop glaubt dennoch an seine Stars. "Natürlich hatten wir auch nicht die Torhüterleistung, die wir uns wünschen, aber da werden wir morgen wieder ein ganz anderes Gesicht sehen", sagte der 41-Jährige. Und auch Gensheimer habe weiter sein "vollstes Vertrauen. Uwe hat enorme Qualitäten. So dass ich auf Deutsch gesagt - verzeihen Sie den Begriff - sage: Scheiß drauf."

Von den großen Turnierzielen wollte Prokop ohnehin nicht abrücken. "Die muss man nicht abhaken", sagte der 41-Jährige. Für den weiteren Verlauf sage die Partie gegen Spanien nichts aus. "Wir müssen jetzt zusehen, dass wir den nächsten Step nach Wien machen." Ein Sieg gegen Lettland ist dafür Pflicht. (sid )

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