https://www.badisches-tagblatt.de/spielerwahl/index.html
Augen auf bei der richtigen Sportarten-Wahl
16.01.2020 - 00:00 Uhr
Von Frank Ketterer

Noch ist das neue Jahr ja jung, noch also könnte es lohnenswert erscheinen, sich gute Vorsätze zu fassen, zum Beispiel jenen, Weltklassesportler zu werden. Vereinfacht würde dieses durchaus hehre Vorhaben mit einiger Sicherheit durch die richtige Wahl jener Sportelei, in der man der Weltbeste zu werden gedenkt.



All zu viele Menschen sollten besagter Leibesübung nämlich besser nicht frönen, was zwar einerseits die Auswahl etwas einschränkt, dafür aber die Siegchancen in den übrig bleibenden Sportarten wesentlich erhöht - und Siege sind nun einmal unabdingbar, will man der Besten einer sein.

Wer nun dem Gedanke anheim fällt, sich am besten einer Disziplin zu widmen, die außer einem selbst sonst niemand betreibt, geht freilich einen Schritt zu weit. Schon aus wettbewerbstechnischen Gründen und noch mehr, um das eigene Ego in Glanz und Gloria erstrahlen zu lassen, ist es ratsam, auf Konkurrenz nicht gänzlich zu verzichten. Nicht zu viele Widersacher sollten es zwar sein, aber eben auch nicht zu wenige. 66 ist beispielsweise eine gute Zahl.

Da kann es kein Zufall sein, dass es just 66 Männer (und 41 Frauen) waren, die Anfang des Monats bei der Weltmeisterschaft im Christbaum-Weitwurf in Weidenthal in der Pfalz teilgenommen haben. Ein zweiter Fakt, der für diesen bislang unterschätzten und von den Medien weltweit missachteten Sport spricht, ist die Tatsache, dass er außer einem Mindestmaß an Grundathletik und wurftechnischem Geschick keinerlei Vorkenntnis und relativ wenig Übung braucht. Ganz im Gegenteil: Gerade vor der WM ist Training so gut wie unmöglich. "So früh wird der Baum ja nicht abgeschmückt", nennt Margret Klein-Rabe, ehemalige Hammerwerferin und Christbaumweitwurf-Weltmeisterin 2019, den ebenso einfachen wie nachvollziehbaren Grund hierfür.

Gelegen kommt auch, dass die Regeln relativ simpel gehalten sind. Letztendlich geht es darum, eine rund 1,50 Meter große Fichte möglichst weit zu werfen - und zwar auf drei Arten: Wie einen Speer, wie einen Hammer - und über eine Hochsprunglatte. Der Rest ist einfach: Die Weiten bzw. die Höhe der drei Teildisziplinen werden addiert. Die größte Gesamtweite gewinnt.

In diesem Jahr, das nur nebenbei, waren bei den Männern 22,47 Meter erforderlich, um Weltmeister zu werden. Das erscheint machbar. Zumal Doping beim Christbaumweitwurf nicht nur nicht verboten, sondern ausdrücklich erwünscht ist, in Form von Glühwein nämlich, durch dessen Verkauf sich der die WM organisierende FC Wacker Weidenthal die Vereinskasse aufhübscht.

Ein weiterer Vorteil des Weitwerfens von Christbäumen ist: Es handelt sich dabei eindeutig um eine Wintersportart - und lässt somit Raum und Zeit für eine zweite Körperertüchtigung im Sommer. Dabei liegt der Verdacht nahe, dass Menschen, die kleine Fichten weit werfen können, dies auch mit Schuhwerk hinkriegen. Besonders ihnen sei das in Finnland äußerst beliebte Gummistiefel-Weitwerfen ans Herz gelegt. Auch hierbei muss nicht viel beachtet werden, außer den Ausmaßen. Männer werfen mit Schuhgröße 43, Frauen lediglich mit 38. Aber Achtung: Der Männer-Weltrekord von 68 Metern ist eine respektable Hausnummer, die nicht ganz so einfach überbietbar erscheint. Der Weg zur Nummer eins also könnte beschwerlich werden.

Wer's gar mehr mit dem Laufen als mit dem Werfen hat, dem sei ohnehin das Frauentragen empfohlen. Auch dieser wunderschöne Sport hat seinen Ursprung in Finnland, auch hier ist das Regelwerk schlicht gehalten. Man wirft seine oder irgendeine andere Frau über die Schulter und trägt sie möglichst schnell über einen etwa 100 Meter langen Parcours. Dabei ist lediglich zu beachten, dass das Mindestkampfgewicht der zu Tragenden 49 Kilo beträgt. Dass trotzdem bevorzugt schwerere Modelle von den Herren der Schöpfung auf die Schulter gelegt werden, hat vor allem damit zu tun, dass der Sieger das Gewicht seines Lasters hernach traditionell als Siegprämie in Bier aufgewogen bekommt.

Als Nachteil des Frauentragens hat sich allerdings erwiesen, dass im Siegesfall meist nur die Männer gefeiert werden, der Anteil der Frau am Erfolg wird in der Sportwelt indes eher gering geschätzt, so handlich sie sich beim Schultern auch gegeben haben mag. Beim Stiletto-Run ist das anders, ganz anders. Er ist, von ein paar wenigen Ausnahmen abgesehen, eine weibliche Domäne, schließlich geht es darum, eine Distanz von rund 100 Metern in mindestens neun Zentimeter hohen Stilettos zurück zu legen. Dabei, so ist zu hören, ist vor allem eine gute Tritttechnik gefordert, schon um in den hohen Haken nicht umzuknicken. Bei Siegerzeiten von unter 15 Sekunden ist es allerdings auch hier, das sollte man berücksichtigen, nicht leicht, Weltbeste zu werden. Dafür stimmt immerhin die Siegerprämie: Der Sponsor des Stiletto-Runs, das Frauenmagazin "Glamour", lobt gleich mehrere tausend Euro aus.

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

San Francisco
Super Bowl als magische Zielstätte

11.01.2020
Football-Hochzeit in Amerika
San Francisco (red) - Mit den Playoffs hat die Hochsaison im NFL-Football in Übersee begonnen. Am Samstag spielen die San Francisco 49ers gegen die Minnesota Vikings. Beim zweitbesten Hauptrundenteam aus Kalifornien spielt in Linebacker Mark Nzeocha (Foto: AFP) ein Deutscher mit. »-Mehr
Bühlertal
Wie Hallenfußball

31.12.2019
Wie Hallenfußball - nur ohne Halle
Bühlertal (rap) - Normalerweise flitzt Jonas Knobelspies für den Fußball-Verbandsligisten SV Bühlertal die Linie entlang. Im Oktober tauschte der 23-Jährige aber den Mittelberg für ein Stadion am Strand in Kreta ein. Knobelspies nahm mit dem deutschen Team an der Socca-WM teil (Foto: rap). »-Mehr
Gelsenkirchen
Biathlon-Königin Dahlmeier freut sich auf Normalität

30.12.2019
Dahlmeier: Freude auf Normalität
Gelsenkirchen (sid) - Laura Dahlmeier (Foto: dpa) freut sich nach ihrem endgültigen Abschied von der Biathlon-Bühne auf die Normalität. "Es ist alles ein bisschen ruhiger. Ich bin froh, dass ich nicht mehr 110 Prozent geben muss, sondern vielleicht 95 Prozent reichen", sagte sie. »-Mehr
Schweinfurt
Vor Krieg geflohen, ´Bruder´ gefunden

24.12.2019
Vor Krieg geflohen, "Bruder" gefunden
Schweinfurt (red) - Der syrische Fußballprofi Mohamad Awata erlebte in seiner Heimat den Krieg und das Leid hautnah. Er flüchtete - und fand in Deutschland eine neue Heimat, eine neue Karriere und einen "Bruder". Mit Teamkollege Christian Köppel hat er eine WG gegründet (Foto: dpa). »-Mehr
Baden-Baden
Duo sticht heraus

18.12.2019
Talentkader: Zwei Steinbacher dabei
Baden-Baden (red) - Mit Benjamin Redzepagic und Josefine Fruchtmann haben sich zwei Athleten aus dem Kreis Rastatt/Baden-Baden/Bühl für den Talentkader der Leichtathletik Baden-Württemberg qualifiziert. Nach einem Auswahlverfahren setzte sich das Duo durch (Foto: Schlicksupp). »-Mehr
Umfrage

Aus Protest gegenüber der Agrarpolitik legen Bauern in mehreren Landeshauptstädten mit Traktoren den Verkehr lahm. Halten Sie ein solches Vorgehen für angemessen?

Ja.
Nein.
Das weiß ich nicht.


Wetter in Mittelbaden


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz   
1