Den taumelnden Meister ärgern

Den taumelnden Meister ärgern

Von Winfried Heck

Der Meister schwächelt, man könnte fast sagen er taumelt. Nach zehn Spieltagen haben die Berlin Recycling Volleys schon drei Niederlagen kassiert, hinzu kommen Punktverluste bei zwei knappen Fünf-Satz-Siegen in Friedrichshafen und gegen Lüneburg. In der Summe reicht dies kurz vor Saisonhalbzeit nur zu einem sechsten Tabellenplatz. Für einen Titelverteidiger, der sich vor Saisonbeginn massiv verstärkte, kann dies nur enttäuschend sein.

Bühls Trainer Ruben Wolochin warnt vor dem heutigen Gastspiel der Bisons in Berlin deshalb völlig zurecht vor den Hauptstädtern. "Berlin hat eine super Mannschaft mit vielen sehr guten Spielern. Sie haben bisher lediglich ihren Rhythmus noch nicht gefunden."

Vor allem auf die beiden Diagonalspieler Benjamin Patch und Russel Kyle, beide 2,05 Meter groß, hält Wolochin große Stücke, hinzu kommt mit Adam White au f Außen ein Spieler, den er aus dessen Bühler Zeit noch bestens kennt und den er ebenfalls sehr hoch einschätzt. Dass es bei Berlin bisher nicht ganz rund lief, dürfte natürlich auch an Verletzungsproblemen liegen. Mit Egor Bogachev und Moritz Reichert fehlen in der Annahme wichtige Alternativen, doch verglichen mit den Bühler Personalproblemen jammern die Hauptstädter durchaus auf hohem Niveau. Der Kader des französischen Trainers Cédric Enard umfasst insgesamt 15 Spieler, Wolochin hat derzeit gerade mal zehn Spieler zur Verfügung. Von diesen zehn war mit Anton Qafarena zuletzt auch noch ein ganz wichtiger Akteur mit der albanischen Nationalmannschaft in der EM-Qualifikation im Einsatz, was für den Trainingsbetrieb in Bühl bestenfalls suboptimal war. "Wir konnten nicht an unserem Annahmesystem arbeiten", beklagt Wolochin.

Für Qafarena war der Einsatz im Nationalteam natürlich eine große Sache und aktuell belegt er in der Scorerliste der EM-Qualifikation Rang zwei. Wolochin hofft auch deshalb, dass seine vielseitig einsetzbare Allzweckwaffe in Berlin mit gestärktem Selbstvertrauen aufs Feld gehen wird. Ansonsten hat sich seit dem Heimsieg gegen Giesen wenig verändert, die Suche nach Lösungen geht weiter. Klar ist, dass in Berlin mit deutlich mehr Gegenwehr gerechnet werden muss, zumal der Meister gegen Bühl mit der Aufholjagd in der Tabelle beginnen will. Dabei soll laut Berlins Zuspieler Sebastian Kühner mit druckvollen Aufschlägen dafür gesorgt werden, dass Bühls Ballverteiler Mario Schmidgall "ins Laufen" gebracht wird. Bühls Annahme muss sich auf anspruchsvolle Arbeit einrichten - und der Bisons-Angriff auf einen exzellenten Block der Berliner, die im Franzosen Nicolas Le Goff einen der besten Blockspieler der Liga stellen.

Bester Blockspieler der Bühler ist etwas überraschend Yannick Goralik, der erst nach der Verletzung von Akhrorjon Sobirov in die Stammformation rutschte und sich zuletzt enorm steigerte. Da derzeit noch immer nicht klar ist, wann und ob Sobirov überhaupt zurück kommt, stehen die Bisons inzwischen übrigens vor der Verpflichtung eines weiteren Mittelblockers.

Der US-Amerikaner Oliver Martin, ein 2,11 Meter großer Student der University of California in Los Angeles, soll als "Entwicklungsspieler" die Lücke im Kader schließen. Martin habe zwar keinerlei internationale Erfahrung, so Wolochin, doch enormes Potenzial.

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