Das Ende einer Ära naht

Das Ende einer Ära naht

Erleichtert probten die Münchner Eishockey-Finalisten schon den Jubel für die Meisterfeier. Gemeinsam mit ihren Kindern genossen die Profis des Serienchampions auf dem Eis den Enthusiasmus der Fans. Nach dem hart erkämpften Erfolg im wegen seiner Rekordlänge historischen Halbfinal-Duell mit Augsburg fühlt sich das Meisterteam bereit für die schwierigste Prüfung seiner in den vergangenen drei Jahren so dominanten Ära in der Deutschen Eishockey Liga: Im Finale wartet nun Hauptrundensieger Adler Mannheim. "Das wird eine riesige Herausforderung. Wir haben viele Leader, die mit Druck gut umgehen können", sagte Münchens Coach Don Jackson. Heute (19.30 Uhr/Sport 1) beginnt die Finalserie der Superlative.

Die Adler sind im ersten von maximal sieben Endspielen die Gastgeber. Es ist ein Duell, in dem es um Rekorde geht. Ein Duell, das mit insgesamt einem Dutzend Olympia-Silbergewinnern Klasse und Spannung verspricht. Und in dem die beiden prägendsten Trainer der vergangenen Jahre, die finanzkräftigsten Clubs der DEL und die dominanten Teams der Hauptrunde aufeinander treffen. Denn am Ende einer außergewöhnlich spannenden Halbfinal-Serie wurde es doch das Finale, mit dem etliche Experten seit Monaten gerechnet haben. Vier Siege fehlen jetzt noch bis zur Krönung der Saison. München will als erstes Team der DEL-Historie zum vierten Mal nacheinander den Titel holen und damit für das nächste Novum sorgen. Mannheim hofft, die Dominanz zu beenden. Mit dem siebten Titel seit Einführung der Deutschen Eishockey Liga 1994 würden die Adler zum DEL-Rekordmeister Eisbären Berlin aufschließen.

"Werden sie von Anfang an unter Druck setzen"

"In den großen Spielen brauchst du die großen Spieler. Meine Mannschaft ist auf jeden Fall gut. Ich bin optimistisch", sagte Adler-Trainer Pavel Gross. "Wir werden unsere Stärken nutzen und sie von Anfang an unter Druck setzen." Den Nimbus der Unbesiegbarkeit hat der EHC München in dieser Saison verloren. Im packenden Halbfinal-Derby gegen Augsburg stand der Hauptrunden-Zweite vor dem überraschenden Aus. Erst am Dienstagabend beendeten die Tore von Mads Christensen und Patrick Hager zum 2:0 die längste Playoff-Serie in der DEL-Geschichte doch noch zugunsten der Münchner.

Insgesamt 504:46 Minuten lang hatte das Überraschungsteam Augsburg dem Favoriten alles abverlangt. "Das war eines unserer stärksten Spiele", sagte Jackson. Torschütze Christensen erwartet nun eine "enge Serie mit vielen Zweikämpfen". Er sieht die längere Pause für Mannheim zwar als Vorteil, "aber wir können den Schwung mitnehmen".

Die Adler hatten die Entscheidung entspannt abgewartet. Nach dem 4:0 über Köln konnten sich die Kurpfälzer mehr als eine Woche ausruhen und vorbereiten. 264 Minuten hat das beste Hauptrunden-Team im Halbfinale weniger gespielt. Von einem Kräfteschwund bei München und Vorteil für die Adler wollte aber keiner sprechen.

"Das ist totaler Schwachsinn. Wenn man im Finale steht, hat man Kraft", sagte Adler-Nationalstürmer Matthias Plachta. Und auch Jackson sieht seinen EHC deswegen nicht als Außenseiter: "Mit diesen Sachen kann sich jeder beschäftigen, nur nicht wir. Das darf nicht in die Köpfe rein."

Jackson ist der erfolgreichste DEL-Trainer, für ihn und Gross kommt es zur Fortsetzung des Dauerduells. Schon 2016 und 2017 stand Gross mit Wolfsburg Jacksons Team im Finale gegenüber, zweimal blieb er chancenlos. In Mannheim nun arbeitet der gebürtige Tscheche unter vergleichbaren finanziellen Voraussetzungen wie Jackson. Gleich in seiner ersten Saison soll er selbst in Mannheim eine neue Ära mit dem Titel einleiten. "Wenn man so weit ist, will man sich das natürlich nicht mehr nehmen lassen", sagte Adler-Toptalent Moritz Seider. "Wir gehen mit breiter Brust ins Finale, wissen aber, dass wir uns steigern und die Spannung hochhalten müssen", sagte Adler-Kapitän Marcus Kink. (dpa)

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