Breites Grinsen, breite Brust

Breites Grinsen, breite Brust

Von Christian Rapp

Es war am Samstagmittag, so gegen 15.55 Uhr, als die frohe Botschaft der 1:3-Niederlage des SV Wehen Wiesbaden in Jena die Runde machte auf der Baustelle Wildparkstadion. Natürlich dauerte es nicht lange, da wussten auch die Spieler im blau-weiße n Dress vom österlichen Geschenk des ehemaligen KSC-Interimstrainers Lukas Kwasniok, mittlerweile im thüringischen Jena an der Seitenlinie, Bescheid - und waren sich über die Folgen im Klaren.

Die Badener haben vier Spieltage vor Rundenende als Tabellenzweiter nun drei Punkte Vorsprung auf den Verfolger Hallescher FC, zudem die um neun Treffer bessere Tordifferenz gegenüber dem Team aus Sachsen-Anhalt. Der Verlierer der Stunde im, nun ja, Schneckenrennen um den Aufstieg in Liga zwei, der SV Wehen Wiesbaden, ist auf den vierten Platz zurückgefallen, vier Zähler hinter den Wildparkprofis.

"Es ist gut, wenn man sich theoretisch einen Ausrutscher erlauben darf", diktierte Mittelfeldspieler Manuel Stiefler in die Notizblöcke der Journalisten, jedoch versehen mit dem Zusatz: "Dürfen wir aber nicht, wir wollen die nächsten drei Spiele gewinnen, am besten alle vier." Sein Teamkollege Marco Thiede bemühte nach Schlusspfiff gar die psychologische Sichtweise des Drei-Punkte-Polsters. "Wir haben alles in der eigenen Hand. Ist das nicht der Fall, geht's im Kopf los", sendete der Rechtsverteidiger Grüße an die Verfolger.

Dass der KSC aus der Pole Position startet, lag neben der Kwasniokschen Schützenhilfe auch an der eigenen Leistungssteigerung im zweiten Abschnitt gegen den SV Meppen, verbunden mit dem "Dosenöffner", wie KSC-Cheftrainer Alois Schwartz das 2:1 durch Joker Christoph Kobald nannte. Dieser hatte freilich noch einen anderen Grund parat für den hart erkämpften Heimsieg: die provisorische Nordtribüne direkt hinter dem Heimtor mit 5 000 blau-weißen Anhängern. "Es ist der Wahnsinn. Es ist noch besser, als ich gedacht hatte. Die Fans sind jetzt noch näher dran, machen noch mehr Dampf, das pusht", sagte der Österreicher.

Weit weniger euphorisch war dagegen Doppelpacker Marvin Pourié, der nach den anstrengenden 90 Minuten gegen die Emsländer bereits wieder wie im Tunnel wirkte. Keine Spur von übermäßiger Freude oder Glücksgefühlen war im Gesicht des 28-Jährigen zu erkennen. Vielmehr richtete Pourié den Blick Richtung 1860 München, am Samstag (13.15 Uhr live in der ARD) nächster Gegner der Badener. "Wir müssen uns jetzt in Ruhe auf 1860 vorbereiten, im alten Grünwalder Stadion kommt ein hartes Stück Arbeit auf uns zu. Wir dürfen den Faden jetzt im Schlussspurt nicht mehr verlieren. In die Situation, in der wir gerade sind, haben wir uns selber reinmanövriert. Wir waren zwölf Punkte vor Wehen, jetzt sind es wieder vier und drei auf Halle. Wir müssen jetzt konzentriert, fokussiert in die nächsten Spiele gehen und nicht darauf hoffen, dass Wehen oder Halle Punkte lassen", erklärte der Stürmer, der gegen den SVM seine Saisontore Nummer 18 und 19 erzielte - Spitzenwert in Liga drei.

Wie man bei seinem Ex-Verein besteht, dafür hatte der Angreifer auch eine Lösung: "Wir fahren mit einem großen Lächeln dahin, mit einer breiten Brust - und dann holen wir uns die drei Punkte." Garniert mit dem 20. Saisontreffer, ausgerechnet gegen seinen Ex-Verein? "Wie gesagt, harte Arbeit und dann gucken wir, ob ich noch ein Tor mache", sagte Pourié und zog von dannen - nun doch mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

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