"Wilde Liga" sanft entschlafen

'Wilde Liga' sanft entschlafen

Von Hartmut Metz

Erst tobte 1961 Krieg wegen der obersten Herrschaft über die Tischtennisplatten. Nach dem Burgfrieden wurden die zunächst verfluchten "Rebellen" in den Verband inte-

griert, ja sogar bald geliebt - nun ist die Gemeinschaft Tischtennis Mittelbaden (GTM) sanft entschlafen. Nach 58 Jahren musste am Wochenende in Marlen die einst als "wilde Liga" titulierte Vereinigung zu Grabe getragen werden.

Manfred und Uschi Bäuerle fanden als die Motoren des letzten Jahrzehnts keine Nachfolger als Vorsitzende und Geschäftsführerin. "Wir suchten seit dem vergangenen Jahr vergeblich. Selbst an einem Workshop zur Rettung nahmen nur zwei Tischtennisspieler teil. Da war klar, dass wir an die Wand fahren", berichtet Manfred Bäuerle von den verzweifelten Bemühungen. Die alten Helden, die seit fast 60 Jahren zahlreiche Funktionen beim TTV Bühlertal, im Tischtennis-Bezirk und bei der GTM übernahmen, sind müde. "Es ist traurig. Alle bedauern das Aus der GTM und würden gerne weiterspielen - aber keiner will federführend etwas machen. Das ist wie bei allen Vereinen, egal, ob Musik- oder Jojo-Verein", stellt Uschi Bäuerle fest.

Das gesundheitlich angeschlagene Ehepaar hat mit 77 und 79 Jahren auch nicht mehr die Kraft, das Ruder in Händen zu halten. "Wir haben jetzt alle Schubladen durch an Ämtern", stellt Uschi Bäuerle fest und macht sich nun als zweite Vorsitzende und Geschäftsführerin daran, die GTM beim Südbadischen Tischtennisverband (STTV), im Vereinsregister und beim Finanzamt abzumelden. Die rund 2 000 Euro, die in der Kasse sind, fließen laut der Satzung an die Gemeinde Bühlertal, um von ihr karitativ genutzt zu werden.

Zu Hochzeiten vereinte die GTM 1 400 "Rebellen". Ein Viertel, 350, sind noch übrig geblieben. 51 fanden sich in Marlen ein, um das letzte Totenglöcklein zu läuten. 45 votierten für das Ende, der Rest enthielt sich. Aus gesundheitlichen Gründen fehlte - symptomatisch - der "Tischtennis-Papst", wie einst Gründungsvater Peter Herrmann tituliert wurde. Erst galt der Söllinger als Saulus, bevor der STTV feststellte, dass sich aus seinen Hobbygruppen immer mehr reguläre Vereine bildeten und dem Verband anschlossen.

So durfte Herrmann als Paulus, der die GTM-Geschicke 41 Jahre lang lenkte, bei der 50-Jahr-Jubiläumsfeier vom Präsidenten des STTV höchstpersönlich hören: "Wir sind stolz, solch einen Verein in unseren Reihen zu haben. Die Gemeinschaft Tischtennis Mittelbaden ist ganz bestimmt der außergewöhnlichste Klub des Verbandes", befand damals Horst Haferkamp. In dasselbe Horn der Festredner stieß Bezirkschef Klaus Wallner. "Ein Drittel unserer Vereine im Bezirk haben ihren Ursprung in der GTM-Sommer- und Winterrunde!", betonte der Ottenauer. An diesen beiden Runden nahmen in der letzten Saison 45 Teams teil, zudem spielten sechs Jugendmannschaften ihre Meisterschaft aus. Jugendwart Jürgen Kehret würde zumindest diese gerne weiterführen.

Hatten zum 50. Geburtstag schon Herrmann und sein Nachfolger Dieter Schmidt (2002 bis 2009) Ehrungen erhalten, bekamen nun Manfred (für 60 Jahre im Tischtennis) und Uschi Bäuerle (für 50 Jahre) Goldene Ehrennadelm mit Lorbeer vom STTV ans Revers gesteckt. Der seit 25 Jahren im Einsatz befindliche "Multi-Superstaffelleiter" und Sportwart Robert Rentzsch (TTC Muggensturm) erhielt die Ehrennadel in Silber, die seit zehn Jahren tätigen Kehret und Thomas Fischer (Kassenwart) die STTV-Verbandsurkunde.

Der TuS Marlen kann sich vorstellen, das Doppelturnier vom Samstag am Leben zu halten. In der Gruppe A gewannen Leon und Thomas Huck (TTSF Hohberg). Nabil Abdulkarim/Daniel Effenberger (TV Busenbach) setzten sich im B-Wettbewerb durch. In Gruppe C hatten Michael Schell und Josef Gund (ASV Eppelheim) die Nase vorne.

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