Erst Werther, dann Faust?

Erst Werther, dann Faust?

Von Christian Rapp

Johann Wolfgang von Goethe wäre wohl ziemlich stolz gewesen. Mit welch' Sturm und Drang der SV 08 am vergangenen Samstag beharrlich auf das Denzlinger Gehäuse spielte, feinste Kombinationen zeigte und Tor um Tor erzielte, hätte dem Vorreiter der gleichnamigen Literaturepoche sicherlich gefallen. Am Ende brachten es die Wörtelkicker auf sieben Einschläge gegen den Abstiegskandidaten aus dem Breisgau.

Der 7:2-Sieg gegen den FCD bedeutete folglich die Punkte 47, 48 und 49 in dieser bislang so famos verlaufenden Runde für die Knöpflestädter. Da der FC Radolfzell bei Tabellenführer 1. FC Rielasingen-Arlen mit 1:5 unterging, gelang den Schwarz-Blauen gar der Sprung auf Rang vier - zum optimalen Zeitpunkt. Schließlich wartet morgen, klammert man die beiden Über-Teams Rielasingen-Arlen und dessen Verfolger Freiburger FC mal aus, das Spitzenspiel gegen den Dritten Offenburger FV.

"Das haben wir uns mit unseren Auftritten in dieser Saison verdient. Mit einem Sieg wären wir bis auf einen Punkt am OFV dran", sagt 08-Trainer Matthias Frieböse, der sich der Schwere der Aufgabe aber bewusst ist: "In Offenburg ist das nochmal eine andere Hausnummer. Da haben wir letzte Saison 3:1 geführt und noch 3:3 gespielt. Wir fahren ohne Druck dorthin und wollen dem Spitzenspiel gerecht werden - mit einer guten Leistung."

Diese brachte seine Elf gegen den FCD im heimischen Wörtel auf den Platz, wenngleich das Kellerkind gütige Mithilfe leistete. "Der Gegner hat Geschenke verteilt, die wir angenommen haben. Die haben ihr Heil in der Offensive gesucht, was für uns ein gefundenes Fressen war mit unserem Umschaltspiel. Die Defensive haben sie komplett vernachlässigt", sagt Frieböse. Der FCD zeigte sich auch als Stürmer und Dränger, jedoch ohne eine wichtige Komponente - den Kopf.

Diesen gilt es für die Kuppenheimer morgen im Karl-Heitz-Stadion zu bewahren. Am besten einen kühlen, gepaart mit einem heißen, aufopferungsvoll kämpfenden Herzen. Schließlich wird eine Offensivwelle in Person von Marco Petereit (15 Saisontore) und Fabian Herrmann (13), flankiert von Samuel Geiler, Nico Schlieter, Marco Junker und Dimitrios Tsolakis, auf die 08-Defensive zurollen. Dass die Wörtelkicker dieser Abteilung Attacke aber Stand halten können, zeigten sie beim 1:0-Hinrundensieg. "Wichtig ist, dass wir unsere ID auf den Platz bringen: Viel Laufarbeit, Willen, Leidenschaft, Zweikampfhärte. Wir müssen es ihrer Offensive schwer machen und selbst Lösungen im Spiel nach vorne finden. Um dort zu bestehen, werden die Jungs 90 Minuten leiden müssen", sagt Frieböse, der neben den Langzeitverletzten Marek Balzer und Michael Engel auch auf Patrick Holl (Urlaub) verzichten muss.

Leiden die Knöpflestädter morgen jedoch ähnlich stark wie Goethes junger Werther, dann dürfte gegen den OFV wohl nichts Zählbares gelingen. Andererseits passt zu dieser traumhaften Kuppenheimer Saison doch eher "Fausts" Credo: "Werd' ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch! Du bist so schön!"

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