Eine große Sause

Eine große Sause

Von Christian Rapp

Patrick Anstett lenkte sich gestern am Vatertag ab. Mit seiner Familie stattete der Trainer des 1. SV Mörsch seinen Schwiegereltern einen Besuch ab und versuchte, nicht an Fußball zu denken. Gegen 16.55 Uhr war es dann aber doch so weit: Anstett erlag der Versuchung und sah auf sein Smartphone. Und was er darauf erspähte, gefiel ihm. Ein Lächeln huschte über sein Gesicht, eine Zentnerlast fiel von seinem Herzen, als er den Klassenerhalt des SV Oberachern in der Fußball-Oberliga registrierte. Denn durch die Schützenhilfe der Achertäler ist der Klassenerhalt in der Verbandsliga für den SVM bereits vor dem letzten Spieltag sicher - eingetütet am Vatertag auf der heimischen Couch.

Als Patrick Anstett dann schließlich gestern Abend die Sandgrube zum letzten Training der Saison ansteuerte, gab es ein großes Gruppenkuscheln. Niemand kam ungeknuddelt davon. Spieler, Betreuerteam, Vorstandschaft - jeder wurde vom SVM-Trainer gedrückt. Ja, auch bei gestandenen Männern ist das freilich erlaubt, gerade wenn eine so nervenaufreibende, von Höhen und Tiefen begleitete Saison hinter einem liegt. "Ich habe erstmal meine Jungs in den Arm genommen vor Glück", sagte Anstett. "Wir haben das große Ziel erreicht, auf das wir ein Jahr lang hart hingearbeitet haben, in das wir viel Energie reingesteckt haben. Wir sind alle erleichtert, und freuen uns nun, dass wir nächste Saison Verbandsliga spielen."

Die Voraussetzungen für den "Klassenerhalt a la Couch" schufen sich die Nordbadener freilich selbst. Und zwar mit dem furiosen 5:0 gegen den Tabellenletzten TuS Oppenau am vergangenen Sonntag in der Sandgrube. "Wir haben ein sehr gutes Spiel abgeliefert, hochverdient gewonnen. Der Einsatz und die Lauffreude stimmte. Auch fußballerisch wussten wir zu überzeugen. Ich war rundum zufrieden mit dem Auftritt", blickt Anstett auf die mit Bravour bewältigte Drucksituation zurück, verbunden mit der Rückeroberung von Tabellenplatz zwölf, der ein weiteres Jahr Verbandsliga garantiert.

Dadurch gerät die gut 200 Kilometer lange Abschlussfahrt nach Pfullendorf zu einer einzigen großen Sause. Völlig befreit können die Schwarz-Gelben beim technisch starken Aufsteiger, der auf dem siebten Tabellenplatz steht, aufspielen. Selbst bei einer Niederlage wird der Ligaverbleib, der für den kleinen Verein mit begrenzten finanziellen Möglichkeiten sicherlich nicht alltäglich ist, zünftig gefeiert werden. "Wir genießen einfach die letzten 90 Minuten der Saison. Wenn der SC Pfullendorf sein Potenzial abruft, ist er richtig stark", sagt Anstett, der wie so oft in dieser Saison auf einige Stammkräfte verzichten muss.

Doch dürften die Schmerzen diesmal eher beim fehlenden Personal liegen - schließlich verpassen sie eine zünftige Klassenerhaltparty.

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