Propaganda mit einem Misthaufen

Propaganda mit einem Misthaufen

Rastatt (sl) - War es nun die Muttergottes oder doch ein Misthaufen, die beim Prager Fenstersturz vor 400 Jahren für eine weiche Landung sorgten und den königlichen Statthaltern und ihrem Sekretär das Leben retteten? Eine zeitgenössische Abbildung des Fenstersturzes, der zum Anlass für den Ausbruch des Dreißigjährigen Kriegs wurde, zeigt den Misthaufen jedenfalls nicht. Sie ist mit knapp 100 weiteren Objekten zurzeit in der Historischen Bibliothek der Stadt Rastatt im Ludwig-Wilhelm-Gymnasium zu bewundern.

Die Frage mit dem Misthaufen ist ein schönes Beispiel dafür, dass sich der Dreißigjährige Krieg nicht nur in Form blutiger Schlachten, brutaler Überfälle, bestialischer Folter und berserkerhafter Plünderungen austobte. Er war auch schon ein Medienkrieg. Je nachdem, für welche Kriegspartei das Herz eines Autors, eines Verlegers oder Kupferstechers schlug, konnte auch die Darstellung höchst unterschiedlich ausfallen.

Heute kostenloser Rundgang durch die Ausstellung

Die katholisch-kaiserliche Seite beharrte auf der Version mit Maria, die protestantische Propaganda verbreitete dagegen die Geschichte mit dem Misthaufen. Das kann man unter anderem bei einem Rundgang durch die Ausstellung lernen. Sie begleitet eine bereits laufende Vortragsreihe der Historischen Bibliothek (wir berichteten) und kann am heutigen Sonntag von 11 bis 17 Uhr mit all ihren zeitgenössischen Drucken, Stichen, Darstellungen und historischen Büchern in Ruhe in Augenschein genommen werden. Und das auch noch bei freiem Eintritt.

Foto: sl

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