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Flüchtlinge in Gernsbach - so nah und doch so fern?
Flüchtlinge in Gernsbach - so nah und doch so fern?
09.02.2015 - 18:03 Uhr
Von Marlene Brockhaus

Wenn man die Schlagzeilen in der Zeitung betrachtet, fällt auf, dass die Debatte um die Flüchtlingspolitik vorherrscht. Pegida, verunglückte Flüchtlingsboote, unmenschliche Auffanglager... Das alles hört man fast täglich. Doch wer sind diese Flüchtlinge? Auch in Gernsbach wurden mehr als Hundert Flüchtlinge untergebracht - die meisten im Sonnenhof, einem ehemaligen Hotel, einige aber auch in der Waldbachschänke.

Da die Mutter meiner besten Freundin von Anfang an sehr engagiert mitgearbeitet hatte und sie mich fragte, ob ich nicht auch mal mitkommen wolle, um mit den Flüchtlingskindern zu spielen und Sport zu machen, ging ich eines samstags mit zum Sonnenhof. Trotz einiger Verständnisprobleme machte es richtig viel Spaß. Seitdem gehen meine Freunde und ich regelmäßig zu den Flüchtlingen. Oft spielen nicht nur die Kinder mit, sondern auch die erwachsenen Männer und Frauen, egal ob mit oder ohne Kopftuch. Es haben sich auch richtige Freundschaften mit Gleichaltrigen entwickelt. Des Weiteren wurden wir schon zu mehreren Geburtstagen oder auch einfach zu einem Tee oder zum Essen eingeladen.

Es ist wirklich sehr interessant, fremde Kulturen kennenzulernen. Dabei fällt auf, dass es nicht nur Unterschiede gibt, sondern auch viele Gemeinsamkeiten, gerade mit Gleichaltrigen. Einige hören dieselbe Musik, interessieren sich für dieselben Dinge wie ich.

Für mich war es eine sehr beeindruckende Erfahrung, als mir ein Mädchen aus Syrien, das genauso alt ist wie ich, erzählte, wie sie mit dem Boot nach Europa kam. Man hört, sieht und liest in den Medien zwar oft von Flüchtlingen, die mit dem Boot fliehen, aber eine direkte Konfrontation mit dieser individuellen Geschichte führt viel stärker vor Augen, was die Flüchtlinge in ihrer Heimat alles erlebt haben, was sie zurücklassen mussten und welchen Ängsten und Gefahren sie dabei ausgesetzt waren. Dies alles wirkt viel realer.

Ich konnte durch den Kontakt zu den Flüchtlingen vieles lernen: Zum einen, dass man nicht auf Vorurteile hören, sondern sich selbst ein eigenes Bild machen sollte. Zum anderen habe ich erfahren, dass man nicht immer wegschauen sollte, nur weil etwas weit weg erscheint.

Die Autorin besucht die Klasse 9b des Albert-Schweitzer-Gymnasiums Gernsbach.

Symbolfoto: dpa

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