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Reißfest und umweltschonend
Kuhmilch -nicht nur zum Trinken, sondern auch als Grundstoff für Kleidung. Foto: pr
10.02.2015 - 18:19 Uhr
Von Pia Krane

und Clara Hettinger

Kleidung aus Milch? Sie schimmelt nicht, riecht nicht und man muss sie auch nicht im Kühlschrank aufbewahren - und dennoch besteht die Faser aus Milch, genau genommen aus einem Milchpulver, dem Kasein.

Mit einem Gemisch aus Wasser, Essig und anderen natürlichen Stoffen, die dem Kasein beigemischt werden, entsteht eine Masse, aus der einzelne Fäden hergestellt werden. Um diese Fäden reißfest zu machen, werden sie im nächsten Schritt ineinander verdreht. Diese Idee wurde von der 31-jährigen Modedesignerin und Mikrobiologin Anke Domaske entwickelt.

Ganz neu erfunden wurde diese Vorgehensweise allerdings nicht, denn bereits in den 1930er Jahren wurde Milch für die Herstellung von Textilien verwendet. Damals wurde den Stoffen jedoch rund 75 Prozent Chemie beigemischt. Anke Domaske hingegen entwickelte einen Vorgang, bei dem keine chemischen Zusätze verwendet werden. Auf dieses Verfahren wurde sie aufmerksam, als sie aufgrund der Krebserkrankung ihres Stiefvaters auf der Suche nach chemisch unbehandelter Kleidung war.

Seit einigen Jahren verarbeitet und gestaltet Anke Domaske aus dem Stoff in ihrem Loft in Hannover unter ihrem Modelabel MCC (=Mademoiselle Chi Chi) eigene Kleidung, die sie auch an Kunden verkauft. Ein solches Kleid liegt in einer Preisklasse zwischen 80€ und 150€ Euro. Im April 2011 gründete Domaske mit ihrem Team die Qmilk GmbH. Jedoch startete die Produktion erst im vergangenen Jahr in einer Versuchsfabrik in Bremen.

Das Kasein wird ausschließlich aus Milch gewonnen, die nach gesetzlichen Regelungen nicht mehr als Lebensmittel verwendet werden darf, da die Milch zu viele Zellen enthält, durch Krankheitserreger verschmutzt ist oder bei der Produktion in der Molkerei etwas schief gelaufen ist. Jährlich werden aus diesen Gründen allein in Deutschland etwa zwei Millionen Tonnen Milch entsorgt. Für ein Kleid aus der Faser werden lediglich sechs bis zehn Liter Milch benötigt, und somit stellt das Material eine alternative Idee zu Baumwolle oder zu anderen Ressourcen verbrauchenden Textilien dar.

Vergleichbar ist die Milchtextilie mit Seide: Sie hat einen sehr weichen Griff und bietet durch ihre glatte Oberfläche ein angenehmes Tragegefühl. Daher ist sie auch für Menschen mit empfindlicher Haut geeignet. Die Vorteile sind folglich, dass die Faser einerseits ganz ohne Chemie hergestellt werden kann und dadurch auch für Allergiker geeignet ist, andererseits werden die Ressourcen geschont, da für ein Kleidungsstück nur wenig Milch und im Vergleich zu anderen Textilien sehr wenig Wasser und Energie verbraucht werden. Außerdem ist die Faser aufgrund ihrer natürlichen Bestandteile vollständig kompostierbar.

Bei wem das Interesse nach einem Kleidungsstück aus Milch geweckt wurde, der muss sich aber noch gedulden, denn die Kleidung kommt nach Angaben einer Mitarbeiterin von Qmilk voraussichtlich erst 2016 in die Läden. Auf der Homepage von Qmilk wird man jedoch jederzeit auf dem Laufenden gehalten.

Die Autorinnen

besuchen die Klasse 8a der Klosterschule

vom Heiligen Grab.

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