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"Ich würde mir eine Gemeinschaftsschule wünschen"
Michael Geggus: 'Ich habe den Eindruck, dass von den Schülern heute viel erwartet wird.' Foto: pr
10.02.2015 - 18:26 Uhr
Von Gizem Erdogan

und Corina Jasiulek

Die Schülerinnen Gizem Erdogan und Corina Jasiulek hatten die Chance, Schulbürgermeister Michael Geggus zu treffen und mit ihm ein Interview zu führen. Der Anlass dafür war das Schulprojekt "BT in der Schule". Michael Geggus (59) ist seit 2009 Bürgermeister in Baden-Baden. Er hat eine Ausbildung als Bankkaufmann absolviert, studierte danach Sozialpädagogik und erhielt ein Diplom. Er war in mehreren Arbeitsbereichen tätig und ist nun zweiter Beigeordneter der Stadt Baden-Baden.

Was sind Ihrer Meinung nach die größten Unterschiede zwischen Ihrer Schulausbildung und unserer?

Damals mussten Schülerinnen und Schüler eine Aufnahmeprüfung bestehen, um das Gymnasium besuchen zu können. Wir hatten auch nicht oft die Möglichkeit, nach dem eigentlichen Unterricht an Schulaktivitäten teilzunehmen. Es gab zwar ab und zu Theater- und Musik-AGs, aber bestimmt hatten wir nicht so viel Auswahl, wie es heutzutage der Fall ist.

Werden Schüler an den weiterführenden Schulen unter Druck gesetzt?

Ich habe den Eindruck, dass von den Schülern heute viel erwartet wird.

Sehen Sie aufgrund des Drucks, dass G9 die perfekte Lösung ist?

Nach der Reform waren alle allgemeinbildenden Gymnasien in Baden-Württemberg G 8. Aufgrund des Wunsches der Eltern hat die grün-rote Landesregierung es ermöglicht, dass in jedem Landkreis in Baden-Württemberg eine Schule mit G9 eingeführt wurde. Hier in Baden-Baden ist es nun das Markgraf-Ludwig-Gymnasium, welches die Möglichkeit anbietet. Dass alle Schulen auf G9 wechseln, ist meiner Meinung nach nicht angesagt, da man dann die ganze Struktur erneut umstellen müsste. Man sollte das Thema nun auch abhaken. G 8 hat sich etabliert.

Jedes Bundesland hat sein eigenes Schulsystem - auch Baden-Württemberg. Würden Sie ein einheitliches Bildungssystem bevorzugen und wären Sie damit zufrieden?

Ein einheitliches Schulsystem wäre von Vorteil, aber dies wird meines Erachtens nicht zustande kommen, da jedes Bundesland auf seiner Kulturhoheit bestehen wird. Ich würde mir auch in Baden-Baden die Einführung der Gemeinschaftsschule wünschen, da sie auch Kindern aus bildungsfernen Familien mehr Chancengleichheit ermöglicht.

Wären Sie ein Freund der Schuluniform?

Ich glaube nicht, dass es möglich wäre, Schuluniformen in Deutschland einzuführen. Andere Länder haben aber mit der Schuluniform durchaus gute Erfahrungen gemacht. Kinder aus ärmeren Elternhäusern werden so nicht ausgegrenzt, wenn sie nicht immer nach der neuesten Markenmode gekleidet sind.

Hatten Sie technische Mittel zur Verfügung?

Nein, wir hatten keine Computer, erst sehr spät Taschenrechner. Wir arbeiteten mit Rechenschieber und Formelsammlung. Wir mussten mehr Kopfrechnen und mehr als heute auswendig lernen, was uns aber nicht geschadet hat.

Würden Sie noch gerne etwas an uns, Schülerinnen und Schüler, ausrichten?

Toleranz gegenüber anderen Menschen mit anderem Aussehen, Glauben und Denken ist die Basis für ein gedeihliches Zusammenleben in unserer Gesellschaft. Engagiert Euch auch außerhalb der Schule in Vereinen und der Gesellschaft für ein friedliches Miteinander. Das ist Eure Zukunft, Ihr werdet gebraucht.

Die Autorinnen besuchen die Klasse 9b des Markgraf-Ludwig-Gymnasiums.

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