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Der Reiz des Fremden
Der Reiz des Fremden
23.03.2017 - 11:24 Uhr
Von Jonathan Framheim und Indira Karcher

Können Sie sich vorstellen, ein Jahr lang circa 9.000 Kilometer (km) von Zuhause entfernt zu sein? Ohne Familie, Freunde oder Bekannte? Und das ganze Umfeld spricht eine andere Sprache? Oder sollen es doch lieber nur zwei Wochen sein? Ein Traum für viele Schüler. Für Maria Jose Constante Carrillo (15) und Mathilde Louise Flageul (14) wurde es Wirklichkeit.

Doch was zieht junge Menschen für einen Austausch nach Deutschland und was für Erfahrungen erhoffen sie sich dadurch? Und dann auch noch an einen so ruhigen Ort wie Gernsbach und keine Metropole wie Hamburg oder Berlin? Pures Interesse oder Zwang der Eltern?

Von Mexiko nach Gernsbach

Maria Jose kommt aus Mexiko, genauer aus der Stadt Santillo, einer Stadt mit circa 725.000 Einwohnern nahe der Grenze zu Texas. Für ein Jahr geht sie auf den Wunsch ihrer Mutter im Herbst 2016 mit Beginn des neuen Schuljahres nach Deutschland. Ein Jahr wird sie hier verbringen, ehe sie im Frühjahr die Heimreise wieder antritt. 9000 km wieder zurück mit dem Flugzeug.

Dahingegen verbrachte Mathilde nur zwei Wochen in ihren eigenen Winterferien in Gernsbach. Sie besuchte, wie Maria, die Klasse 9a des Albert-Schweitzer-Gymnasiums in Gernsbach (ASG). Schon früher Zeit nahm sie auch an anderen Austauschen, unter anderem nach Hamburg und Berlin, teil. Auch in Gernsbach war sie in den Sommerferien 2016 schon einmal.

Wir hatten die Gelegenheit, mit zwei Austauschschülerinnen, die unterschiedliche Austauschmodelle gewählt haben, zu sprechen und uns mit ihnen über ihre Erwartungen und Erfahrungen auszutauschen, um uns selbst ein Bild von Schüleraustauschen machen zu können.

Klischee: Deutsche Jungs sind blond, blauäugig und groß

Beim Gedanken an ein fremdes Land entstehen sogleich viele Bilder im Kopf. Fragen entstehen. Beispielsweise: Wie sind die Menschen? Komme ich mit der Kultur klar? Mathilde konnte bereits Erfahrungen sammeln, da sie schon mehrere Austausche in Deutschland hinter sich hat. Doch eines der Klischees, welches sich auch bei Maria festgesetzt hatte, betraf das Aussehen und hielt sich: Deutsche Jungs sind blond, blauäugig und groß. Dass die meisten Jungs aus unserer Klasse dem nicht entsprechen, schien beiden sehr zu missfallen. Wenigstens scheinen sie, den Angaben von Mathilde entsprechend, immerhin größer als in Frankreich zu sein.

Ein weiteres Klischee, welches Maria mit sich brachte, war die Sache mit der Pünktlichkeit. Für uns Deutsche scheint es, aus ihrer Perspektive gesehen, eine Schande zu sein, zu spät zu kommen. In den Augen beider scheinen Bestrafungen beim Zuspätkommen in der Schule unverhältnismäßig streng zu sein. In ihren Heimatländern kommt man größtenteils mit einer Verwarnung davon.

Unter anderem scheint die Erfahrung beider zu zeigen, dass wir Deutsche sehr verschlossen seien. Im Vergleich zu den Menschen in Mexiko jedenfalls, wie uns Maria verriet. Dort würden die Leute offen aufeinander zu gehen. Probleme würden so schnell aus dem Weg geschafft.

Andere Kulturen kennenlernen

Die Welt zu sehen, indem man andere Kulturen kennenlernt, scheint von beiden ein Traum zu sein. Sei es nun auf ganz freiwilliger Basis wie bei Mathilde oder nach Empfehlung durch die Eltern wie bei Maria. Beide sind froh, die Erfahrung machen zu können.

Jedoch brachte diese Erfahrung auch Negatives mit sich. Ein ganzes Jahr ist Maria von ihren Freunden, ihrer Familie und allem Vertrauten getrennt. Kontakt darf nur via Telefon oder Skype hergestellt werden.

Auch bei Mathilde gab es Negatives zu berichten. So verbrachte sie einen Teil ihrer eigenen Winterferien statt mit Familie und Freunden in der Schule.

Schülerinnen vermissen Familie

Im Endeffekt können wir daraus schließen, dass beides seine Vor- wie Nachteile mit sich bringt. Aus den Erfahrungen der beiden geht für uns hervor, dass sie ihre Familien wie Freunde vermissen, sei es auch nur für zwei kurze Wochen. Auf der anderen Seite steht die Möglichkeit, die Welt zu entdecken und ganz Neues kennenzulernen. Wer ebenfalls über einen Austausch nachdenkt, sollte dies also mit Bedacht tun und das Für und Wider abwägen. Ob man dann zwei Wochen oder ein ganzes Jahr ins Ausland geht, bleibt dem Interessenten überlassen.

Die Autoren besuchen die Klasse 9a des Albert-Schweitzer-Gymnasiums in Gernsbach.

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