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Der lange Weg in die Freiheit
Adnan K. (links) mit Flüchtlingshelferin Franziska T., und mit seinem Onkel Zidan. Foto: pr
24.04.2017 - 10:46 Uhr
Von Alexandra Lehmann

und Daniel Lehmann

Baden-Baden - Es war mitten in der Nacht des 3. August 2014 in einem Jesidendorf namens Tel Quassab im Irak. Es herrschte Panik, als man hörte, dass der islamische Staat mit Lkws in die umliegenden Dörfer einfuhr und alle Bewohner erschoss. Adnan K., damals 15, und seine Familie, darunter seine Eltern, seine Geschwister und seine beiden Onkel, hatten Glück. Sie erreichte die Nachricht zum rechten Zeitpunkt, so dass sie es schafften, mit ein paar anderen Bewohnern ihres Dorfes in die nahe gelegenen Berge zu fliehen.

Dort harrten sie acht Tage lang ohne Verpflegung und mit wenig Wasser aus. Adnan musste mit ansehen, wie viele Menschen an Unterernährung und den Verletzungen, die sie sich auf der Flucht zugezogen hatten, starben.

Knapp eine Woche später wurden seine Familie und die restlichen Überlebenden durch amerikanischen Soldaten befreit. Erst dann erfuhren sie, dass der Islamische Staat (IS) in die Häuser der Jesidendörfer eingedrungen sei und alle Frauen, die sich zu diesem Zeitpunkt noch in den Dörfern befunden hätten, auf brutalste Weise vergewaltigt, verstümmelte und ermordet habe. Viele Freunde von Adnan wurden bei dem Angriff getötet. Die meisten Jungs in Adnans Alter wurden vom IS entführt und werden nun als Soldaten und Selbstmordattentäter eingesetzt.

Adnan und seine Familie wurden in ein Zeltlager in Kurdistan gebracht, wo die schlimmsten Bedingungen herrschten. "Im Sommer war es unnatürlich warm, oftmals bis zu 50 Grad, im Winter wurde es immer sehr kalt. Wenn es regnete, floss das Wasser in die Zelte, und wenn es stürmte, konnte es sein, dass einem einfach das Zelt über dem Kopf weggeweht wurde", erzählte Adnan. Nach einem Jahr entschieden seine Eltern, ihn und seinen damals 19-jährigen Onkel Zidan auf die lange Reise Richtung Deutschland zu schicken, da er das Älteste von sechs Kindern war. Sie hofften, dass beide in Deutschland ein neues Leben beginnen und ihre Familie später nachholen könnten.

Mit nur zwei Rucksäcken traten sie den langen Weg über die Balkanroute an. "Wir hatten meist bis zu zehn Stunden zu laufen. Oftmals taten mir so die Füße weh, dass ich dachte, sie würden mir jeden Moment nachgeben und ich würde hinfallen", verriet Adnan.

Er und Zidan durchquerten die Türkei, Bulgarien, Serbien, Kroatien und Slowenien, bis sie schließlich nach Österreich gelangten. Von dort aus fuhren sie mit dem Zug nach Deutschland. In Karlsruhe fanden Adnan und sein Onkel Unterkunft in einem Flüchtlingsheim. Dort blieben sie drei Monate lang, bis sie in ein Erstaufnahmelager nach Sasbachwalden verlegt wurden.

Dort traf Adnan erstmals auf Franziska T. "Es war sozusagen Liebe auf den ersten Blick", sagt er lächelnd im Interview. Sie sei durch eine Freundin animiert worden zu helfen und so nach Sasbachwalden gekommen. "Wir haben uns beim Tischtennisspielen kennengelernt und sind danach mehrere Male schwimmen gegangen. So hat Adnan Vertrauen zu mir gefasst."

Mittlerweile hat Adnan drei Jahre Asyl bekommen und lebt noch in einem Flüchtlingsheim in Ludwigsburg. Ab Spätsommer suchen Adnan und sein Onkel eine Zweizimmerwohnung in Baden-Baden. Wer eine Wohnung zu vermieten hat, kann sich unter (07221) 9314559 bei der Stadt melden.

Die Verfasser gehen in die Klasse 9a des Markgraf-Ludwig-Gymnasiums.

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