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"Aufklären und demonstrieren"
Anne Marie Herrmann ist Mitbegründerin des PETA-Streetteams Baden-Baden.  Foto: Herrmann
20.03.2018 - 11:49 Uhr
Baden-Baden - Ob Pelzkragen, Fellbommel oder Accessoires: Für die Pelzindustrie sterben jährlich Millionen von Tieren. Doch auch, wer nur Kunstfell kaufen will, läuft Gefahr, unfreiwillig echtes Fell untergejubelt zu bekommen. Deshalb setzt sich Anne Marie Herrmann im Rahmen der Tierschutzorganisation PETA (People for the Ethical Treatment of Animal, übersetzt: Menschen für die ethische Behandlung von Tieren) gegen das Tragen von Pelz ein. Die Schülerinnen Emily Kponvi und Milena Scharf der Klosterschule vom heiligen Grab haben sich mit Herrmann unterhalten.

BT: Frau Herrmann, seit wann interessieren Sie sich für dieses Thema und sind Teil der Organisation PETA?

Anne Marie Herrmann: Seit frühster Kindheit fand ich es schon immer grausam und abartig, Pelze zu tragen. Meine Oma und meine Tante hatten auch einen Nerz, aber bereits meine Mutter weigerte sich in den 80er Jahren, als meine Oma ihr ihren Pelzmantel schenken wollte, diesen zu tragen. Damals war ich sieben Jahre alt und meine Eltern erklärten mir, warum meine Mama das lieb gemeinte Geschenk meiner Oma verweigerte. Seit meinem zehnten Lebensjahr lebe ich fleischlos, wurde dann auch Vegetarier und lebe seit vier Jahren nahezu vegan. Daher war es schon immer ein Bedürfnis, mich im Rahmen der Tierschutzorganisation PETA gegen das Tragen von Pelzen auszusprechen. Im Winter 2015 gründete ich dann mit deren Unterstützung das PETA-Streetteam Baden-Baden.

Interview

BT: Ist es wahr, dass uns heutzutage echtes Tierfell als Kunstpelz verkauft wird ?

Herrmann: Ich erlebe es immer wieder, dass ich durch Geschäfte gehe und Kleidungsstücke sehe, bei denen ich leider davon ausgehen muss, dass es sich hier trotz einer Kennzeichnungspflicht um Echtpelz handelt. Meist sind davon billige Bommel an Taschen oder Mützen, aber auch die beliebten Krägen an Winterjacken betroffen. Ein einfacher Test, um dies auszuprobieren, ist es, ein Stück des Fells mit dem Feuerzeug anzuzünden. Das kann man natürlich erst machen, wenn man es gekauft hat. Riecht es nach Plastik, ist es Kunstpelz, riecht es nach verkokeltem Horn muss man leider von einem Echtpelz ausgehen.

BT: Hat sich die Einstellung der Menschen im Laufe der Zeit eher in das Positive oder in das Negative geändert ?

Herrmann: Die Einstellung der Menschen hat sich im Laufe der Jahre nicht geändert. Es wird immer Menschen geben, die ihr Handeln hinterfragen und versuchen, verantwortungsbewusst trotz zivilisierter Welt, Massentierhaltung und Kommerz mit ethischem Respekt Tieren zu begegnen. Und es wird auch immer solche geben, die nichts hinterfragen, mit den anderen mitschwimmen und sich für dumm verkaufen lassen. Leider ist dies die breite Masse, aber ich fühle mich sowohl als Mensch als auch als Teil dieser Gesellschaft dazu verpflichtet, aufzuklären und so meine Stimme für die, die keine haben, laut werden zu lassen. Zur Not auch sehr deutlich, wobei ich jegliche Radikalisierung verabscheue. Aufklärung ist das Ziel, damit jeder sich selbst fragen kann: "Ist dieser Umgang mit Tieren mit meinem ethischen Gewissen vereinbar oder nicht?" Diese Frage darf sich jeder selbst beantworten, und ich respektiere auch ein "ja". Aber nur dann, wenn sich derjenige vorher mit der Thematik auseinander gesetzt hat. Ignoranz lasse ich nicht gelten, den Dialog hingegen schon

BT: Wie können wir uns engagieren?

Herrmann: Aufklären und demonstrieren. Nicht wegschauen und immer wieder die Öffentlichkeit ansprechen. Die Leute sollen darüber Bescheid wissen, welches Leid sie da am Körper tragen und unter welchen Methoden das Tier getötet wurde. Um den Pelz so gut wie möglich zu erhalten, werden unter anderem auch Tiere mit Analelektroschock getötet oder vergast. Es entzieht sich meinem Empfinden, wie gerade Hundebesitzer mit ihrem "Rassefiffi" an der Leine durch Baden-Baden stolzieren und am Kragen irgendeinen qualvoll bei lebendigem Leib gehäuteten Hund aus China tragen. Ich habe eine solche Dame mal angesprochen. Sie meinte, dass Kunstfell nicht so schön im Wind mitwippen würde, wie ein Echtpelz. Ich war wirklich sprachlos.

Die Autorinnen besuchen die 10b der Klosterschule vom heiligen Grab.

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