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Die Alternative zum Pflegeheim
Die Alternative zum Pflegeheim
27.02.2019 - 10:51 Uhr
Von Maximilian Stehr und Jonas Falk

Baden-Baden - Zunächst einmal was ist eine Demenz? Demenz ist der Oberbegriff für Erkrankungen, die mit dem Verlust geistiger Fähigkeiten wie denken, erinnern, orientieren und verknüpfen von Denkinhalten einhergehen. In der Demenz-Wohngemeinschaft (WG) "Bonjour la vie" leben zwölf Bewohner, welche rund um die Uhr von Alltagsbegleitern betreut werden. Das Haus, in dem sich die WG befindet, wurde von der Scherer-Stiftung gebaut und wird von der Caritas gemietet. Die WG wurde im Juli 2015 eröffnet. Maximilian Stehr und Jonas Falk haben mit der Alltagsbegleiterin Sarah Groß und zwei Angehörigen gesprochen.

Interview

BT: Frau Groß, was sind die Vorteile einer WG für demenziell erkrankte Menschen gegenüber einem Pflegeheim?

Sarah Groß: Der große Unterschied besteht darin, dass bei uns die Bewohner ihren Alltag selbst bestimmend leben können. Die Bewohner bringen ihre eigenen Möbel und richten sich ihr Zimmer mit Möbeln von zu Hause ein, so behalten sie ein Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit. Die Menschen dürfen sich frei in der Wohnung bewegen, wir Alltagsbegleiter gehen individuell auf die Bewohner ein und das ist in meinen Augen der größte Vorteil gegenüber einem Pflegeheim.

BT: Wie sind Sie eigentlich zu diesem Beruf gekommen?

Groß: Ich habe Altenpflegerin gelernt, dann bin ich zum ambulanten Pflegedienst für ein Jahr gegangen, was mir nicht gefallen hat. Dann ist mir die Stelle als Nachtwache in der WG aufgefallen und so arbeitete ich von Oktober 2015 bis April 2016 als Nachtwache in der WG. Danach wechselte ich in den Tagdienst und arbeite seither in Früh- und Spätdiensten als Alltagsbegleiterin in der WG. Und heute kann ich mir nichts anderes vorstellen, als diesen B eruf auszuüben.

BT: Wie geht man mit demenziell erkrankten Menschen um?

Groß: Man muss viel Geduld und Verständnis für die Bewohner mitbringen. Außerdem sollte man die Menschen in ihrer "Welt" lassen und sich so gut es geht in die jeweilige Person einfühlen.

BT: Ist die Arbeit mit demenziell erkrankten Menschen schwierig?

Groß: Es kommt auf den Zustand der Menschen an, an manchen Tagen ist man froh, dass der Tag vorbei ist, und wenn man acht Tage durch gearbeitet hat, fängt es an, einem an die Psyche zu gehen. Es ist aber auch körperlich schwierig, wenn man die Menschen aus dem Rollstuhl ins Bett oder den Sessel heben muss, genauso umgekehrt. Aber man bekommt von den Bewohnern und den Angehörigen, die sich sehr in der WG einbringen so viel zurück. Man fühlt sich wertgeschätzt.

BT: Was passiert, wenn ein Bewohner stirbt?

Groß: Wir begleiten die Bewohner bis zu ihrem Tod, bis jetzt gab es in den fast vier Jahren nur drei Todesfälle. Als vor Kurzem eine Bewohnerin gestorben ist, haben wir uns kurz vorher von ihr verabschiedet und sind nachts noch einmal zur Wohngemeinschaft gefahren, als sie verstorben ist. Es geht einem schon sehr nahe, weil wir alle wie eine große Familie sind. Nachdem die Person verstorben ist, bekommt sie einen Engel und einen Blumenstrauß auf ihren Nachtisch gestellt. Außerdem verewigen wir sie in unserem Gedenkbuch, in welches ein Bild und ein Spruch hineinkommen.

BT: Herr Haßler (Angehöriger), wieso haben Sie sich für die Demenz-WG entschieden?

Rainer Haßler: Ich habe mich für diese Einrichtung entschieden, weil ich meine Frau nicht mehr zu Hause pflegen konnte. Bekannte haben mir den Tipp gegeben, dass diese Einrichtung neu gebaut wurde. Als ich dann zum Tag der offenen Tür ging, habe ich mich wegen dieser familiären Atmosphäre und dem Konzept entschieden, meine Frau hier anzumelden. Ich besuche meine Frau täglich und wir verbringen den Alltag zusammen. Wir trinken mittags Kaffee und essen Abendbrot mit den anderen Bewohnern zusammen. Schlichtweg verbringen wir den Tag zusammen, machen Ausflüge, singen, machen mit bei den Aktivierungen der Alltagsbegleiter, oder es kommen Ehrenamtliche, die etwas vorlesen oder etwas auf ihren Instrumenten spielen und die Bewohner singen dazu.

BT: Frau Metz (Angehörige), sind Sie zufrieden mit der Wohngemeinschaft?

Hannelore Metz: Ja, sehr sogar. Ich finde es toll, wie man sich mit anderen Angehörigen treffen und über diese Krankheit austauschen kann. Es ist auch toll, wie den Bewohnern hier ihre Freiheiten gelassen werden, und wie wir alle eine große Familie bilden und jeder für jeden da ist. Ich kann also die Demenz-Wohngemeinschaft von Herzen empfehlen. Mein Lebensgefährte fühlt sich auch sehr gut aufgehoben.

Die Autoren besuchen die 10a der Klosterschule vom Heiligen Grab.

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