https://www.badisches-tagblatt.de/UnternehmenKarriereZusteller/index.html
http://www.badisches-tagblatt.de/UnternehmenKarriereZusteller/index.html
Kunst, die protestiert und provoziert
Kunst, die protestiert und provoziert
17.03.2019 - 16:11 Uhr
Von Tscho-Rok Greß, Katharina Rehberg und Johanna Nestler

Rastatt/Baden-Baden - Im Oktober 2018 schockierte der anonyme Street-Art-Künstler Banksy mit der Zerstörung seines Bildes "Girl with Balloon". Das Bild wurde durch einen im Rahmen eingebauten Schredder halb geschreddert, unmittelbar nachdem es für 1,2 Millionen Euro an eine europäische Sammlerin verkauft worden war. Ein paar Tage später erklärte der Künstler, dass das neue Kunstwerk jetzt "Love is in the bin" heißen würde. Der Künstler hatte seit 2002 das auf Schablone gearbeitete Motiv schon mehrere Male illegal als Graffito an verschiedene Orte in London gesprüht und später auch auf Leinwand.

Banksy selbst äußerte sich via Instagram und You-Tube und erklärte einen Tag nach der Auktion seine Schredderaktion als von langer Hand geplante Kritik am Kunstmarkt. Dieses Werk in dem goldfarbenen Rahmen hatte Banksy 2006 im Rahmen einer Kunstaktion in Los Angeles dem Vorbesitzer übergeben und bereits einen Schredder in den Bilderrahmen gebaut, für den Fall, dass das Bild gegen seinen Willen in eine Auktion gegeben würde. Banksy selber hat keine Galerie, die ihn vertritt und er selber verkauft seine Werke über seine Firma Pest Control.

Wir waren im Museum Frieder Burda und haben einigen Besucher ein paar Fragen gestellt. Auf die Frage, ob sich die Besucher das Bild auch angeschaut hätten, wenn es ganz geschreddert worden wäre, hatten die Besucher verschiedene Antworten. Ein paar fänden es schöner, wenn es ganz geschreddert wäre. Andere philosophierten, dass es eben dadurch, dass es halb geschreddert ist, etwas Besonderes ist. Eine Besucherin sagte, dass sie sich geschreddertes Papier auch daheim anschauen könne.

Unsere zweite Frage an die Besucher war: Welche Botschaft der Künstler aus ihrer Sicht mit der Schredderaktion überbringen wollte? Einige Besucher glauben, dass Banksy einfach nur Aufmerksamkeit und weltweites Interesse wecken wollte. Andere zitierten Banksys eigene Aussage, Kritik am Kunstmarkt ausdrücken zu wollen und damit den Verkauf seiner Werke gegen seinen Willen auf Kunstauktionen zu kritisieren. Eine Besucherin sagte, dass er damit deutlich machen wolle, dass es nicht auf den Preis des Bildes ankomme, sondern auf das, was man mit dem Bild mache. Eine weitere Besucherin meinte, neben der Kritik am Kunstmarkt wolle Banksy mit dieser Aktion einmal mehr sein Konzept der Unabhängigkeit demonstrieren.

Banksy protestiert mit dieser Aktion und provoziert. Das gefällt uns. Aber hat er sein Ziel mit der Schredderaktion erreicht? Zum Nachdenken hat er jedenfalls viele Menschen gebracht. Auch uns. Nun hing aber sein Werk, das mittlerweile eine millionenschwere Geldanlage auf dem kapitalistischen Kunstmarkt ist, im Museum Frieder Burda in Baden-Baden und jetzt in der Staatsgalerie Stuttgart. Vielleicht hätten wir die Besucher fragen sollen, ob ihnen das Kunstwerk auch gefallen würde, wenn Banksy es über Nacht an eine Hauswand ihres Eigenheims gesprüht hätte.

Die Autorinnen besuchen die Klasse 8 a des Ludwig-Wilhelm-Gymnasiums Rastatt.

BeiträgeBeitrag schreiben 
https://www.freizeitmessen-freiburg.de/
Umfrage

Mit einem 3:2 ist die deutsche Fußball-Nationalmannschaft erfolgreich in die EM-Qualifikation gestartet. Glauben Sie, dass das verjüngte Team dauerhaft in die Erfolgsspur zurückfindet?

Ja.
Nein.
Weiß nicht.


Wetter in Mittelbaden


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz