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Buchkritik: ,,Der Junge auf dem Berg′′
Buchkritik: ,,Der Junge auf dem Berg''
20.03.2019 - 11:25 Uhr
Von Sarah Schwilden

Baden-Baden - "Der Junge auf dem Berg'' ist ein Roman von John Boyne. Die zweite Auflage ist im Oktober 2018 im Fischer Verlag erschienen.

Die Handlung spielt von 1936 bis 1945. Es geht um einen Jungen namens Pierrot, der zu Adolf Hitlers Sommerresidenz auf den Berghof kommt. Es steht kurz vor dem Zweiten Weltkrieg. Auf dem Berghof gerät Pierrot unter den direkten Einfluss Hitlers. Dieser bewegt ihn zu allem, selbst vor Verrat an der Familie schreckt Pierrot nicht mehr zurück. Dann bemerkt Pierrot, als alles vorbei ist, dass er weder ein Franzose noch ein Deutscher mehr ist, er ist ein Nichts. Er hat kein Zuhause und keine Familie mehr.

Im ersten Teil des Romans, der im Jahr 1936 spielt, wird das teilweise noch unbeschwerte Leben von Pierrot beschrieben. Er lebt mit seinen Eltern in Paris. Unter ihm lebt sein bester Freund Anshel, er ist Jude. Der Vater von Pierrot war ein Soldat aus dem Ersten Weltkrieg, währenddessen er zwar nicht gestorben ist, aber in dem seine frühere Persönlichkeit getötet wurde. Um sich vom Erlebten abzulenken, trinkt er. Der Vater wurde durch den Krieg zerstört und zerstört damit die ganze Familie. Er wird von einem Zug überfahren, einige Zeit später verstirbt auch noch Pierrots Mutter an Krankheit. Diese Geschehnisse sind ausschlaggebend für Pierrots späteres Leben. Er kommt in ein Waisenhaus, dort lebt er sich trotz aller Schwierigkeiten relativ gut ein. Doch dann erfährt Pierrots Tante Beatrix vom Tod seiner Eltern und dass er im Waisenhaus lebt, sie beschließt ihn zu sich auf den Berghof zu nehmen. Doch das ist der größte Fehler ihres Lebens.

Der erste Teil des Romans weckt das nötige Interesse zum Weiterlesen, weil die Schicksalsschläge von Pierrot Berührung auslösen und man die Zusammenhänge der Schicksalsschläge und der Haupthandlung erfahren möchte.

Der zweite Teil des Romans spielt von 1937 bis 1940. Er spiegelt die Handlungen auf dem Berghof, wie Pierrot, der deutsch-französische Junge, zum deutschen Jungen Peter wird, wie sich der zuvor noch liebe Junge unter dem Einfluss des Führers Adolf Hitler zum eiskalten, herzlosen Nationalsozialisten entwickelt, der sogar seine Tante verrät.

Im zweiten Teil des Romans ist sehr interessant zu lesen, wie es Adolf Hitler schafft, Pierrot durch Verängstigung, Manipulation und Anerkennung immer mehr auf die Seite der Nationalsozialisten zu ziehen. Wie eine Stelle aus dem Buch zeigt, in der Pierrot schwören muss: ,,In Gegenwart dieser Blutfahne, die unseren Führer repräsentiert, schwöre ich, meine gesamte Energie und Tatkraft dem Retter unseres Landes, Adolf Hitler, zu widmen. Ich bin Willens und bereit, mein Leben für ihn zu geben, so wahr mir Gott helfe. Der Führer lächelte und nickte, nahm das Kärtchen wieder entgegen, und Pierrot hoffte, dass er dabei nicht merkte, wie seine kleinen Hände zitterten.'' Im dritten Teil des Romans, der zwischen den Jahren 1941 und 1945 spielt, wird beschrieben, wie Pierrot zu einem immer schlechteren Menschen wird, und wie die Zeit der Nationalsozialisten dem Ende zugeht. Der Zweite Weltkrieg ist verloren, Hitler ist tot. Zum Schluss bemerkt Pierrot, was er angerichtet hat, aber für die Wiedergutmachung ist es nun zu spät. Diese Schuld wird er für immer mit sich tragen.

Der Inhalt des dritten Teils ist etwas verkürzt. Ich hätte mir ein wenig mehr Informationen gewünscht, wie es zum Versagen Hitlers gekommen ist und dass die Realisation des Fehlverhaltens von Pierrot und den anderen Nationalsozialisten etwas genauer beschrieben wäre. Der Epilog ganz zum Schluss hingegen ist wieder gut gemacht und lässt nach den bisherigen Geschehnissen im Roman etwas erleichtern.

Die Autorin besucht die Klasse 9b des Pädagogiums.

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