"Bühl wurde auf die Karte gesetzt"

'Bühl wurde auf die Karte gesetzt'

Von Jamie Neale

Bühl - Volleyball verleiht Spielern Fitness, es macht ihnen Spaß und gibt ihnen die Möglichkeit zum Reisen. Doch was bietet der Sport der Stadt Bühl und Personen, wie der Geschäftsleitung oder dem Trainer? Jamie Neale, Schüler der Klasse 8a des Windeck-Gymnasiums, spielt selbst Volleyball in der U-16-Nachwuchsmannschaft des TV Bühl und in der U17-Nationalmannschaft Englands. Er hat über das Thema mit Manohar Faupel, Geschäftsführer der Volleyball Bisons, und Trainer Ruben Wolochin gesprochen.

BT: 1000 Bühler Fans sind vor kurzem nach Mannheim gereist, um das Pokalfinale zu sehen, obwohl die Bühler klare Underdogs waren. Wieso sind die Fans so engagiert?

Ruben Wolochin: Ich denke, dass der TV Bühl eine gute Beziehung mit den Fans hat. Als ich 2010 zum Verein kam, waren viele Fans schon engagiert. Meiner Meinung nach ist die Stadt sehr stolz auf uns, und wir sind stolz auf die Stadt.

Manohar Faupel: Wir sind schon ein bisschen volleyballverrückt hier. Es gibt Leute, die bis nach Berlin gefahren sind, um ein Spiel zu sehen. Für unsere Fans ist es etwas Besonderes, dass wir eine Erstliga-Mannschaft haben. Das Pokalfinale ist auch etwas, wo nur zwei Teams im Jahr dabei sind, was die Begeisterung steigert.

BT: Bühl ist im Vergleich zu Friedrichshafen und Berlin sehr klein. Wieso ist der Verein so erfolgreich?

Faupel: Zu einem haben wir eine gewisse Konstanz durch unseren Trainer. Und die Stimmung in Bühl ist sehr gut, da die Halle immer ausgebucht ist.

Wolochin: Also, es kommt an, was die Leute für erfolgreich halten. Es gibt keine Formel für Erfolg. Für mich ist es, dass wir gegen die großen Teams spielen können. In den letzten sieben bis acht Jahren haben wir immer um Medaillen gespielt. Wir geben Sportlern, die in nicht so guten Ligen spielen, die Chance in der Bundesliga aufzutreten, und wir pushen diese zum Limit. Deswegen entwickeln sich die Spieler und sie geben alles zurück.

BT: Was hat der Volleyballsport der Stadt anzubieten?

Faupel: Volleyball ist für Bühl ein riesiges Projekt - es gibt Unterstützung der Stadt und fast 100 weitere Sponsoren, kleine aber auch große. Dass es überhaupt möglich ist, in der ersten Bundesliga zu spielen, zeigt, dass es eine große Begeisterung für Volleyball in Bühl und Umgebung gibt. Bühl selbst wurde durch den Volleyball auf die Karte gesetzt. Da wir schon zweimal im Pokalfinale waren, gibt es eine gewisse nationale Komponente. Außerdem haben wir eine internationale Komponente durch unseren Kader, der aus unterschiedlichen Nationalitäten besteht. Das größte Beispiel ist Masahiro Yanagida - etliche volleyballbegeisterte Japaner besuchen uns am Wochenende, um ihren Talisman zu sehen.

Wolochin: Ich denke, dass Volleyball für die Stadt ein Exempel von Teamwork ist und es gibt Respekt, weil Bühl durch Volleyball eine Präsenz in Deutschland bekommen hat, was der Stadt nur gut tut.

BT: Was bedeutet Volleyball für Sie persönlich?

Wolochin: Für mich ist Volleyball nicht nur mein Job, sondern mein Leben, weil ich die Sportart faszinierend finde. Ich fing in der Schule an, Volleyball zu spielen und danach wollte ich unbedingt Trainer werden. Dadurch habe ich auch meine Frau kennengelernt, sie war auch ein Coach. Es gibt mir viel Spaß, es hält mich jung und "up to date", weil ich mit jungen Spielern arbeite. Ich glaube es macht mich zu einer besseren Person, weil ich ständig am Lernen und Verbessern bin. Mein Leben ist 24 Stunden Volleyball, es ist meine Leidenschaft.

Faupel: Ich spiele natürlich auch in der Bezirksliga. Für mich ist Volleyball faszinierend, weil man nur mit dem ganzen Team punkten kann, also muss jeder sein Part machen. Im Fußball oder Basketball kann man theoretisch einfach nach vorne dribbeln und ein Tor beziehungsweise einen Punkt machen. Außerdem gibt es beim Volleyball keinen direkten Körperkontakt, also muss man seinen Frust anders kompensieren.

BT: Was macht einen guten Spieler aus?

Faupel: Ein guter Spieler ist für mich ein ausgewogener Spieler, der lernen will, mental in der Lage ist, Sachen umzusetzen und physikalisch auch gut ist. Man muss auch ein guter Teamplayer sein; wenn man egoistisch ist, bringt es dich und dein Team nicht weiter.

Wolochin: Ein guter Spieler muss nicht unbedingt physisch stark sein, sondern er muss das Spiel gut spielen. Ein guter Spieler ist der, der immer lernbereit ist und Lösungen finden kann.

BT: Was wird die Zukunft dem TV Bühl bringen?

Faupel: Wir werden die Chance haben, oben in der Liga mitzuspielen, falls wir weitere große Sponsoren kriegen. Und außerdem wollen wir die Jugendarbeit fördern und ausbauen.

Wolochin: Die Zukunft ist nicht geschrieben. Ich hoffe auf das Beste.

BT: Spieler wie Leon Meier, Pascal Bäuerle, Philipp Oster und Robin Stolle stammen aus der eigenen Jugend. Können andere junge Talente in der Zukunft die Chance haben, in der Bundesliga zu spielen?

Wolochin: Ich glaube, wir brauchen mehr spezifisches Training, damit wir in der Zukunft mehr eigne junge Talente im Team haben können. Ich habe offene Arme für die Jugend.

Faupel: Die vier gehören bis jetzt nur zum erweiterten Kader, aber es ist trotzdem gewünscht, dass nach und nach immer wieder Talente den Sprung in die Bundesliga machen. Das Ziel ist, dass es jedes Jahr zwei, drei Spieler schaffen.

zurück