Das Lieblingsgift der Rotkehlchen
Kaum zu übersehen: Die leuchtenden Farben des Pfaffenhütchens warnen Menschen und locken Vögel.  Foto: Stephan Biebinger
Rastatt (red) - Zur Pflanze des Monats November 2017 hat die Umweltstiftung Rastatt das Pfaffenhütchen gekürt. Lateinisch heißt das Pfaffenhütchen "Euonymus europaea". Sein deutscher Name geht auf seine rosa leuchtenden Früchte zurück. Sie erinnern an das Birett, eine Kopfbedeckung katholischer Geistlicher.

Das Pfaffenhütchen ist ein echter Europäer: Seine Verbreitung reicht von Nordspanien bis zur Wolga - allerdings hat es nur Skandinaviens Südspitze besiedelt. Weitere Exemplare wachsen außerdem zwischen dem Schwarzen und dem Kaspischen Meer. Rund um Rastatt findet man das Pfaffenhütchen oft in krautreichen Auwäldern und an Waldrändern. Gerade im Herbst ist es durch seine bunten Früchte und die schöne Laubfärbung ein echter Blickfang. Der Strauch kommt mit unterschiedlichen Bedingungen zurecht, bevorzugt aber nährstoffreiche Lehmböden. In der Regel wird er drei bis fünf Meter hoch. Die Wurzeln des Pfaffenhütchens bilden zahlreiche Ausläufer, über die es lichte Standorte schnell in Besitz nimmt.

Alle Pflanzenteile, vor allem die Samen, enthalten Giftstoffe. Die gemahlenen Samen dienten früher als pulverartiges Insektengift, das in Shampoo oder Salben die von Milben verursachte Krätze heilte. Sogar für große Weidetiere kann das Gift des Strauchs tödlich sein. Auch für Menschen ist es hochgefährlich: Der Verzehr der Früchte führt zu Kreislaufstörungen, Fieber und Koliken. Das Gift wirkt mit einer Verzögerung von mindestens zwölf Stunden. In Extremfällen kommt es ab einer Menge von 30 bis 40 Samen sogar zu tödlichen Lähmungen. Heimische Vogelarten dagegen können davon kaum genug bekommen: Sobald im August seine Früchte reif sind, springen die Fruchtkappen auf und machen die orange-roten Samen frei. Das ist der Moment für Drosseln, Elstern und Rotkehlchen, denn bei ihnen stehen die knallbunten Früchte hoch im Kurs. Im Volksmund ist der Strauch daher auch als "Rotkehlchenbrot" bekannt. Im Gegensatz zu den leuchtenden Herbstfarben sind die weiß-gelblichen Blüten zwischen Mai und Juni beinahe unscheinbar. Trotzdem lockt ihr Nektar viele Insekten an, vor allem Ameisen und Fliegen.

Das gelbe Holz des Pfaffenhütchens ist sehr zäh und wurde unter anderem für Orgelpfeifen, Schuhnägel, Stricknadeln und Spindeln genutzt. So kam das Pfaffenhütchen zu seinem Beinamen "Spindelstrauch". Sein Holz ergibt außerdem eine besonders hochwertige Holzkohle, die früher als Zeichenkohle verwendet wurde.