Verkehr und Vertreibung verstören die Bürger
Verkehr und Vertreibung verstören die Bürger
Rastatt (ema) - Anders als vor wenigen Tagen im Gemeinderat haben die Pläne von Daimler zur Erweiterung des Benz-Werks bei einer Bürgerinformation in der Reithalle ein überwiegend kritisches Echo gefunden. Die beherrschenden Themen unter den mehr als 200 Zuhörern: Verkehr und Vertreibung der Kleingärtner und Schützen.

Der Prozesskoordinator der Machbarkeitsstudie, Andreas Ness, und Stadtplaner Markus Reck-Kehl umrissen nochmals die Entscheidungsfindung (das BT berichtete ausführlich). Mit der Option, dass mit der vorgeschlagenen Auslagerung des Zulieferer-Industrieparks ins Rastatter Bruch im Süden eine Lösung mit der geringsten Verkehrszunahme angestrebt wird, konnte Ness die Gemüter nicht beruhigen. Vor allem die Bürgerinitiative Lärmschutz Münchfeld riss die Diskussion an sich und offenbarte das tiefe Misstrauen gegenüber dem Regierungspräsidium, weil das Land angeblich nicht genug gegen den Lärm unternehme.

Straßenbaumaßnahmen nicht nur aufgrund von Benz-Erweiterung

Ness rief zur Differenzierung auf, denn einige Straßenbaumaßnahmen hätten nichts direkt mit der Benz-Werk-Erweiterung zu tun. Dazu zählen die Münchfeld-Querspange von der Badener Straße (B3) zur L75 sowie der Ausbau der A-5-Anschlussstelle Rastatt-Nord. Nach Darstellung von Axel Speer, Referatsleiter im Regierungspräsidium, ist bei beiden Projekten frühestens 2024 mit einem Baubeginn zu rechnen.

Ihren Frust machten auch einige Rieder Luft wegen der Verkehrsbelastung allein durch die rund 1.200 Elsässer, die "beim Benz" schaffen. Allerdings machten die Bürger auch konkrete Entlastungsvorschläge: Plädiert wurde unter anderem für eine Sammelstelle im Elsass, damit die Mitarbeiter per Buspendelverkehr oder in Fahrgemeinschaften unterwegs sind.

Benz will Fahrgemeinschaften fördern

Werkleiter Thomas Geier bekräftigte, dass man sich deutlich stärker für eine Verminderung des Individualverkehrs einsetzen werde, möglicherweise auch über Förderprogramme. Vorgeschlagen wurde auch eine Nutzung des Merzeau-Geländes als Parkplatz, so dass Ottersdorf und Wintersdorf gar nicht durchfahren werden müssten und sogar ein Zugverkehr zum Werk denkbar wäre. Sowohl Ness als auch Reck-Kehl zeigten sich allerdings skeptisch, da auf dem alten Militärareal im Süden langfristig eine Wohnbebauung erwogen werde. Laut Ness wurden in der Machbarkeitsstudie insgesamt 27 verkehrslenkende Maßnahmen aufgenommen, die nun eingehender geprüft werden.

Kleingärtnern steht Ersatzfläche zu

Stark vertreten waren in der Reithalle die Kleingärtner aus dem Oberwald, die um ihre Zukunft bangen. OB Hans Jürgen Pütsch stellte in Aussicht, dass die Kleingärtner in den nächsten drei bis fünf Jahren mit einem Umzug rechnen könnten. Nach dem Bundeskleingartengesetz stehe den Betroffenen ein adäquater Ersatz zu. Der Rathaus-Chef versprach, dass sich die Stadt an die Zusagen vor 14 Jahren halte und eine neue Heimstatt am Westring anstrebe. Allerdings sei die Stadt noch nicht Eigentümerin der Flächen.

Foto: ema

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