Geständnis fast 16 Jahre nach einem Mord
Geständnis fast 16 Jahre nach einem Mord
Freiburg (lsw) - Mehr als 15 Jahre nach der Entführung und Ermordung einer Reinigungsfrau in Bad Krozingen bei Freiburg hat die Polizei einen Verdächtigen festgenommen. Der 54 Jahre alte Deutsche aus der Umgebung von Freiburg habe die Tat gestanden, teilten Staatsanwaltschaft und Polizei am Freitag in Freiburg mit.

Der Mann sei nicht vorbestraft. Gegen ihn sei Haftbefehl erlassen worden, der Fall sei aufgeklärt. Die Ermittler seien Anfang Juli dieses Jahres nach dem überraschenden Hinweis eines Bekannten des Mannes erneut aktiv geworden und auf den nun Festgenommenen gestoßen. Nach der Tat 2003 gefundene Körperspuren stimmten mit der DNA des Mannes überein.

Spaziergängerin fand Leiche im Wald

Die 57 Jahre alte Frau, die aus Karlsruhe stammte, war am 17. Januar 2003 in Bad Krozingen nach Dienstende auf der Straße vor einer Klinik in ihr Auto gezerrt und entführt worden. Sie hatte in dortigen Kliniken als Reinigungskraft gearbeitet. Rund neun Wochen später, im März 2003, war sie einige Kilometer entfernt in einem Waldstück bei Ehrenkirchen von einer Spaziergängerin nackt und erstochen gefunden worden. Die Tat blieb fast 16 Jahre lang unaufgeklärt.

"Verdächtiger war erleichtert"

Der Verdächtige habe Angaben zu seinem Motiv gemacht, sagte der Leiter der Freiburger Staatsanwaltschaft, Dieter Inhofer. Mehr wollten die Ermittler dazu aber nicht sagen. Er habe unauffällig bei Freiburg gelebt und sei bis zu seiner Festnahme mit dem Gesetz nicht in Konflikt gekommen. "Er war erleichtert", sagte Staatsanwalt Tomas Orschitt über den Moment, in dem der Mann nun das Geständnis ablegte.

Die Ermittler gehen davon aus, dass die Frau am Tag ihrer Entführung ermordet und in den Wald gelegt wurde. Eine Verbindung zwischen dem Opfer und dem nun Festgenommenen habe damals durch einen gemeinsamen Bekannten bestanden. Um ein Zufallsopfer handle es sich bei der Frau nicht. Anwohner waren durch Hilfeschreie der Frau auf die Entführung aufmerksam geworden, hatten jedoch nicht helfen können.

Zeuge erkennt Rucksack des mutmaßlichen Täters

Es handele sich nicht um ein Sexualdelikt, sagte Staatsanwalt Orschitt. Nach der Entführung sei der Mann mit dem Auto des Opfers unterwegs gewesen. Am Fahrersitz fanden sich seine Körperspuren, die nun als Beweise gelten. Zudem habe er nach der Tat mit der Bankkarte der Frau Geld abgehoben. Dabei waren Fotos einer Überwachungskamera von dem maskierten Mann entstanden. Der Zeuge, der sich nun meldete, habe den Rucksack des Mannes erkannt, der auf den damals veröffentlichten Fotos zu sehen war, sagte Inhofer. Warum der Zeuge so lange mit seiner Aussage wartete, blieb unklar.

Der Festgenommene habe als Selbstständiger mit einem Gewerbebetrieb gearbeitet, sagte Chefermittler Andreas Nußbaumer. Er lebte den Angaben zufolge in einer Partnerschaft und hat Kinder.

Massengentest und Fahndung in "Aktenzeichen XY... ungelöst" blieben erfolglos

Die Polizei war in den vergangenen Jahren eigenen Angaben zufolge mehreren hundert Hinweisen nachgegangen, jedoch ohne Erfolg. Auch ein Massen-Gentest, bei dem von mehr als 1300 Männern in der Region Speichelproben genommen wurden, sowie eine Fahndung in der Fernsehsendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" hatten die Ermittler nicht auf die entscheidende Spur gebracht.

Eine Speichelprobe des heute 54-Jährigen sei damals nicht genommen worden, sagte der Chef der Freiburger Kriminalpolizei, Peter Egetemaier. Der Mann lebte etwas außerhalb des Gebietes, in dem die Polizei nach dem Mörder suchte und den Massen-Gentest organisierte.

Foto: dpa/Polizei

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