In Au fühlt sich "praktisch niemand unwohl"
Von den Buslinien, die Au am Rhein bedienen, halten Senioren wenig. Eine Umfrage unter über 70-Jährigen hat ein ähnlich negatives Bild ergeben wie vor Monaten eine Jugendbefragung. Foto: Heck
Von Helmut Heck

Au am Rhein - Hohe Zufriedenheit mit dem Leben in Au am Rhein und Verbesserungswünsche hat eine Umfrage ergeben, die unter Einwohnern der Altersgruppe ab 70 Jahren durchgeführt wurde. Anhand eines Katalogs von 25 Fragen sollten die Senioren Auskunft über ihre Alltagsbewältigung geben und wie sie sich ihre Versorgung im Pflegefall vorstellen. Die Erhebung gehört zum Projekt "Quartier 2020". Es war bereits die zweite Befragung älterer Mitbürger.

Das vorrangige Ziel, um das es dieses Mal ging, beschrieb Bürgermeisterin Veronika Laukart mit der Hoffnung, den Lebensabend "so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden" verbringen oder, sollte dies nicht mehr machbar sein, "wenigstens im Ort bleiben zu können". Zur Teilnahme waren per Anschreiben alle 485 Einwohner aufgefordert worden, die zum Zeitpunkt der Umfrage 70 Jahre und älter waren. Durchgeführt wurde sie vom Marktforschungsinstitut LQM aus Mainz. Der Rücklauf sei mit 43,3 Prozent der bisher höchste unter vergleichbaren Aktionen seines Unternehmens gewesen, stellte Klaus Kortmann ein überdurchschnittliches Interesse fest.

Konrad Roth, Mitinitiator und Sprecher des Seniorenrats, berichtete, dass bei der Frage nach dem Wohlfühlen im engeren Wohnumfeld 53 Prozent "sehr wohl" und 43 Prozent "alles in allem wohl" angekreuzt. Fünf Prozent fühlen sich "weniger wohl".

Enge Einbindung in die Familie

Mit der sozialen Einbindung ins Gemeindeleben erklärten sich 80 Prozent zufrieden, dennoch wünschten sich 53 Prozent mehr Kontakte. Positiv auffällig war aus Sicht des Statistikers auch, dass über 22 Prozent der Altersgruppe mit eigenen Kindern und deren Familie unter einem Dach wohnten. Kortmann sah darin nicht zuletzt ein Stück familiäre Verantwortung der jungen gegenüber der älteren Generation.

Als größte Defizite bei der Alltagsbewältigung wurde von 27 Prozent das Fehlen von Fahr- und Bringdiensten genannt und von 22 Prozent der Mangel, kleine handwerkliche Hilfen zu bekommen. Unterstützung beim Putzen wünschten sich 20 Prozent. Aus solchen Erkenntnissen wurden die Empfehlungen abgeleitet, eine Nachbarschaftshilfe aufzubauen und einen Bürgerbus zu erwägen.

Schlechte Bewertung des Nahverkehrs

Gar nicht gut weg kam bei der Befragung der öffentliche Personennahverkehr (ÖPVN). Kritisiert wurde, dass die Nutzung zu umständlich sei, dass man in Au keine Fahrkarten kaufen könne, die Automaten andernorts zu kompliziert seien. Busse führen zu selten, an Samstagen und Sonntagen gar nicht, sie seien nicht seniorengerecht. Für Auer Senioren spiele der ÖPVN "faktisch keine Rolle", folgerte Kortmann.

Ein zentrales Thema waren die derzeitigen Wohnverhältnisse der Befragten und die Frage nach neuen Wohnformen für Senioren. Etwas über die Hälfte der Umfrageteilnehmer rechnet damit, mit fortschreitendem Alter Probleme zu bekommen, knapp 20 Prozent ließen wissen, dass sie "hin und wieder" Schwierigkeiten hätten, in den eigenen vier Wänden zurecht zu kommen. Es wurde herausgefunden, dass dafür bei 75 Prozent Treppen vor oder im Haus ausschlagebend sind. Das Bad ist ein weiteres Alltagshandicap.

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