Hebammen im Land können Bedarf nicht auffangen
Hebammen im Land können Bedarf nicht auffangen

Stuttgart (dpa/lsw) - Hebammen im Südwesten könnten dringend Verstärkung gebrauchen. Denn längst nicht jede Schwangere oder Mutter, die sich hierzulande Unterstützung wünscht, bekommt sie auch.

Bei einer Befragung im Auftrag des Sozialministeriums berichtete 2017 jede zweite Mutter, die vor der Geburt eine Hebamme gesucht hatte, von Schwierigkeiten. Freiberufliche Hebammen erhalten demnach weit mehr Anfragen, als sie annehmen können. Mehr als 30 Prozent gaben an, dass ihre Arbeitsbelastung in den vergangenen fünf Jahren deutlich gestiegen sei.

Kliniken haben Probleme Hebammen zu finden

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den an der Umfrage beteiligten Kliniken. Mehr als die Hälfte berichtete über Probleme, offene Hebammenstellen zu besetzen. Abhilfe sollen unter anderem zusätzliche Ausbildungsplätze an den Hebammenschulen schaffen. Ihre Zahl soll von aktuell 480 auf 626 steigen.

Nutzerfreundliche Online-Karte

Der Deutsche Hebammenverband dokumentiert den Mangel an Geburtshelferinnen auf einer Online-Karte. Dort können Frauen melden, wenn sie in ihrer Region keine Hebamme gefunden haben. Für Baden-Württemberg gibt es momentan rund 4.500 Einträge. Dabei mangelt es vor allem an einer Wochenbettbetreuung.

Neuer Bachelorstudiengang

Hebammenwissenschaft

Auch deshalb gibt es seit diesem Wintersemester an der Uni Tübingen den Bachelorstudiengang Hebammenwissenschaft. Bisher lernten Hebammen ihr Fach vorrangig in einer dreijährigen Ausbildung.

Künftig soll das nur noch über einen dualen Hebammenstudiengang möglich sein, wie sie einige Hochschulen bereits anbieten, verkündete Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Mitte Oktober.

Deutschland Nachzügler bei Studium für Hebammen

Damit will er eine EU-Vorgabe umsetzen, die eine Akademisierung der Hebammenausbildung bis 2020 vorschreibt. Deutschland ist das letzte EU-Mitgliedsland, in dem dies noch nicht so ist.

Bundesweit bisher nur ein

Vollhochschulstudium

Ein Vollhochschulstudium wie das in Tübingen gibt es nach Angaben des Deutschen Hebammenverbands (DHV) bundesweit noch nicht. Es unterteilt sich in Vorlesungseinheiten und solche beispielsweise im Simulationskreißsaal - Theorie und Praxis sollen so besser verknüpft werden. Nach sieben Semestern winkt der Bachelor.

Von den 122 Bewerberinnen an der Universität Tübingen - ein Mann war nicht darunter - bekamen nur die besten Abiturientinnen einen der 30 Studienplätze. Der Numerus clausus lag bei 1,5.

Symbolfoto: dpa

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