Ottersdorfer zeigen Nächstenliebe
Hilfsaktion abgeschlossen: Anette, Manuel und Mailo Reis (von links) übergeben die Spendeneinnahmen an Roswitha und Roland Schulz. Foto: Fortenbacher
Rastatt (for) - Manchmal ist es nur ein kleiner Moment, der alles verändern kann - Roswitha Schulz kann das bestätigen. Am 30. August dieses Jahres hat sich die 70-Jährige aus ihrem brennenden Haus in der Oststraße in Ottersdorf gerettet. Rund 150000 Euro Sachschaden sind bei dem Dachstuhlbrand entstanden.

Roswitha Schulz blieb unversehrt, ihr Eigenheim, in dem sie gemeinsam mit Sohn Roland Schulz lebte, ist seit diesem Tag aber unbewohnbar. Die Metzgerei Reis und das Dorflädele in Ottersdorf starteten daraufhin eine Spendenaktion für die Brandopfer. Am Samstag konnte das Familienunternehmen 800 Euro an die Betroffenen übergeben.

Es war ein Donnerstag, als Roswitha Schulz plötzlich seltsame Geräusche in ihrem Haus hörte. "Es war, als würde jemand Steine auf das Dach werfen", erinnert sich die 70-Jährige. Die Ursache fand sie im Dachgeschoss ihres Hauses: Im Zimmer ihres Sohnes lag bereits ein "orangefarbener Schleier" über dem Bett. Sofort eilte Schulz ins Freie und alarmierte die Feuerwehr, Sohn Roland sei zu diesem Zeitpunkt schon bei der Arbeit gewesen, erzählt sie. Einsatzkräfte aus Ottersdorf, Plittersdorf und der Kernstadt mussten mit rund 60 Mann anrücken, um das Feuer unter Kontrolle zu bringen.

Das Unglück hat alles verändert

"Danach war nichts mehr so, wie es einmal war", meint Schulz. Weshalb der Dachstuhl Feuer gefangen hatte, kann sie sich bis heute nicht erklären. Auch rund neun Wochen nach dem Schicksalsschlag fällt es der Ottersdorferin noch schwer, über den Brand zu sprechen. Immer wieder treten ihr Tränen in die Augen, wenn sie an die vergangenen Ereignisse denkt. Auch Roland Schulz ist nach wie vor betroffen. Und dennoch können die beiden mittlerweile wieder positiv in die Zukunft blicken. "So viel Nächstenliebe zu erfahren, gibt mir Kraft", betont Roswitha Schulz. Sie sitzt auf einem Stuhl in der Metzgerei Reis und hält ein Sparschwein mit der Aufschrift "Spendenaktion für Rosi" in ihren Händen. Die 70-Jährige ist hier seit Kindheitstagen Stammkundin und schätzt die familiäre Atmosphäre.

"Als wir von dem Brand erfahren haben, war uns sofort klar, dass wir Rosi helfen müssen", so Anette Reis. Gemeinsam mit ihrem Mann Stefan betreibt sie die Metzgerei in Ottersdorf in der vierten Generation. Sohn Manuel, der den Familienbetrieb mit dem Dorflädele erweitert hatte, stellte ebenfalls eine Spendenkasse auf.

Stattlicher Spendenbetrag

Roswitha Schulz lebt seit ihrer Geburt in der Riedgemeinde und ist deshalb bekannt in Ottersdorf. "Aber es haben auch viele Leute von auswärts gespendet, die Rosi nicht kennen", betont Anette Reis sichtlich gerührt, "Ich kann all diesen Menschen nur herzlichst danken", fügt sie hinzu.

Auch Enkel Mailo Reis hat etwas dazu beigetragen: Er erhalte normalerweise einen Teil des Trinkgelds vom Dorflädele, so Manuel Reis. In den vergangenen Wochen sei jedoch auch dieser Teil in die Spendenkasse geflossen. Rund 780 Euro sind insgesamt zusammengekommen. Die Familie Reis rundete den Betrag auf 800 Euro auf. Roswitha und Roland Schulz können die Unterstützung gut gebrauchen. Inzwischen sind die beiden in einem Fachwerkhaus in Ottersdorf untergekommen, ihr Eigenheim in der Oststraße muss abgerissen werden. In Zukunft wollen sie dort ein ebenerdiges Fertighaus aufstellen lassen.

Foto: Fortenbacher

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