Dehoga warnt vor Gaststättensterben auf dem Land
Dehoga warnt vor Gaststättensterben auf dem Land
Stuttgart/Bühl (lsw/jo) - Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga warnt vor einem schleichenden Verschwinden der Gasthäuser und Gasthöfe auf dem Land. Die Zahl der Unternehmen im Gastgewerbe sei von 2008 bis 2016 um acht Prozent auf 30.800 gesunken, sagte der Landesvorsitzende Fritz Engelhardt im Vorfeld des Dehoga-Delegiertentages in Esslingen. Dabei zeige sich, dass vor allem Wirte und Hoteliers im ländlichen Raum aufgeben. In einigen Landesteilen ist das inzwischen deutlich spürbar: Im Schwarzwald-Baar-Kreis hätten zwischen 2008 und 2016 etwa 130 Gasthäuser, Gasthöfe, Pensionen und Hotels geschlossen - ein Minus von 16 Prozent. Im Zollernalbkreis mussten 93 Betriebe aufgeben - 15 Prozent. Den traurigen Rekord halte der Main-Tauber-Kreis. Hier hätten 120 Betriebe aufgegeben - ein Rückgang um knapp ein Viertel. Die Zahlen basieren auf der Umsatzsteuerstatistik, neuere Daten liegen nicht vor.

Gastwirte klagen über Personalmangel und bürokratischen Aufwand

Dabei ist die Lage im Gastgewerbe nicht schlecht: In der jüngsten Konjunkturumfrage bezeichneten knapp zwei Drittel der befragten Gastwirte und gut drei Viertel der Hoteliers ihre wirtschaftliche Lage als gut. Allerdings beklagen alle Befragten den Personalmangel und den bürokratischen Aufwand bei der Dokumentation von Arbeitszeiten. Fast die Hälfte Gastwirte hat Probleme mit der Einhaltung der täglichen Höchstarbeitszeit.

"Betriebe leiden unter chronischem Mitarbeitermangel", klagte Engelhardt. "Unternehmer und ihre Familien kompensieren das Fehlen von Fachkräften durch eigene Mehrarbeit." Wo das hinführen kann, zeigt sich in Nagold, wo das Gourmetrestaurant "Alte Post" schließt. Erst gab Chefkoch Stefan Beiter den Stern ab, dann sah er überhaupt keinen Weg mehr. Der Grund: Personalnot.

Dabei wuchs der Personalstand in der Branche zuletzt auf einen Höchststand von 132.500 Beschäftigten. Doch der Nachwuchs fehlt: Die Zahl der Auszubildenden ist in den vergangenen zehn Jahren von gut 10.000 auf rund 6.200 gesunken.

Gerade kleine Betriebe im ländlichen Raum haben Schwierigkeiten

Der Strukturwandel sei dramatisch: "Während größere Betriebe, die investieren können, vielfach zu den Gewinnern zählen, geraten die kleineren Betriebe im ländlichen Raum immer mehr ins Hintertreffen." In den nächsten fünf Jahren stehen nach Angaben des Dehoga 4.000 von Inhabern geführte Betriebe vor der Übergabe, weil die Besitzer in den Ruhestand gehen.

Gasthaus "Lamm" in Kappelwindeck schließt nächstes Jahr

Auch das "Gasthaus zum Lamm"in Kappelwindeck, das selbst in der Feinschmecker-Bibel "Gault & Millau" Beachtung fand, wird nächstes Jahr schließen (wir berichteten). Ludwig Bechter, Betreiber und Chefkoch des Gasthauses wird voraussichtlich zum 24. Februar sein Feinschmeckerlokal schließen. "Grund dafür ist der immer mehr um sich greifende Personalmangel in der Gastronomie", erklärt der 58-Jährige. Er sieht keinen anderen Ausweg. Er verliert seinen Koch - und findet keinen Nachwuchs.

Foto: Eiermann

Impressum - Nutzungsbedingungen - Datenschutz