Keine Blutspenden, kein Weizen- und Sojaanbau
Keine Blutspenden, kein Weizen- und Sojaanbau
Karlsruhe/Baden-Baden (vn/nof/fk) - Gleich zweimal schaffte es das Thema PFC in der zurückliegenden Woche wieder auf die Titelseite des Badischen Tagblatts. Zum einen hatte das Regierungspräsidium Karlsruhe sein Vorerntemonitoring abgeschlossen und musste im Zuge dessen feststellen, dass die mit der Chemikalie PFC belasteten Flächen angewachsen sind. Zum anderen erregte im öffentlichen Diskurs die Nachricht Aufsehen, dass Blutplasma von Spendern aus dem Landkreis Rastatt und dem Stadtkreis Baden-Baden wegen möglicher PFC-Belastung nicht für die direkte Anwendung beim Menschen eingesetzt wird.

 

Das ist allerdings kein neues Phänomen, sondern war lediglich durch einen Bericht des SWR in den Fokus gerückt. Denn die Regelung gilt bereits seit März 2017, wie der DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg-Hessen in Frankfurt auf BT-Nachfrage bestätigte.

Kein Grund zur Sorge

Gründe zur Sorge bestünden für die Bevölkerung nicht, betonte Pressesprecherin Stefanie Fritzsche: "Jede Blutspende zählt."

Bislang werden Blutprodukte nicht auf per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) untersucht. Es gebe keinen wissenschaftlich belegbaren oder behördlich festgelegten Messwert, ab dem von einer besonderen Gesundheitsgefährdung ausgegangen werden könnte, erläutert Fritzsche.

Bereits bei vergangenen Info-Veranstaltung hatten Experten betont: "Wir forschen". Zwar gebe es einen Wert, bei dem klar ist, dass die PFC-Konzentration auf Basis der Untersuchungen keine Auswirkungen hat, doch einen Wert, ab dem man sagen könne, dass PFC irgendwelche Folgen habe, gebe es nicht.

Die Anreicherung im menschlichen Organismus erfolge langfristig, zum Beispiel über das Trinkwasser. "Eine Bluttransfusion erfolgt in der Regel aus akutem Anlass und nicht über einen langfristigen Zeitraum. Eine akute Gefahr für den Blutempfänger ist deshalb auszuschließen", sagte Fritzsche dem Badsichen Tagblatt. Hinweise auf ein Risiko für eine PFC-Anreicherung durch Bluttransfusionen würden ebenfalls nicht vorliegen.

DRK: Reine Vorsorgeentscheidung

Der Spender- und Empfängerschutz sei für den DRK-Blutspendedienst das höchste Gut. Nur deshalb sei "ohne behördliche Auflage vorsorglich, freiwillig und eigenverantwortlich" entschieden worden, das gespendete Blutplasma aus der Region Mittelbaden für die Verwendung als sogenanntes therapeutisches Quarantäneplasma vorläufig zu sperren.

Aufgehoben werden soll diese Sperre erst, wenn eine abschließende Bewertung des Risikos in der Region von der durch die Landesregierung eingesetzten Expertenkommission erfolgt ist. Dazu würden auch die Ergebnisse der Reihenuntersuchungen in der Bevölkerung mit berücksichtigt.

Vorerntemonitoring: 881 Hektar belastet

Beim Thema Vorerntemonitoring gibt es indes konkretere Zahlen. Der Umfang der Flächen mit PFC-Gehalten in Nord- und Mittelbaden ist auf insgesamt 881 Hektar angewachsen. Davon liegen 644 Hektar im Raum Rastatt/Baden-Baden, verteilt auf rund 200 Quadratkilometer.

Kein Weizen mehr auf PFC-Flächen

Unerwartet früh wurden zudem in geringem Umfang Spuren von PFC in Spargel und - entgegen der bisherigen Erkenntnisse - auch in Wintergerste gefunden. Bereits bei geringen PFC-Gehalten im Boden werde der Beurteilungswert der kurzkettigen PFC im Weizenkorn überschritten. Insofern muss künftig auf den Anbau von Weizen auf PFC-Flächen verzichtet werden, stellt der Abschlussbericht des Regierungspräsidiums klar.

Das RP informiert weiter über die Ergebnisse des Landwirtschaftlichen Technologiezentrums Augustenberg (LTZ). Dieses hat herausgefunden, dass Kartoffeln zwar wie erwartet im Kraut einen hohen PFC-Gehalt aufweisen, in der Knolle jedoch keine nachweisbaren PFC einlagern. Ein weiteres Ergebnis zu Sojabohnen habe die ersten Erkenntnisse aus dem VEM bestätigt, wonach diese Pflanze ganz erheblich PFC einlagert und somit als Anbaualternative nicht zur Verfügung steht.

Stadtwerke filtern aus

Das Baden-Badener Trinkwasser enthält seit diesem Jahr wie berichtet kaum noch PFC, da die Stadtwerke mittels Osmose die PFC-Schadstoffe aus dem Wasser isolieren. Allerdings geht dabei Trinkwasser verloren, denn aus 100 Litern PFC-verunreinigtem Wasser werden nur 80 Liter sauberes Trinkwasser gewonnen, 20 Liter bleiben als Konzentrat übrig, da der chemische Stoff PFC nicht abgebaut, sondern nur isoliert werden kann. Das Konzentrat wird per Aktivkohlefilter gereinigt, der die meisten PFC-Bestandteile ausfiltert.
Auch der Umbau und die damit verbundene Stilllegung des Rauentaler Wasserwerks waren die Folge von PFC-Verunreinigungen. Nach fast fünfjähriger Zwangspause ist das Wasserwerk seit Juni wieder am Netz ausgestattet mit hochwirksamer Filtertechnik (wir berichteten). Vier speziell entwickelte Aktivkohlefilter sorgen dafür, dass Verunreinigungen aus dem Brunnenwasser entfernt werden. Pro Filter werden täglich rund 1,5 Millionen Liter Trinkwasser im 24-Stunden-Betrieb aufbereitet und von PFC befreit.

Vielfältige Infos rund um das Thema PFC gibt es auch auf der Internetseite der eigens geschaffenen Stabstelle PFC des Regierungspräsidiums.

Foto: dpa. Auf den Anbau von Weizen auf PFC-Flächen muss verzichtet werden, stellt das Regierungspräsidiums klar. Die Pflanzen nehmen zu viel PFC auf.

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